Ladung zur Verwaltungsstreitsache

Grade war ich auf dem Weg endlich bei bestem Sonnenwetter wieder in Neonröhrensälen für meine Midterm-Klausur zu lernen – eine nette Geste das Faches Computational Intelligence, die uns vor zu viel Bräune und Frisbee-Sessions im Park retten sollte. Pfeifend stürme ich aus unserem Kühlschrank großen Fahrstuhl und checke noch schnell den Briefkasten.
Doch was liegt da: „Bayr. Verwaltungsgericht München“. Hoppla, bekomme ich jetzt etwa Bußgeld wegen kronischem Sekretärinnen-Anschreien und allgemeinem Rumgenerve? Natürlich nicht. In der zweiten Umschlagsschicht fand ich dann die Lösung: „Ladung: In dieser Sache werden Sie geladen […].“ zusammen mit Beschlüssen und möglichst vielen Amtsstempeln.
Ich hatte nämlich ungefähr in meinem ersten Semester schon meine Universität verklagt – das war nun vor mehr als 2 Jahren. Ich finde, dass das Wort „insbesondere“ in der Definiton der Härtefallklausel in der Satzung für die Regelung der Studiengebühren der TU München mich –  und mein Fernrohr – nicht ausschließt aus der Gruppe der Härtefälle. Die TU findet das schon und fordert durchweg einen Grad der Behinderung (GdB) von 50% zur Befreiung, ohne auf Sonderfälle zu achten. Ich kann nur 30% pimpen, bekomme aber wegen meiner Kurzsichtigkeit eher wenig von so Dingen wie Tafelbild oder Textbuchparagraphen mit. So fordere ich, weil mein Aufwand für das Studium überdurchschnittlich hoch ist und die TU sonst wenig Interesse an Menschen mit besondere Bedingungen zeigt, die Befreiung von den 500 Euro!
Jetzt seh ich mich schon wie bei CSI mit Topanwälten, Zeugenarmeen und Beweisbergen in den Verhandlungssaal einziehen. Leider musste mich die Dame am Telefon dann aus allen Hollywood-Traumwelten fallen lassen. Nix Anwalt, nix Zeugen und sowieso ist es eigentlich ein Akt der Massenabwicklung, weil alle Klagen zum Thema Studiengebühren zack-zack hintereinander weg verhandelt werden. Das wird ne Party.
„Freispruch, euer Ehren!“. Beleibt gerecht und lernt nur mit Sonnenbrille.

PS: Die Leute von der Midterm-Klausur haben natürlich meine Großkopien vergessen.

Hitzschlag on the Dancefloor

Diese Woche war das große Kontrastprogramm der Musiken bei mir angesagt. Am Montag hatte ich die Ehre zu  – mal wieder –  unverschämt billigen Studentenpreisen Hamelins klassisches Konzert in der Residenz genießen zu dürfen. Wir hatten uns vor Ewigkeiten in der Mensa, während dem trockensten Teil einer ziemlich langen Lernphase, von einer alten Dame dieses Schnäppchenangebot aufquatschen lassen. Sie zieht anscheinend nomadisch durch alle studentische Massenverkostungsanstalten und versucht ihrem bisschen Kultur doch noch einen Altersdurchschnitt unter der Renternquote zu verpassen. Andrehen lassen lohnt sich!
Auf der anderen Seite der Genreskala wartete elektronisches Gedusel auf meine Hörkanäle. Weise hatten wir uns nämlich „Early Bird“ Vorverkaufskarten für Turntablerocker in der Registratur zugelegt. Und so taumelten wir allmählich um kurz vor eins – wir erwarteten die DJs so ab 2 –  also aus der U-Bahn und schlürften vor den Danceschuppen. An uns vorbei leifen genervte Leute ohne Karte und VIP-mäßig sind wir an der Schlagen vorbei direkt ins Vergnügen. Man hatte an alles gedacht: Temperaturen wie in einer schwndischen Hochleistungssauner, Menschenmassen wie bei einem Papstbesuch und einen zweiten Dancefloor, falls man sich zufällig nicht für den Act-of-the-Day druchgeprügelt hatte. Klimaananlagen sind in diesen Zeiten wohl an den Goldpreis gebunden, also war meine Hose nach 10 Sekunden schon mit meiner Haut verschmolzen.
Die Musik war pornös! Gedancet wurde bis die Vögel zwitschern. Gut, dass der durchschnittliche Jungmünchner schon um zwei Uhr die Lust am clubben verliert (Ok, es war der heilige Sonntag) und wir uns endlich Land ertanzen konnten. Außerdem gut: die DJs – auch nicht mehr die jüngsten –  haben einfach Marathon-aufgelegt bis die Platoschuhe glühten.
Völlig ermattet lieg ich hier auf meinem Sofa, trinke grünen Gesundheitstee und zucke bei jedem kleinen Geräusch zusammen. Bleibt im Flow. Over and out.

