Manachmal stinkt ein Iltis

Ja und meine Heulereien wegen diesem interlekt-entkernten Englischtest habt ihr letzte Woche schon gelesen. Diese Woche habe ich neben dem normalen studentischen Wahnsinn eben auch noch IELTS („Iltis“) abgelegt.
Beeindruckend, dass alle 20 Teilnehmer erstmal 20 Minuten in dem hässlichsten 60er Jahre Vorraum der ganzen Stadt ohne Stühle und mit nur Nichts rum warten durften. Bei einem Schnäppchenpreis von 170€ nimmt man sowas natürlich gerne in Kauf. Besonders, wenn das „Personal“ dann auch noch Englisch mit deutschem Akzent wie Betonplatten auftellert.
Die selbstbildverzerrte Frau, die mir letzte Woche noch geschrieben hatte:“[…] und möchte gleichzeitig betonen, dass ich mich strikt an die vorherrschenden Regularien halten muss und jegliche Diskriminierungsvorwürfe entschieden von mir weise.“ und der ich gerne raten würde sich mal etwas mit deutscher Nachkriegsgeschichte zu befassen, hat mich am Nachmittag zum Speaking Test gebeten.
„Can you read this?“ knallt sie mir einen Fünfzeiler auf blauem Papier vor die Augen. Ich erkläre, dass auf A3 groß kopiert immer besser wäre. Sie guckt missmutig, obwohl sie bejat, dass es einen Kopierer gäbe. Ich bringe meine pronöse LCD Lupe ins Spiel, um ihrer Faulheit entgegen zu kommen. Lesen zwei Worte vor und bekomme den Zettel gleich wieder aus der Hand gerissen. „You will get extra time to read this one minute task. Is that fine for you?“ Mein Gesicht versteift: Bitte jetzt nicht lachen, nicht jetzt. Für einen Fünfzeiler für den man eine Minute zum nachdenken hat noch extra Zeit… Das ist ja wie ein Gold scheißender Esel mit eingebauter Geldfälschmaschine. Welch Güte der seelischen Reinheit. Aber ich hab sie durchschaut: Ihren aufgesetztes pseudo Vorstadtenglisch kann sogar jedes Trüffelschein als deutschen Englischlehrerschmarn enttarnen. Ungläubig stellt sie am Ende des Interviews auch fest, nachdem ich ihr gesagt hatte, dass das Mikro immer noch rot leuchtet, dass ich ja Lichter gut erkennen könnte. Dann muss ich mir Augen technische Fachwörter aus der Aphotheken-Umschau anhören. „Haben sie Astigmatismus? Oder haben sie Tunnelblick?“ Ne? Können sie kein Englisch? Short-sightedness heißt Kurzsichtigkeit, frau! Das ist so, wenn alles unscharf ist. Bildung wie ne Tonne Altöl. That is sooo middle class.

Bleibt der Mittelklasse treu. Meine Mitbewohnerin fährt nach Südafrika und ich lerne immer noch. But now it’s tea time.

Eilmeldung: English Incident

Okey, es ist von vorneherein schon merkwürdig, dass meine japanische Austauschuni ein Englischzertifikat und kein Japanischzeugniss haben will. Vor allem, weil man sich bei den meisten Japaner auf Englisch nur nach dem Wetter und ihrem Vornamen erkundigen kann. „Hau a yuu?“ „Fain senkusu!“. Und dann hüllen sie sich auch schon in dunkelstes Schweigen, meist mit dem flehenden Blick, dass man bitte nicht noch irgendwas fragen möge.

Aber wenn Bürokrat etwas will dann sag nicht nein. So muss ich noch mitten in der Klausurenphase diesen IELTS Test vom Vereinigten Königreich durchpuschen. Und die sind auch noch total die bewussten Tester, denn auf deren FAQ gibt es das zu lesen:

Welche Vorkehrungen können für Kandidaten mit Behinderungen oder besonderen Beeinträchtigungen getroffen werden?

