Der Schlussverkauf-Zwischenfall

Über Neujahr bin ich von Hamburg nach Paris gejettet und habe meine Tante dort besucht. Also ein Geheimtipp ist Paris an Silvester nun nicht. Ungefähr ganz Norddeutschland und Ostchina war nämlich auch da und fraß den Franzosen die Baguettes weg. Romantik überall wo der Massentourismus einen so hin verschlägt.
Meine Tante liebt aber diese Zeit. Nicht wegen den Indern und Ägyptern in all den kleinen Buchläden, sonder weil die Klamotteria der Ganzen Stadt ab dem 1. Januar die Fetzen der Vorsaison so richtig aus den Türen haut. Winterschlussverkauf – in den ganzen Kriesen zur Zeit fast wie der Erlöser persönlich.
Ding-Ding-Ding. Und der Kampf beginnt. Rein durch die Glastür von LOFT Design by – hier komprimiert sich grade Alles was „in der Mode ist“ auf 30qm. Mit der Presslufthammer Technik vor durch die Massen abfresierter Klamottengurus an die Reihen durchgewühlter Pappkartons, wo Designerschals und Kaschmirpullis wie Äpfel auf dem Markt abgrabbelt wurden. Passt dir dies? Passt mir das? Aber abgeschlagen wurden die Preise wie vom Henker. Prozente Prozente Prozente! Nein, das top gestylte Möchtegernmodel war zu spät. Ich hatte mich schon in die Umkleide geschmissen. Einen Pulli nach den nächsten rauf, rein, raus, ne doch nicht. Am Ende hatten wir beide etwas. Next mission: Die Kasse. Meinte Tante zückte ihren linken Hacken, ich meine Actionfilm Kung-fu-Künste. Bäm und Tsching die EC Karte. Noch schnell mit der Verkäuferin geflirtet – bei mir eher so telepathisch, weil Französisch is nich. und fupp raus aus dem Laden.
Natürlich hat Paris mehr zu bieten als nur Disneyland-Romantik und Modeschnäppchen, zum Beispiel beste libanesische Küche, aber das wird mir jetzt zu viel mit der Tastatur hier. Nur der eingefrohrene Flieger für München hat meinen Terminkalender etwas strapaziert.
Bleibt modisch und bei den Sonderangeboten, der Rest ist eh nur wa für Spießer. Peace out.

Japanisch fürs Vorstellungsgespräch

Auch ich bin mal wieder ein Opfer von Mainstreamkultur. Auslandserfahrungen sollen ja den „Curriculum Vitae“ – für nicht Spißer auch Lebenslauf – aufmischen, sind aber wohl mehr zu den Pflichtveranstaltung wie mein BWL Schein abgetaucht. Meine Gaudi plane ich für ein ganzes Jahr. Zielort ist kein unterentwickeltes Fly-Over-Land, sondern natürlich wieder die Insel der Modeopfer – Japan.
Ich will an der Tokyo Tech das YSEP (Young Scientist Exchange Program) machen. Und zwar, weil einer der größeren Roboter-Gurus dieser Tage da am Start ist und ein spaciges Labor hat. Ganz schön geeky ist das Ganze, aber trotzdem muss ich erst an der Brigarde des Interantioal Office der TU vorbei. Mega Absätze Japanisch tisch ich denen diese Woche über mich und, warum ich so derbe bin, auf. Möge die macht mit mir sein und so.

Seid nicht spießig. Bis nächste Woche.

Gestrandet in der Provinz

Gestrandet in der Provinz
Jetzt ist auch noch Weihnachten und zwar übermorgen. München ist mal wieder leer und ich saß bis eben auch im ICE. Großraumabteil mit Katzen und Kofferlawinen. Dagegen hilft nur laut und groovy – 電気グルーヴ (Denki Groove) mit Yellow. Mein Tipp für den reisenden Millionär ist der Bordkaffee, das Sonderangebot für 5 Euro. Wenigstens war ich pünktlich. Mein Abholservice nicht. Da haben die schon ein Navigationssystem mit Frauenstimme, können ihren Zentralcomputer im Kopf also ausschalten und verfahren sich trotzdem ein Stunde lang in Oberfranken. Ich sitz jetzt in einem kleinen Café irgendwo im Norden von Bayern, höre BR1 und starre auf den trostlosen Woolworth. Oder soll ich noch schnell die Schnäppchen bei Quelle erschlagen? Jingle bells und so.

