Berlin Calling last minute

Die Area91-WG war im Kino. Es ist Samstagabend. Lernphase und alle lieben mit Hirnschmerzen auf der Couch. Nur dieser eine geile Soundtrack läuft wie in der Warteschleife schon den ganzen Tag. Called: Berlin Calling von Paul Kalkbrenner und rockt dem Weihnachtsmann die Mütze weg. Wie das normalerweise mit Soundtracks so ist, gehört da auch ein Film dazu. „Sie kauft ein B und möchte bitte lösen: Berlin Calling.“

Eigentlich läuft der schon seit Herbst und wir waren ungefähr im letzten Kino in München, dass den überhaupt noch zeigen wollte. Aber weil es die DVD noch nicht gab und der steile Groove schon auf allen iPods rumschwirrte, mussten wir ran an die Leinwand. Und nur am Rande: Um die Studentenabzocke der MVG zu bäshen sind wir natürlich umweltfreundlich gelaufen – ohne CO2-Ausstoß liebe Leute.

der Trailer

Wir waren begeistert! Fünf von vier Sternen bekommt die DJ Soap, vor allem weil wir zum ersten Mal auch in den Kinosesseln gedanct haben. Kurz die Story: Es geht halt um einen DJ, der natürlich seine nächste Platte raus bringen will. Sex, Drugs, Electro and Berlin. Das Coole ist, dass der DJ vom echten Paul Kalkrenner gespielt wird und auch die Parties in dem Film Mitschnitte von echten Gigs sind. Ist also derbe die Disco im Filmtheater. We want the poster!

Total geflasht und gehhörwurmt sind wir – by the way – noch auf dem Heimweg zufällig in die Diplomantenfeier der Kunsthochschule gestolpert. Das war unser Movie-goes-Reality.

Äction und Cut! Bleibt surreal.

Solange die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zuende

Kinder, ist das aber ein langer Titel, von Kettcar übrigens. Und das Ganze, weil ich und Herr S. aus L. – Name aus Gründen der nationalen Sicherheit für geheim erklärt – Alter auch – uns die hohe Kultur gegeben haben. Und zwar nicht Dänce for Fäns mit Dieter B., sondern die bayrische Staatsoper.

Erstmal zum Vorspiel: Herr S. hatte durch irgendeinen abartig unwahrscheinlichen Zufall einige Stunden vorher die Ehre vor dem Gesinge noch ein Bewerbungsgespräch da zu führen. Sonst wären wir nämlich mit unseren eigenen Trompeten und Posaunen aufgefahren. Klickt mal hier und staunt über die generösen Ermäßigungen, die Hörbehinderten in einem musikalischen Theater zukommen: Null.

Personen mit Hörbehinderung erhalten leider keine Ermäßigung.

Bekommen da auch Leute, die Golfspielen einen Rabatt ? „für Personen mit Handicap“-Politischerunkorrektheitsschwachsinn. Und wieso bekommen Rollstuhlfahrer einen Platz und alles umsonst und Sehbehinderte nur die Winter-Schlussverkauf 50%?

Schwerkriegsbeschädigte oder KZ-Beschädigte erhalten eine Ermäßigung von 50 % auf den regulären Kartenpreis. Die Begleitperson erhält keine Ermäßigung.

Wie nett, nur, dass normalerweise Leute mit einem B in ihrem Schwerbehindertenausweis immer eine Begleitperson kostenlos mitnehmen dürfen. Das unterstüzten Schwimmbäder und Kinos auch in deiner Nähe. Sowieso stellt diese Regel irgendwie manche „Leute mit besonderen Anfordernungen“ vor andere nur anhand ihrer Behinderung. Wer ist denn so arrogant und kann ohne ärztliche Kenntnisse einer Besonderheit festlegen, dass Sehbehinderte gegenüber Hörbehinderten nur die Hälfte der Oper mitbekommen – also auch die Hälfte zahlen. Sagen die damit, dass die Musik bei denen eh aus dem Klo ist und man sowieso nur hin-sehen, statt hin-hören sollte? Wikipedia bezeichnet die Oper aber als „musikalische Gattung des Theaters“. Das Erbrochene auf deren Webseite riecht ganz schön starkt nach Verstoß gegen: Grundgesetzt Artikel 3 wegen „Staats“-Oper und gegen das Anti-Diskriminierungsgesetz (Lustig: Google zeigt mir für das Suchwort nach Wikipedia eine leere Werbelinkseite. Realität!).