Wir wollen allen Kandidaten die Möglichkeit geben, den IELTS-Test unabhängig von persönlichen Einschränkungen abzulegen, um die Sprachkompetenz so fair und objektiv wie möglich beurteilen zu können. Die IELTS-Testzentren unternehmen darum alle Anstrengungen, um den besonderen Bedürfnissen von Kandidaten mit Behinderungen Rechnung zu tragen. Weitere Informationen finden Sie auf http://www.ielts.org. Die jeweils notwendigen Maßnahmen müssen zusätzlich im Vorfeld mit dem zuständigen Testzentrum geklärt werden.

Derbe! Dachte ich und hab auch gleich auf Seite drei des Anmeldeformulars unter meinem Country-Code bei „Special needs“ ein Häkchen gesetzt. Heute morgen habe ich dann in Berlin das Telefon scheppern lasen, um mal so auszuchecken, wie die sich das mit dem Gute-Fee spielen so vorstellen. Und Puff war sie weg die Fee. „Aber, wie sie sicherlich wissen müssen sie uns das drei bis vier Woche vor dem Testtermin bekannt geben.“ Säuselt es und bei mir bricht der Visuv aus. Was ist das denn schon wieder für eine Gleichberechtigungs-Notbremse? Man kann vielleicht halbe Hähnchen kaufen, aber halbe gleiche Bedingungen gibt es nicht. Besitz ich ne Kristallkugel oder juckt mein kleiner Zeh, wenn in einem Monat mal wieder eine Englischzertifikat gebraucht wird? Nein, und bei allen anderen Menschen geht das auch nicht so und deshalb darf man sich bis zum Montag vor der Prüfung anmelden. „Some animals are more equal“ und dürfen das dann aber nicht. Ich hab zwar London eine herzzerreißende Flehmail geschickt und hoffe, dass die vielleicht doch noch den zweiten Gang einlegen, aber fair vergleichbar werden meine Sprachkenntnisse wohl da nicht mehr bewertet werden können. Schade, gute Planung und etwas mehr Denkvermögen hätten ihnen (und mir) diese Demütigung erspart. Brite müsste man sein.

Trinkt mehr Irish Caffee. Farewell.

Vom Essen: Ob Tier oder Pflanze

Ich geb es zu: Ich schmeiße meine staatlich finanziert Ausbildungsförderung für studenten-unfreundliches Bio-Gemüse und goldpreisteure Bio-Steaks in alle EC-Karten-Lesegeräte dieser Stadt. Und heute will ich euch mal den Moral-Hans geben und euch erzählen warum ich das mit voller Hingabe jeden Tag mache.

Erst mal kurz – Der Auslöser für das hier war Followfish. Das ist kein Followme-Auto für U-Boothäfen, sondern eine Webzweinull Bio-Informationsoffensive. Denn ich konnte da den Tracking-Code meines Fischfilets – ein Lachs, den ich grade zu Abend gegessen hatte – eingeben. Super, jetzt weiß ich, dass mein Abendessen in Norwegen gefangen wurde und auch noch bei gutem Wetter starb. Als Bonus darf ich sogar das Autokennzeichen vom LKW kennen, der das Ding rumgetuckert hat. Was bringt mir das jetzt? Nichts! Nur, dass ich weiß wo mein Fisch herkommt? Das hätte man auch mit einem simplen „Made in Norway“ auf der Packung abhacken können. Was wollen die Hersteller damit denn sagen? Mir haben sie gezeigt, dass ich wirklich echten Fisch gegessen habe. Irgendwie banal, aber denkt ihr daran, wie die echte Kuh ausgesehen hat, deren Milich ihr grade trinkt? Unsere Nahrungsmittel sind fast immer dem lebenden Wesen von dem sie stammen so abverfremdet worden, dass wir diese Verbindung fast natürlich gar nicht mehr ziehen.