Delegiert das Geschenkekaufen, verbrennt nicht eure Bäume und kickt die Finanzkrise mal so richtig mit Kreditkartenkäufen bei Toys’R’us. Sie kommen.

Sofa-dancing: Sei Teil des Hype

Trendkrise – Da jetzt schon im Wochentakt demostriert und einem Glühwein wirklich an jeder Ecke hinterher geschmissen wird brauch es neue Trends in dieser Stadt. And here it comes: Sofa Dancing.

In Theory: Man nehme ein möglichst Preis umbelastetes Sofa wie z.B. dieses von einem anonymen schwedischen Mödelhersteller. Dann braucht man erst 2 Flaschen Wein (wahlweise auch Bier) und wartet bis mehr Studenten als Sitzpersonenoberlastgrenze des Porstermödel angelockt wurden. Hinsetzen, quetschen und die Playlist anschmeißen. Ich empfehle Paul Kalkbrenners Berling Calling Album. Und schließlich dancen alle rithmisch zum Beat.

In Reality:
Leute machen Sofa-dancing
„Die Sofa muss lebendig sein!“

Unser Geheimtipp: Sofas mit abziehbaren Bezug sorgen für entspannte Katermorgende.

Eilmeldung: Und Barrierefreiheit kommt doch

Die Sekretärin des Präsidenten gab sich zwar mehr zu dem üblichen politischen Gelaber hin und will Schreiben aufsetzten – in 2009 vielleicht. Dafür wurde mir der Teilnehmer ohne Mailbox, der Behindertenbeauftragte der TU, offenbart. Er ist ein Mann, der weiß was Diskreminierung heißt, der Pädagoge ist und an der LMU lehrt. Er hat innerhalb eines Tages mehr erreicht als alle vor ihm in 2 Jahren. „Was brauchen sie um jetzt gleichberechtig zu sein?“ fragte er mich. „Wie nur so wenig!?“ war sein kommentar zu den drei Sachen, die ich ihm auf die Liste geschrieben hatte: Vorlesungsfolien vor der Veranstaltung im Netz, alle benutzen ab sofort nur noch Tablet PCs und stellen das Geschriebene auch ins Netz und eine Vergrößerungssoftware für die Bibliothek. Zwei Tage später hat er ein Konzept für die Bewilligung der Gelder. Perfekt!

Eliteuni bitte ohne Behinderte

Na toll! Es geht weite.! Behindert und keine Chancen steht auf dem Banner der TU München. Aber das wissen nur wenige. Mit meinem Artikel letztes Semester im „Reisswolf“, der Zeitung meiner Fachschaft, habe ich wenigstens für kurz die Studenten bei Maschinenbau schockieren können. Aber meine Situation hat sich nicht verändert.

Medien und Vorlesungen sind nicht zugänglich für mich. Barrierefrei ist nur der Fahrstuhl zum Klo. Aus lauter Verzweiflung habe ich endlich dem Präsidenten der TUM geschrieben. Ihn um Hilfe gebeten, denn sonst verläuft alles im rostigen Getriebe der Bildungsbürokratie.

Ich hatte gehofft, dass wir mit der Fachschaft ein Beauftragtentum gründen um mir wenignstens im Namen aller selber helfen zu können. Briefkopf und Studentenversammlungen sollten mich unterstützen. Am Anfang jedes Semester bis jetzt gab es Licht und Hoffung. Und kurz nach Semesterbeginn bin ich wieder bei Null. „Keine freie Bildung für sie heute. Stellen sie sich bitte wieder hinten an!“. Dieses Jahr der Hit: Die Behindertenbeauftragte, mit der ich grade so gute Ideen hatte und die voll auf meiner Seite war, ist im Mutterschutz und jemand neues am Start. Barrierefrei heißt: man kann ihn nie telefonisch erreichen, seine Mailadresse geht nicht und er hat keine Ahung was so passiert. Irgendwelche News von Stammtisch und „meldet euch“ stehen auf der Webseite. Wie? Telepathisch? Ich übe noch aber so weit bin ich noch nicht!

