Seeräuber auf Karibikinseln

Karibik hättet ihr wohl gerne. Ich auch. Aber von Palmenstränden erzähl ich euch jetzt leider nix. Mit mir ist nämlich letzte Woche der Klabautermann durchgegangen und ich habe eine Überweisung mit Spätfolgen getätigt. Eigentlich wollte ich über so etwas nicht schreiben, aber schließlich ist der Miraimist auch ein politisches Mog (Magazin-Blog). Denn das Geld floss nicht auf die Palmeninsel mit Steuervorteil, sondern war der letzte Schritt um Mitglied der Piratenpartei zu werden.
Ja – und jetzt wieder tief Luft holen! Schreikrämpfe tun eh nix zur Sache. „ohmmm“ den inneren Frieden wieder finden. Ich dachte auch, dass nur machthungrige Besserwisser Parteien beitreten und schwupps im Anzug die Parteibibel herunter murmeln. Der live-gestreamte Parteitag der Piraten in Hamburg – meine lieblings Heimat – am Wochenende hat mich da ganz schön Bildschirmgeil gemacht und alle Kaderhysterien Wisch-und-weg gewaschen. Wer nicht weiß, dass „wir“ Piraten – oh mein Gott ich hab es tatsächlich geschrieben –  für Informationelle Selbstbestimmung, Informationsfreiheit, Meinungsfreiheit, freies Wissen, Basisdemokratie, Privatsphäre und offene Märkte sind, der kann sich das Creative-Commons YouTube Video unten mal auf die Linsen strahlen.

Der Grund für meinen Aktivismuswahn war erstmal der Erfolg der Piraten bei der EU-Wahl und dann hauptsächlich das Zensurgesetz unser Rehkitz-unschuldigen Familienministerin. Es ist in Kraft und Gift für die Demokratie. „China und Iran sind stolz auf uns.“ Hört man dazu ja überall gerade. Wer will kann bei der Piratenpartei im Wiki, dem Forum, den Mailinglisten oder bei Twitter direkt an allen Themen mitarbeiten (none-members-welcome).
So, genug der Propagandaaufmärsche – außer ab jetzt in der Propagandaecke in der linken Spalte. Ich hab nämlich auch einen literarisches Mochitoeis für euch: White Tiger von Aravind Adiga. Es geht um Indien, Korruption und einen mörderischen Aufsteiger. Ich hab das Hörbuch auf Englisch gehört und der indische Akzent ist einfach über-porno.
Keep on singing, denkt an M. Jackson und bleibt frei.