Und das ist heute mein Thema. Es ist schon irgendwie ein Selbstbetrug, denn viele Mitteleuropäer würden niemals ein Lamm töten können, kaufen aber gerne Lammsteaks bei Lidl im Sonderangebot. Nur weil diese viereckig wie künstlich hergestellte Nahrungslappen aussehen.

Ein Freund von mir hat grade auch den Film Unser Täglich Brot gesehen. Der zeigt die industrielle Lebensmittelherstellung in Europa ohne Kommentar oder Interviews. Nur Bilder und Ton. Es ist Kunst als Dokumentarfilm. Ich empfehle ihn sehr. Fast alle Leute, die ihn gesehen haben, warn von ihrem eigenen Selbstbetrug – unterstützt von den Supermärkten – erstaunt. Keiner wurde jedoch Vegitarier. Aber wir waren uns alle einig, dass der in jeden Erdkundeunterricht gehört. Man isst danach bewußter. Mensaessen für 2,50€: Wie kann da das Schwein seine Würde gehabt haben? Denn es geht um Würde und um Glück. Es ist dabei egal, ob man Fleisch oder Pflanzen isst.

Das nerdige WIRED-Magazin hatte dazu letztes Jahr ein Titelthema: „The Future of Food„. Es geht zwar um die USA, aber klickt euch mal etwas durch die schön gestalteten Diagramme und Statistiken. Es zeigt auch, dass wir die 500 Millionen Menschen in der EU gar nicht ohne dieses Industrielle ernähren könnten. Harmonisch auf einem einsamen Bauernhof leben zu wollen wäre da schon eine enorme Verschwendung und egoistisch den restlichen Menschen gegenüber, die dicht gedrängt in durchsturkturierten Städten leben.

Wie der Freund von mir gut festgestellt hat, liegt es z.B: auch an mir, dem Ingenieur, der die 100-Schweine-pro Stunde-Maschine entwickelt, zu entscheiden was Würde und was Ausbeute an der Natur ist. Ich entscheide, ob die Herstellung meiner Paprika das Grundwasser mit Käfergiften vollpumpt. Ich entscheide meinen Blumenkasten mal wieder mit Tomaten zu bepflanzen. Und ich entscheide, ob ich eine exotische Südfrucht oder einen Apfel esse. Das ist unsere Freiheit und das sollte uns auch bewusst sein. Nebenbei, wenn ihr euch mal Bio kauft ist da 20% weniger Wasser drin, heißt also es schmeckt intensiver und man fühlt sich gesättigter. Kosten Nutzen.

Hakuna matata! The Circle of live und so. Bleibt Greenhorns.

Teenies, Formular und die Integration

Huch, es ist ja Donnerstag. Eigentlich nicht ein Tag zum Bloggen für mich. Aber es ist so viel passiert. The wind of change – ihr wisst schon.

Fang ich mit den Teenies an. Meine anonyme Mitbewohnerin hat mich nämlich auf das Bloc Party Konzert in Muc mitgeschleppt. Eigentlich ganz schön geiles Zeug, nur die aggressiven Teenis auf der Brit-Rock Partäi waren nicht so der Swing. Pogo, das mehr Randale ist als Tanz, geht ja mal gar nicht zu meinem Groove. Ich bin da lieber schleunigst ins Abseits auf die Renterbank und hab vor mich hin hoppent den geilen British-Accent vom Frontman genossen. Teenies: Ich weiß zu Hause wohnen kann manchmal stressig sein, besonders, wenn man die Geschirrspühlmaschien ausräumen muss. Aber bitte keine Gewalt in Konzerten. Werdet Studenten, dann habt ihr keine Spühlmaschinen mehr. Achja, und das mit dem Ein-Frau-Gardrobenrpinzip von der Location überdenken wir nochmal.