Auf jeden Fall hatten wir auch ohne deren letzte-Jahrhundert-Politik Karten. Denn für den Nachwuchs gibt man hier alles („Junges Publikum“): Ohne uns wäre der Abend alterstechnisch in die Gruppe Kaffee- und Reumadeckenfahrt gefallen. Wenn man früh bestellt bekommt man so für 10 Euro geilste Prono-High-Society-Bling Sitze. Sind aber ziemlich unbequem. Wir saßen so in der 4. Reihe etwas am Rand und die Dinger kosteten normal um die 120 Euro. Pornös!

Fröhlich underdressed im Hoody und Schlabberpulli (der aus Paris) saßen wir zwischen all den sozialen Kletterleuten. Alle sammt meterdick in Schmicke und den spießigsten Jäckchen, die wohl jeden Modedisigner nach dem nächsten Defibrillator greifen ließen. Wir fanden es härlich. Vorallem, weil die Oper-Innenausstattung, außer die harten Sitze, echt in der Limousinenklasse mitfahren kann. Ein Must-See bevor sie mit ihrem Publikum ausstirbt.

Wir haben Wozzeck gesehen. Ja, und die Oper ist nach 1900 uraufgeführt worden. Deshalb ist das nicht so nette Klimbim-Musik wie bei Wagner, sondern modernes Geräuschezeugs. Wir wussten’s und waren vorbereitet. Aber wehe man ist wichtig, erfolgreich und will es auch zeigen, indem man sich eine Jahreskarte für Unsummen kauft und sich total ohne Vorkenntnisse statt von dem Film Twilight von Wozzeck berieseln lassen will. Dann ist das shocking and totally crazy. Manch einem stieß daraufhin das Abenddinner vom Käfer so stark auf, dass die Opernflucht ausbrach. Manieren hat der Münchner Pöbel keine. Das Ding ging nur seine 90 Minuten und selbst ein Pipi-Prinz hält das aus, auch wenn das Bühnenbild genial apokalyptisch und die Arschbacken spiegelglatt gesessen waren. Nach dem 2. Akt (von drei) war um uns die Wüste Sahara. Oder steht ihr beim Italiener auf und geht, weil ihr Tomaten nicht mögt? Vielleicht ist das aber mit diesen Jahreskarten so, wie mit MVG-Monatstickets: Man kauft sie, flucht laut über den Preis, wäre doch lieber schwarz gefahren und nimmt dann sogar zum Böner um die Ecke die Tram, nur um den Wucher „ab zufahren“.

Ich werde wieder gehen: Otello zum Preis für „Junges Publikum“. Bleibt gebildet und rettet die Defibrillatoren. „Solange die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zuende.“

Der Schlussverkauf-Zwischenfall

Über Neujahr bin ich von Hamburg nach Paris gejettet und habe meine Tante dort besucht. Also ein Geheimtipp ist Paris an Silvester nun nicht. Ungefähr ganz Norddeutschland und Ostchina war nämlich auch da und fraß den Franzosen die Baguettes weg. Romantik überall wo der Massentourismus einen so hin verschlägt.
Meine Tante liebt aber diese Zeit. Nicht wegen den Indern und Ägyptern in all den kleinen Buchläden, sonder weil die Klamotteria der Ganzen Stadt ab dem 1. Januar die Fetzen der Vorsaison so richtig aus den Türen haut. Winterschlussverkauf – in den ganzen Kriesen zur Zeit fast wie der Erlöser persönlich.
Ding-Ding-Ding. Und der Kampf beginnt. Rein durch die Glastür von LOFT Design by – hier komprimiert sich grade Alles was „in der Mode ist“ auf 30qm. Mit der Presslufthammer Technik vor durch die Massen abfresierter Klamottengurus an die Reihen durchgewühlter Pappkartons, wo Designerschals und Kaschmirpullis wie Äpfel auf dem Markt abgrabbelt wurden. Passt dir dies? Passt mir das? Aber abgeschlagen wurden die Preise wie vom Henker. Prozente Prozente Prozente! Nein, das top gestylte Möchtegernmodel war zu spät. Ich hatte mich schon in die Umkleide geschmissen. Einen Pulli nach den nächsten rauf, rein, raus, ne doch nicht. Am Ende hatten wir beide etwas. Next mission: Die Kasse. Meinte Tante zückte ihren linken Hacken, ich meine Actionfilm Kung-fu-Künste. Bäm und Tsching die EC Karte. Noch schnell mit der Verkäuferin geflirtet – bei mir eher so telepathisch, weil Französisch is nich. und fupp raus aus dem Laden.
Natürlich hat Paris mehr zu bieten als nur Disneyland-Romantik und Modeschnäppchen, zum Beispiel beste libanesische Küche, aber das wird mir jetzt zu viel mit der Tastatur hier. Nur der eingefrohrene Flieger für München hat meinen Terminkalender etwas strapaziert.
Bleibt modisch und bei den Sonderangeboten, der Rest ist eh nur wa für Spießer. Peace out.