Bonn bittet zum Interview

Ich sitze gerade in einem anonymen Bagelladen in Bonn und hänge mal wieder am W-LAN Kabel. „Was macht der denn in Bonn?“ Das frag ich mich auch gerade. Provinzstadt mit so dramatischen Haltestellen wie Bundesrechnungshof oder „Ministry of the Interior“. Aber immerhin konnte ich dem Duschkopfwetter in den Sommer entfliegen.
Nach dem ersten Tag anstrengend-cooler IKOM in Garching mit porzelanteller-platt gestandenen Füßen habe ich heute den Jetset mal wieder raushängen lassen und mich im Poser-Outfit um 7 Uhr morgens zwischen Geschäftsleuten in die Economy Class gequetscht. Bonn, unsere Ex-Hauptstadt, war das Ziel. Die ist dann doch nicht ganz unsere Ex und so konnten sich Vereine wie der DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdinest) dann doch nicht aus der Beziehung lösen. Vom DAAD war ich nämlich zum Vorstellungsgespräch wegen dem Überstipendium für Japan gebeten worden – „Fachfragen können gestellt werden“ – Panik.
Völlig verschlafen taumelte ich durch die H&M-Karstadt-Tchibo-Innenstadt auf der Suche nach dem großen „i“ der Touri-Info. Da überforderte man mich gleich mit übereifriger Bemutterung, drehte mir ein unnützes Ganztagsticket mit freiem Eintritt für Museen an und schickte micht in die „studentische 70ger Cafe“ namens „Blau“ neben der Uni. Also ich dachte eigentlich, ich sehe nicht abgelottert und völlig Arbeitsfaul aus – heute zumindest. Aber daüfr war das Cafe schön und die Bedienung auch nicht unter extremen Alkoholeinfluss, mit Sonne und in einem hübschen Viertel. Durch die schlossartige Uni bin ich dann auch noch gezogen und hab mich im Park rumgelümmelt. Aber dann war es Zeit!
Mein DAAD Termin war um kurz nach zwei und ich natürlich mit großzügigem Zeitpuffer viel zu früh in der Asienstelle irgendwo, wo sonst nur Postboten vorbei kommen. Das Interview – ich nehme mal die Dramatik an dieser Stelle – war gut. Aber irgendwie hatte es den Eindruck von läppisch. Die fünf Professoren und Professorinnnen waren so nett mir zwar ihre Namen und Unis zu sagen, aber nix von Fachgebieten. Weil weder auf Japanisch oder Englisch gefragt wurde, noch näher auf das Land, die Politik und auch kaum auf mein Fach eingegangen wurde hatte ich den Eindruck, dass da gar keine Maschinenbauer oder Japanologen am Tisch saßen. Ein Informatiker wollte mich mit Neuronalen Netzen unterkriegen und dann noch ein anderer mit Interkulturellitätsdingern. Alles kein Problem – no problemo. Geguckt haben sie, als ich ihnen von der TUM Diskriminierung erzählt habe. Der Rest hat geschwiegen. Habe aber ein gutes Gefühl. Zwei Mädls vor der Tür, meinten, dass sie nach Hong Kong gehen würden. Wer weiß wer von den 15 auf der Liste vor dem Raum wohl überhaupt nach Japan möchte. Nur ich? Gut wärs – DAAD bekommt Bazüge in der Professionalität.
Die Hirde war genommen und ich hatte noch Unendlichkeiten bis zu meinem Rückflug abends. So hab ich noch dem „Haus der Geschichte der BRD“ eine Visite erstattet. Der Eintritt war frei –  meine teure Tageskarte eine Totalabzocke. Schade dass so ein Museum auch bei unserer Ex verblieben ist. In Berlin würde es sich so viel besser machen, weil einfach großartig und deshalb muss es in eine Großstadt.
Beim Fettgeruch der Bagelmaschinen tippe ich euch diese Zeilen, warte auf den Shuttlebus, wünsch mir Sonne in München und ein pornöses Stipendium in Japan. Das Leben ist ein Bagel: rund, teuer und geil! Geht euch sonnen.

Milano bei Nacht

Drei, zwei, eins, Los! Auf die Gleise mit der italienischen Bundesbahn und zum Spartarif durch die Alpen nach Mailand. In der Stadt der Modeprinzessinen und der Designerfürsten hatten wir eine V-Frau. Sie war eine Erasme aus Deutschland und wir billig und willig für alles bereit.
Bei einem kühlen Hellen hatten wir uns vorher übers Internet ein „Hostel“ für 22 Euro pro Kopf pro Nacht erklickt. Schon hatten wir Visionen von schlecht geputzten Klos und miefigen Großraumschlafsälen. Aber Fortuna, die alte Glücksfee, beschenkte uns statt dessen mit einem Fünf-Personen-Apartment mit Whirlpool und Balkon in der trendigsten Studentengegend der Stadt. Der einzige Nachteil war, dass jedes mal mindestens fünf verschiedene Schlüssel gezücken werden mussten um rien und wieder raus zu kommen.
In Mailand gibt es zwei ganz geile Trenditäten: Einmal, wie überall im Süden, gammeln alle Studenten so ab acht oder neun Uhr auf größeren öffentlichen Plätzen aus der Antike rum, veranstalten Sitzstreiks neben Säulenalleen, verstopfen Strasse vor 24/7 Getränkeläden und genießen um elf noch ein Schokoladeneis-Schlankheitswunder. Dort muss man immer eine gewissen Pegel extra dunkles Schokoladeneis intus haben um überhaupt zu existieren – wir hatten so grob alle sechs Stunden eins.
Vor jeder guten Party, und wir hatte so einige über das lange Wochenende, muss der andere Trend erstmal voll ausgekostet werden: Aperitivo. Zur Happy Hour wird man in Milano nicht mit übergroßen Cocktails oder Discountmischgetränken abgetan, sonder bekommen für so sechs bis acht Euro erstmal einen gut geschüttelten Cocktail und darf sich dazu – Achtung – noch auf das italienische Buffet stürzen und All-you-can-eat Sünden begehen. Total studentenfähig fanden wir. Übrigens wurde in Mailand nicht nur Campari, dessen Erfinder sich das Abendmal von Da Vinci mit sich selbst als Jesus aufs Grab klotzen lies, sonder noch so einige andere Spirituosen erfunden.
Was haben wir sonst noch gemacht? Auf dem Dach des Doms rumgeklettert, top gestylte Partys mit schlechter 90er Musik ertanzt, Paprika-Eis gegessen, bei Louis Vuitton geshoppt und die entleerte Innenstadt um fünf Uhr morgens erkundet. Achja, erwähnte ich schon das Schokoladeneis?
Ich war an meinem Geburtstag demonstrieren und bin ein Iraner. Bleibt schokoladig.