Die Sache mit den T-Shirts

Dienstag abend – morgen muss ich meine Prüfungen anmelden und ich merke grade, dass ich viel zu wenig Fächer belegt habe. Irgenwas ist ja immer…  Aber ich muss euch einfach von meinen zwei Erlebnissen mit T-Shrits heute und gestern erzählen. Und: „Es basiert alles auf wahren Begebenheiten.“
Ich hab nämlich gestern bei bestem Malorca-Wetter endlich und verdienter maßen mein Vordiplomzeugnis ausgehändigt bekommen – für alle Bachlor/Master-Bolonga-Opfer: Das ist der Bachlor für Ingenieure auf der Droge Diplom. Leider gab es weder emotionale Reden noch einen Häppchen-Empfang. Nein, ich durfte völlig motivations-entlasteten Amtsdamen zuschauen, wie sie sich durch Stapel von Akten nach meinem unauffindbaren Namen schlugen und erschlugen. Leider war der dann auch noch falsch auf dem Zeugniss. „Macht ja nix.“ Für die Prüfungsanmeldung reicht es alle mal, reden sie mir gut zu. Beseelt stapfe ich also aus dem Aktenschrank – trage übrigens so ein rotes T-Shrit mit einer Kuh und dem Slogan „What is the ingridiente?“ drauf, alles gemalt wie mit Milch. Und mir gegenüber steht auf einmal das gleiche rote T-Shirt mit dem gleichen Slogan. Peng! Das Teil hatte ich in Tokyo bei einer Aktion von Uniqlo (jap. H&M Verschnitt) ergattert. Was macht es im Prüfungsamt und wieso habe ich es auch gerade an?
„Warst du mal in Japan?“ Ja, natürlich und so hab ich mit dem Typ ein bisschen geplaudert. Er war wohl zu gleichen Zeit wie ich auch in Japan  gewesen, ging aber auf die Deutsche Schule in Yokohama. Ist Zufall nur eine Illusion? Denn es wird noch besser.
Am nächsten Tag, an einem eben so unspannenden Ort – dem Mathe-Informatik-Gebäude in Garching, wo ich ein nerdiges Roboter-Praktikum mache, gehe ich versunken in verdrehten Programmiersprachen-Problemen für ein Päuschen aufs Klo. Da sitzt da so ein Mensch auf dem Gang. Er trägt ein schwarzes T-Shirt mit japanischen Schriftzeichen (Kanji) auf der Brust. „東工大“. Verdattert hängen die drei noch beim Händewaschen in meinem Kopf rum und „Bum!“.Mir fällt auf was sie bedeuten: „Tokodai“. Das ist die japanische Abkürzung für „Toukyou-kougyou-daigaku“ und das heißt „Tokyo Tech“. Die Uni an die ich im September gehen werden.
„Warst du mal in Japan?“. Ja, er war es und er war nicht nur an der gleiche Uni, sonder auch bei dem Prof (Prof. Hirose), bei dem ich an genialen Robotern forschen will. So etwas muss doch einem Plan flogen. Oder ist es nur eine Folge unserer Entscheidungen? Wie auch immer. Wir saßen lange da und haben über alles mögliche geredet. Er hat mir viele gute Dinge über die Uni, den Prof und das Studieren da erzählt. Wir haben natürlich Visitenkarten ausgetausch – er zumindest. Diese Dinger druck ich mir erst wieder im September.
Glück auf. Die Welt ist ein Kinderkarussell. Genießt die Fahrt.

EU-Parlament kommt in den Recall

„Rufen Sie jetzt an und entscheiden Sie wer in den Recall kommt! Für nur 0,49 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz.“ Sprach es und hatte dabei weniger die Entscheidungsfreiheit, als die wegbrechenden Werbeeinnahmen im Hinterkopf. Anders das EU-Parlament. Das hat zwar kronisch auch nix in der Kasse, bittet uns aber Gebühren befreit um unsere Meinung.
Und meine haben die auch schon bekommen. Frei nach dem Motto: „Wir sind das Volk.“ und so habe ich denen retro-style meine Entscheidung per Post angetan. So komm ich auch mal dazu anderen Leuten rote Umschläge mit unerwarteten Überraschungen drin zu schicken. Ihr könnt das übrigens auch „einfach und bequem von Zuhause aus“ machen und geratet noch nicht mal in die Kostenfalle: Beim Kreisverwaltungsreferat – steht auch auf eurem Wahlschein – hat man jetzt auch digital für so etwas ein Öhrchen.
Ich hab mich dann über das Internet inspirieren lassen. Der Wahl-O-Mat ist dafür ein pornöses Netz-Gadget, wo man so 30 Fragen zu Wahlthemen beantwortet und die Maschine listet einem prozentual die Übereinstimmung mit den Parteien auf. Kanntet ihr z.B. die Piratenpartei (stehen für informationelle Selbstbestimmung)? Hab dann den Top-3 Parteien aber lieber noch selber ins Wahlprogramm geschaut. Nur so für die Verschwörungstheoretiker: Ich habe nicht die Empfehlung der Maschine genommen, sondern die, die ich eh wählen wollte.
Ach, und wo wir grade bei den Members of the European Palerment (MEPs) sind: The Economist erklärt hier warum die MEPs „atemberaubend heuchlerisch“ bei dem Thema Seehundfell sind – pünktlich zum Wahlkampf. Ich steige jetzt wieder vom Teilzeitvegitarier auf Vollzeit um – aus Protest.
Geht wählen und bleibt Unabhängig. Peace out.