Außer Gerangel on the dancefloor hatte ich noch das Aufklärungsgespräch. Nichts mit Kondomen und solchen Sachen, sondern über Japan, das geile Land, und die Tokyo Tech. War ganz nett und ein paar coole Leute sind mit am Start. Jetzt heißt es nur last minute noch die Bewerbung für Japan zusammenkleistern bis Ende Februar. Toefl brauch ich ja auch noch. Wird nachgereicht das teure Partyschwein. Und wie im Dschjungel-Duell, also wie im echten Urwaldleben, jagen wir auch schon nach den besten, den tollsten und den geilsten Stipendien dieses Planeten. Mal sehen was am Ende die Portokasse so hergibt. Tipps nehme ich auch gern entgegen.

Ja und zum Schluss noch ein Report von den Abgründen der TU München: Nämlich Integration und ihre Spätfolgen. Heute gab es ein super Treffen für Leute mit besonderen Anforderungen ans Studium (Behinderte und Chronisch Kranke nennt der Beamte uns). Natürlich waren die Geschichten aus dem Unialltag der anderen genau die gleiche Gleichstellungs-Hühnerkacke, die mir ungefähr dauernt hier an der TU passiert. Professoren, die Prüfungszeitverlängerungen, die rechtilich bindent sind, nicht anerkennen, weil man die Behinderung ja nicht deutlich sehe und sonst ja jeder daherkommen kann und alle sowas bekommen könnten. Kriminalisierung nenne ich diesen Faschoscheiß. Manche sind so stark durch die Gesellschaft – deine und auch meine Gesellschaft – eingeschüchtert, dass sie versuchen gar nicht aufzufallen und dadurch so krasse Diskriminierungen erleben. Bssssss. Naja, bevor ich hier noch meine Tastatur in Flammen aufgehen lasse, mach ich lieber noch ein paar Meditaionsübungen, denke an Blümchen im Sonnenschein und stehe für eine bessere Uni ein. Wusaaah, Integration, meine goldene Kuh! Nur noch eins: Meine beantragten Computer für mein persönliches barrierefreies Maschinenbaustudium hängen immer noch im Bürokraten-Kabelsalat fest und warten wohl bis ich ins Nirvana aufgehe. Realitätserwachen!

Friede sei mit euch und dieses ganze Zeugs. Faulheit und Intoleranz sind das Gift für die Gesellschaft. Ohmmm…

Berlin Calling last minute

Die Area91-WG war im Kino. Es ist Samstagabend. Lernphase und alle lieben mit Hirnschmerzen auf der Couch. Nur dieser eine geile Soundtrack läuft wie in der Warteschleife schon den ganzen Tag. Called: Berlin Calling von Paul Kalkbrenner und rockt dem Weihnachtsmann die Mütze weg. Wie das normalerweise mit Soundtracks so ist, gehört da auch ein Film dazu. „Sie kauft ein B und möchte bitte lösen: Berlin Calling.“

Eigentlich läuft der schon seit Herbst und wir waren ungefähr im letzten Kino in München, dass den überhaupt noch zeigen wollte. Aber weil es die DVD noch nicht gab und der steile Groove schon auf allen iPods rumschwirrte, mussten wir ran an die Leinwand. Und nur am Rande: Um die Studentenabzocke der MVG zu bäshen sind wir natürlich umweltfreundlich gelaufen – ohne CO2-Ausstoß liebe Leute.

der Trailer

Wir waren begeistert! Fünf von vier Sternen bekommt die DJ Soap, vor allem weil wir zum ersten Mal auch in den Kinosesseln gedanct haben. Kurz die Story: Es geht halt um einen DJ, der natürlich seine nächste Platte raus bringen will. Sex, Drugs, Electro and Berlin. Das Coole ist, dass der DJ vom echten Paul Kalkrenner gespielt wird und auch die Parties in dem Film Mitschnitte von echten Gigs sind. Ist also derbe die Disco im Filmtheater. We want the poster!