Ladung zur Verwaltungsstreitsache

Grade war ich auf dem Weg endlich bei bestem Sonnenwetter wieder in Neonröhrensälen für meine Midterm-Klausur zu lernen – eine nette Geste das Faches Computational Intelligence, die uns vor zu viel Bräune und Frisbee-Sessions im Park retten sollte. Pfeifend stürme ich aus unserem Kühlschrank großen Fahrstuhl und checke noch schnell den Briefkasten.
Doch was liegt da: „Bayr. Verwaltungsgericht München“. Hoppla, bekomme ich jetzt etwa Bußgeld wegen kronischem Sekretärinnen-Anschreien und allgemeinem Rumgenerve? Natürlich nicht. In der zweiten Umschlagsschicht fand ich dann die Lösung: „Ladung: In dieser Sache werden Sie geladen […].“ zusammen mit Beschlüssen und möglichst vielen Amtsstempeln.
Ich hatte nämlich ungefähr in meinem ersten Semester schon meine Universität verklagt – das war nun vor mehr als 2 Jahren. Ich finde, dass das Wort „insbesondere“ in der Definiton der Härtefallklausel in der Satzung für die Regelung der Studiengebühren der TU München mich –  und mein Fernrohr – nicht ausschließt aus der Gruppe der Härtefälle. Die TU findet das schon und fordert durchweg einen Grad der Behinderung (GdB) von 50% zur Befreiung, ohne auf Sonderfälle zu achten. Ich kann nur 30% pimpen, bekomme aber wegen meiner Kurzsichtigkeit eher wenig von so Dingen wie Tafelbild oder Textbuchparagraphen mit. So fordere ich, weil mein Aufwand für das Studium überdurchschnittlich hoch ist und die TU sonst wenig Interesse an Menschen mit besondere Bedingungen zeigt, die Befreiung von den 500 Euro!
Jetzt seh ich mich schon wie bei CSI mit Topanwälten, Zeugenarmeen und Beweisbergen in den Verhandlungssaal einziehen. Leider musste mich die Dame am Telefon dann aus allen Hollywood-Traumwelten fallen lassen. Nix Anwalt, nix Zeugen und sowieso ist es eigentlich ein Akt der Massenabwicklung, weil alle Klagen zum Thema Studiengebühren zack-zack hintereinander weg verhandelt werden. Das wird ne Party.
„Freispruch, euer Ehren!“. Beleibt gerecht und lernt nur mit Sonnenbrille.

PS: Die Leute von der Midterm-Klausur haben natürlich meine Großkopien vergessen.