Japanisch fürs Vorstellungsgespräch

Auch ich bin mal wieder ein Opfer von Mainstreamkultur. Auslandserfahrungen sollen ja den „Curriculum Vitae“ – für nicht Spißer auch Lebenslauf – aufmischen, sind aber wohl mehr zu den Pflichtveranstaltung wie mein BWL Schein abgetaucht. Meine Gaudi plane ich für ein ganzes Jahr. Zielort ist kein unterentwickeltes Fly-Over-Land, sondern natürlich wieder die Insel der Modeopfer – Japan.
Ich will an der Tokyo Tech das YSEP (Young Scientist Exchange Program) machen. Und zwar, weil einer der größeren Roboter-Gurus dieser Tage da am Start ist und ein spaciges Labor hat. Ganz schön geeky ist das Ganze, aber trotzdem muss ich erst an der Brigarde des Interantioal Office der TU vorbei. Mega Absätze Japanisch tisch ich denen diese Woche über mich und, warum ich so derbe bin, auf. Möge die macht mit mir sein und so.

Seid nicht spießig. Bis nächste Woche.

Gestrandet in der Provinz

Gestrandet in der Provinz
Jetzt ist auch noch Weihnachten und zwar übermorgen. München ist mal wieder leer und ich saß bis eben auch im ICE. Großraumabteil mit Katzen und Kofferlawinen. Dagegen hilft nur laut und groovy – 電気グルーヴ (Denki Groove) mit Yellow. Mein Tipp für den reisenden Millionär ist der Bordkaffee, das Sonderangebot für 5 Euro. Wenigstens war ich pünktlich. Mein Abholservice nicht. Da haben die schon ein Navigationssystem mit Frauenstimme, können ihren Zentralcomputer im Kopf also ausschalten und verfahren sich trotzdem ein Stunde lang in Oberfranken. Ich sitz jetzt in einem kleinen Café irgendwo im Norden von Bayern, höre BR1 und starre auf den trostlosen Woolworth. Oder soll ich noch schnell die Schnäppchen bei Quelle erschlagen? Jingle bells und so.

Delegiert das Geschenkekaufen, verbrennt nicht eure Bäume und kickt die Finanzkrise mal so richtig mit Kreditkartenkäufen bei Toys’R’us. Sie kommen.

Sofa-dancing: Sei Teil des Hype

Trendkrise – Da jetzt schon im Wochentakt demostriert und einem Glühwein wirklich an jeder Ecke hinterher geschmissen wird brauch es neue Trends in dieser Stadt. And here it comes: Sofa Dancing.

In Theory: Man nehme ein möglichst Preis umbelastetes Sofa wie z.B. dieses von einem anonymen schwedischen Mödelhersteller. Dann braucht man erst 2 Flaschen Wein (wahlweise auch Bier) und wartet bis mehr Studenten als Sitzpersonenoberlastgrenze des Porstermödel angelockt wurden. Hinsetzen, quetschen und die Playlist anschmeißen. Ich empfehle Paul Kalkbrenners Berling Calling Album. Und schließlich dancen alle rithmisch zum Beat.

In Reality:
Leute machen Sofa-dancing
„Die Sofa muss lebendig sein!“

Unser Geheimtipp: Sofas mit abziehbaren Bezug sorgen für entspannte Katermorgende.

Eilmeldung: Und Barrierefreiheit kommt doch

Die Sekretärin des Präsidenten gab sich zwar mehr zu dem üblichen politischen Gelaber hin und will Schreiben aufsetzten – in 2009 vielleicht. Dafür wurde mir der Teilnehmer ohne Mailbox, der Behindertenbeauftragte der TU, offenbart. Er ist ein Mann, der weiß was Diskreminierung heißt, der Pädagoge ist und an der LMU lehrt. Er hat innerhalb eines Tages mehr erreicht als alle vor ihm in 2 Jahren. „Was brauchen sie um jetzt gleichberechtig zu sein?“ fragte er mich. „Wie nur so wenig!?“ war sein kommentar zu den drei Sachen, die ich ihm auf die Liste geschrieben hatte: Vorlesungsfolien vor der Veranstaltung im Netz, alle benutzen ab sofort nur noch Tablet PCs und stellen das Geschriebene auch ins Netz und eine Vergrößerungssoftware für die Bibliothek. Zwei Tage später hat er ein Konzept für die Bewilligung der Gelder. Perfekt!