Post aus Fernost

Es klingelt an meiner Tür. „Die aufdringliche Briefkasten-Werbung“ denke ich und drücke den Tür-auf-Buzzer. Es poltert im Treppenhaus. Ich bin verdutzt als der DHL Mensch etwas außer Atem nach seinem langen Aufstieg mir sein digitales Unterschriften-Scanner Dings vor die Nase hält. „Ein Paket für sie.“ Ich unterschreibe mit den unmöglichsten Krakeln und nehme das Paket, dass aussieht, als hätte es jemand vor 50 Jahren an mich abgeschickt und jetzt erst hatte man es wiedergefunden. Aber halt, das wäre dann ja wieder so ein Star Trek Zeitparadoxon.
Die Antwort auf dieses Mysterium war eine alte Damen aus einem runtergekommenen Arbeiterviertel im Nord-Osten von Tokyo – Frau K.. Sie war nämlich schon seit Ewigkeiten meine Brieffreundin und schickt mir immer mal wieder geistige Care-Pakete von der Insel auf der anderen Seite der Welt. Sie hatte lange nichts mehr geschickt und ich hatte lange nicht mehr geantwortet. Das lag daran, schreibt sie in ihrem Brief auf einer japanischen Postkarte, dass die Post privatisiert wurde und der Paketdienst EMS nicht mehr war. Ich bin froh.
Die vielen Layer der Verpackung fliegen durch mein Zimmer. Es war riesig und wie Weihnachten. Sie hatte mir Tee geschickt – Shintchya, frisch geernteter grüner Tee. Meiner war fast aus. Reiskekse waren dabei – salzig und geeignet für jede Diät – und Pocky – Keksstangen mit süßem Überzug – in den unglaublichsten Varianten. Das Beste waren aber die kleinen Küchlein aus der Azuki Bohne, die sehr süß sind und perfekt zum 4-o’clock Tea gehen. Noch 3 Monate Europa.
Wann genau es los geht weiß nicht mal die Kristallkugel. Die Bürokratie in Japan ergießt sich in die gleichen zeit-intensiven Exzesse wie die hier. Und bis dahin muss noch so einiges auf seinen Weg gestoßen werden. Ich brauch einen Untermieter, eine deutsche und eine japanische Versicherung, ein Visum, ein Forschungsthema und einen Prof, der mir hier eine Note dafür geben würde,  eine Wohnung in Tokyo und viele Lehrstühle, die mir meine Fächer in Japan anrechnen wollen. Achja und ein Stipendium. Wenn ihr irgendwas davon habt/kennt/wisst/braucht, dann schreibt mir einen Kommentar. Ich lese die sofort.
Träumen ist wie malen durch die Seele. Bleibt flexibel und zielstrebig.
PS: Ich schreibe jetzt auch für den IKOM Blog.

Der Weltraum, unendliche Weiten…

Der Captain meldet sich zurück auf die Brücke. Der Miraimist hat ganz schön lange geschwiegen. Semesteranfang, neue Kurse und das Vordiplom habe mich ganz schön in Verzug gebracht, gell. Vergebt mir, großartige Leser!
Heute schreibe ich euch mal über die unendlichen Weiten des Star Trek Universums. Der neue Film ist ja draußen und ich als Elite-Nerd [„Nörd“] musste mich sofort in die Kinosessel zwängen. Das Resultat meines Trans-Warp interdimensonalen Wagnisses: Geile Action, beeindruckende Sets (außer natürlich die ewigen Brückenszenen mit einem Budget von 5 Euro pro Sekunde), und viele Computer-Weltraumszene made in India. Achja der beste Anmachspruch der Epoche: O’Hora, die Funkfrau, zu Spock, das Spitzohr: „I’ll be monitoring your frequency [, babe]!“ mit samt Hollywood-Schmatzer. Alles etwas mehr ala Chefkoch Star Wars all inclusive Schwertszene und Bämbäm. Faszinierend. Watch it! Don’t understand it!

Ja, und in der Zwischenzeit war bei mir noch Hotel Japan angesagt, denn mein Gastbruder aus Tokyo mit Gefolge hat sich für eine halbe Woche bei mir die Ehre gegeben. Und weil die Japaner von dem ständigen Fluch verfolgt werden von Reisen und Besuchten auf Reisen etwas mit zu bringen, Omiyage, hab ich jetzt geilsten Shake (Lachs), getrocknet, vom Flughafensouvenirladen. Nur so für die Nicht-Kenner: Sowas schmeißt man sich auf eine Schüssel Reis, spart sich das Kochen und genießt das Vie Japonais. Empfehlung als Spaghetti-Pesto Ersatz.

Das wars erst mal wieder. Lebt lang und in Frieden. „Captain, out.“
PS: Die Tokyo Tech hat mich angenommen und das Vordiplom hab ich auch. Glaubt an das Undenkbare.