Total geflasht und gehhörwurmt sind wir – by the way – noch auf dem Heimweg zufällig in die Diplomantenfeier der Kunsthochschule gestolpert. Das war unser Movie-goes-Reality.

Äction und Cut! Bleibt surreal.

Solange die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zuende

Kinder, ist das aber ein langer Titel, von Kettcar übrigens. Und das Ganze, weil ich und Herr S. aus L. – Name aus Gründen der nationalen Sicherheit für geheim erklärt – Alter auch – uns die hohe Kultur gegeben haben. Und zwar nicht Dänce for Fäns mit Dieter B., sondern die bayrische Staatsoper.

Erstmal zum Vorspiel: Herr S. hatte durch irgendeinen abartig unwahrscheinlichen Zufall einige Stunden vorher die Ehre vor dem Gesinge noch ein Bewerbungsgespräch da zu führen. Sonst wären wir nämlich mit unseren eigenen Trompeten und Posaunen aufgefahren. Klickt mal hier und staunt über die generösen Ermäßigungen, die Hörbehinderten in einem musikalischen Theater zukommen: Null.

Personen mit Hörbehinderung erhalten leider keine Ermäßigung.

Bekommen da auch Leute, die Golfspielen einen Rabatt ? „für Personen mit Handicap“-Politischerunkorrektheitsschwachsinn. Und wieso bekommen Rollstuhlfahrer einen Platz und alles umsonst und Sehbehinderte nur die Winter-Schlussverkauf 50%?

Schwerkriegsbeschädigte oder KZ-Beschädigte erhalten eine Ermäßigung von 50 % auf den regulären Kartenpreis. Die Begleitperson erhält keine Ermäßigung.

Wie nett, nur, dass normalerweise Leute mit einem B in ihrem Schwerbehindertenausweis immer eine Begleitperson kostenlos mitnehmen dürfen. Das unterstüzten Schwimmbäder und Kinos auch in deiner Nähe. Sowieso stellt diese Regel irgendwie manche „Leute mit besonderen Anfordernungen“ vor andere nur anhand ihrer Behinderung. Wer ist denn so arrogant und kann ohne ärztliche Kenntnisse einer Besonderheit festlegen, dass Sehbehinderte gegenüber Hörbehinderten nur die Hälfte der Oper mitbekommen – also auch die Hälfte zahlen. Sagen die damit, dass die Musik bei denen eh aus dem Klo ist und man sowieso nur hin-sehen, statt hin-hören sollte? Wikipedia bezeichnet die Oper aber als „musikalische Gattung des Theaters“. Das Erbrochene auf deren Webseite riecht ganz schön starkt nach Verstoß gegen: Grundgesetzt Artikel 3 wegen „Staats“-Oper und gegen das Anti-Diskriminierungsgesetz (Lustig: Google zeigt mir für das Suchwort nach Wikipedia eine leere Werbelinkseite. Realität!).

Auf jeden Fall hatten wir auch ohne deren letzte-Jahrhundert-Politik Karten. Denn für den Nachwuchs gibt man hier alles („Junges Publikum“): Ohne uns wäre der Abend alterstechnisch in die Gruppe Kaffee- und Reumadeckenfahrt gefallen. Wenn man früh bestellt bekommt man so für 10 Euro geilste Prono-High-Society-Bling Sitze. Sind aber ziemlich unbequem. Wir saßen so in der 4. Reihe etwas am Rand und die Dinger kosteten normal um die 120 Euro. Pornös!

Fröhlich underdressed im Hoody und Schlabberpulli (der aus Paris) saßen wir zwischen all den sozialen Kletterleuten. Alle sammt meterdick in Schmicke und den spießigsten Jäckchen, die wohl jeden Modedisigner nach dem nächsten Defibrillator greifen ließen. Wir fanden es härlich. Vorallem, weil die Oper-Innenausstattung, außer die harten Sitze, echt in der Limousinenklasse mitfahren kann. Ein Must-See bevor sie mit ihrem Publikum ausstirbt.