Die Fachschaft will warten bis der Herr vom Service Zentrum was gesagt hat und der ist ja nicht erreichbar. Er soll es reißen. Aber „der Teilnehmer besitzt keine Mailbox! Auf wiederhören.“ besuselt mich die Telefonstimme wieder und wieder.

Ok, und Mr. President, oder vielmehr eine seiner Sekretärinnen, war das Thema noch nicht mal so wichtig mir zu schreiben, dass sie meine Mail bekommen haben und bearbeiten. Weil ja Gleiche Chancen überhaupt keine wichtiges Thema für eine Universität ist, die sich mit den Autos der Zukunft und den Bauwerken von Morgen beschäftigt.

Es interessiert sich einfach niemand für Gleichberechtigtes Lerne, Chancen und Menschen mit besonderen Bedingungen. Es heißt immer nur ich soll noch dies oder das abwarten. Ich studiere jetzt schon zwei Jahr und habe keine Lust mehr zu warten! Ich will jetzt die gleiche Bildung wie ihr!

Freie Bildung ist wohl ein Auslaufmodell. Support Obama!

Zurück in Bayern – Die wilden Zeiten

Ich muss es noch mal sagen: München ist einfach spießig. Aber trotzdem ist es hier auch total schön. Besonders, wenn man schon den Atem dampfen sieht und eigentlich noch von Palmen träumt.

Mein neuer Trend ist das Nordbad. Schwimmen im Winter ist irgendwie wie Erdbeersmoothies im Sommer. Und die haben hier so geile Früh-und-Abends-Billig Tarife. Das schlägt kein Handyanbieter. Auch ein Trend ist auf jeden Fall die neue Nintendo DS. Die hat sogar gleich zwei Kameras eingebaut. Und man kann toll seine Fotos damit bearbeiten und sogar selber Musik machen. Vielleicht werden wir dann öfter mal zu bekannten DSJs wie Luigi-twist oder Yoshi-Joystick in den Clubs abgehen. Verkaufsstart: 1 November in Japan. Die Diana, meine Tokyo-Korrispondentin campt schon seit einer Woche vor ihrem „Biku-Kamera“. Hoffen wir mal die Übersetzung ist bis Weihnachten auch nach Europa gekommen. Ach und Shutter Shades sind nicht nur in Tokyo schon wieder derbe out. Ist ja eigentlich auch total die Erdölverschwendung. Und einen Flop haben ich auch noch: „1&1 verteilt Serviceküsschen an überforderte Hausfrauen.“ April, April. Ich, der geekige Nachwuchs muss dann wieder Telefonhilfe leisten. Nur nervig.

Außerdem sind hier erstmal die wilden Zeiten angebrochen. Demo, heute, gegen Studiengebühren, das alte Laster. Es war die größte Party ever! Ohne Alkohol und Soundsystem. 2000 Leute waren da und mit Schrein, Hüpfen und „auf die Knie“ wurde der Mutter der Bildungskriese mal so richtig das Megafon geblasen. Die erste Kundgebung war zwar eher unorganisiertes Rumstehen, aber dann flogen die Festzen. Vorallem der arme Mann im DB-Werbeauto durfte (Studi-)Volkes Zorn über das Nicht-Semesterticket aushalten. Das Beste war aber einfach, dass die Redner immer in Erstaunen ausgebrochen sind, weil auf ein mal in Herzi-perzi München so viele „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut“ brüllende Menschen aufgetaucht sind. Bitte wieder!

Mal sehen wie weit die Revoluzzer es hier noch treiben. Morgen klopft Halloween ans Grufttor und die Merchandise Leute haben ihre „grinsender Kürbis“ Phase immer noch nicht überwunden. Hauptsache es gibt schon Schokoweihnachtsmänner. Videospielen macht schlau und esst mehr Kürbissuppe. Peace out!