Wir haben Wozzeck gesehen. Ja, und die Oper ist nach 1900 uraufgeführt worden. Deshalb ist das nicht so nette Klimbim-Musik wie bei Wagner, sondern modernes Geräuschezeugs. Wir wussten’s und waren vorbereitet. Aber wehe man ist wichtig, erfolgreich und will es auch zeigen, indem man sich eine Jahreskarte für Unsummen kauft und sich total ohne Vorkenntnisse statt von dem Film Twilight von Wozzeck berieseln lassen will. Dann ist das shocking and totally crazy. Manch einem stieß daraufhin das Abenddinner vom Käfer so stark auf, dass die Opernflucht ausbrach. Manieren hat der Münchner Pöbel keine. Das Ding ging nur seine 90 Minuten und selbst ein Pipi-Prinz hält das aus, auch wenn das Bühnenbild genial apokalyptisch und die Arschbacken spiegelglatt gesessen waren. Nach dem 2. Akt (von drei) war um uns die Wüste Sahara. Oder steht ihr beim Italiener auf und geht, weil ihr Tomaten nicht mögt? Vielleicht ist das aber mit diesen Jahreskarten so, wie mit MVG-Monatstickets: Man kauft sie, flucht laut über den Preis, wäre doch lieber schwarz gefahren und nimmt dann sogar zum Böner um die Ecke die Tram, nur um den Wucher „ab zufahren“.

Ich werde wieder gehen: Otello zum Preis für „Junges Publikum“. Bleibt gebildet und rettet die Defibrillatoren. „Solange die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zuende.“

Der Schlussverkauf-Zwischenfall

Über Neujahr bin ich von Hamburg nach Paris gejettet und habe meine Tante dort besucht. Also ein Geheimtipp ist Paris an Silvester nun nicht. Ungefähr ganz Norddeutschland und Ostchina war nämlich auch da und fraß den Franzosen die Baguettes weg. Romantik überall wo der Massentourismus einen so hin verschlägt.
Meine Tante liebt aber diese Zeit. Nicht wegen den Indern und Ägyptern in all den kleinen Buchläden, sonder weil die Klamotteria der Ganzen Stadt ab dem 1. Januar die Fetzen der Vorsaison so richtig aus den Türen haut. Winterschlussverkauf – in den ganzen Kriesen zur Zeit fast wie der Erlöser persönlich.
Ding-Ding-Ding. Und der Kampf beginnt. Rein durch die Glastür von LOFT Design by – hier komprimiert sich grade Alles was „in der Mode ist“ auf 30qm. Mit der Presslufthammer Technik vor durch die Massen abfresierter Klamottengurus an die Reihen durchgewühlter Pappkartons, wo Designerschals und Kaschmirpullis wie Äpfel auf dem Markt abgrabbelt wurden. Passt dir dies? Passt mir das? Aber abgeschlagen wurden die Preise wie vom Henker. Prozente Prozente Prozente! Nein, das top gestylte Möchtegernmodel war zu spät. Ich hatte mich schon in die Umkleide geschmissen. Einen Pulli nach den nächsten rauf, rein, raus, ne doch nicht. Am Ende hatten wir beide etwas. Next mission: Die Kasse. Meinte Tante zückte ihren linken Hacken, ich meine Actionfilm Kung-fu-Künste. Bäm und Tsching die EC Karte. Noch schnell mit der Verkäuferin geflirtet – bei mir eher so telepathisch, weil Französisch is nich. und fupp raus aus dem Laden.
Natürlich hat Paris mehr zu bieten als nur Disneyland-Romantik und Modeschnäppchen, zum Beispiel beste libanesische Küche, aber das wird mir jetzt zu viel mit der Tastatur hier. Nur der eingefrohrene Flieger für München hat meinen Terminkalender etwas strapaziert.
Bleibt modisch und bei den Sonderangeboten, der Rest ist eh nur wa für Spießer. Peace out.