Hitzschlag on the Dancefloor

Diese Woche war das große Kontrastprogramm der Musiken bei mir angesagt. Am Montag hatte ich die Ehre zu  – mal wieder –  unverschämt billigen Studentenpreisen Hamelins klassisches Konzert in der Residenz genießen zu dürfen. Wir hatten uns vor Ewigkeiten in der Mensa, während dem trockensten Teil einer ziemlich langen Lernphase, von einer alten Dame dieses Schnäppchenangebot aufquatschen lassen. Sie zieht anscheinend nomadisch durch alle studentische Massenverkostungsanstalten und versucht ihrem bisschen Kultur doch noch einen Altersdurchschnitt unter der Renternquote zu verpassen. Andrehen lassen lohnt sich!
Auf der anderen Seite der Genreskala wartete elektronisches Gedusel auf meine Hörkanäle. Weise hatten wir uns nämlich „Early Bird“ Vorverkaufskarten für Turntablerocker in der Registratur zugelegt. Und so taumelten wir allmählich um kurz vor eins – wir erwarteten die DJs so ab 2 –  also aus der U-Bahn und schlürften vor den Danceschuppen. An uns vorbei leifen genervte Leute ohne Karte und VIP-mäßig sind wir an der Schlagen vorbei direkt ins Vergnügen. Man hatte an alles gedacht: Temperaturen wie in einer schwndischen Hochleistungssauner, Menschenmassen wie bei einem Papstbesuch und einen zweiten Dancefloor, falls man sich zufällig nicht für den Act-of-the-Day druchgeprügelt hatte. Klimaananlagen sind in diesen Zeiten wohl an den Goldpreis gebunden, also war meine Hose nach 10 Sekunden schon mit meiner Haut verschmolzen.
Die Musik war pornös! Gedancet wurde bis die Vögel zwitschern. Gut, dass der durchschnittliche Jungmünchner schon um zwei Uhr die Lust am clubben verliert (Ok, es war der heilige Sonntag) und wir uns endlich Land ertanzen konnten. Außerdem gut: die DJs – auch nicht mehr die jüngsten –  haben einfach Marathon-aufgelegt bis die Platoschuhe glühten.
Völlig ermattet lieg ich hier auf meinem Sofa, trinke grünen Gesundheitstee und zucke bei jedem kleinen Geräusch zusammen. Bleibt im Flow. Over and out.

Die Sache mit den T-Shirts

Dienstag abend – morgen muss ich meine Prüfungen anmelden und ich merke grade, dass ich viel zu wenig Fächer belegt habe. Irgenwas ist ja immer…  Aber ich muss euch einfach von meinen zwei Erlebnissen mit T-Shrits heute und gestern erzählen. Und: „Es basiert alles auf wahren Begebenheiten.“
Ich hab nämlich gestern bei bestem Malorca-Wetter endlich und verdienter maßen mein Vordiplomzeugnis ausgehändigt bekommen – für alle Bachlor/Master-Bolonga-Opfer: Das ist der Bachlor für Ingenieure auf der Droge Diplom. Leider gab es weder emotionale Reden noch einen Häppchen-Empfang. Nein, ich durfte völlig motivations-entlasteten Amtsdamen zuschauen, wie sie sich durch Stapel von Akten nach meinem unauffindbaren Namen schlugen und erschlugen. Leider war der dann auch noch falsch auf dem Zeugniss. „Macht ja nix.“ Für die Prüfungsanmeldung reicht es alle mal, reden sie mir gut zu. Beseelt stapfe ich also aus dem Aktenschrank – trage übrigens so ein rotes T-Shrit mit einer Kuh und dem Slogan „What is the ingridiente?“ drauf, alles gemalt wie mit Milch. Und mir gegenüber steht auf einmal das gleiche rote T-Shirt mit dem gleichen Slogan. Peng! Das Teil hatte ich in Tokyo bei einer Aktion von Uniqlo (jap. H&M Verschnitt) ergattert. Was macht es im Prüfungsamt und wieso habe ich es auch gerade an?
„Warst du mal in Japan?“ Ja, natürlich und so hab ich mit dem Typ ein bisschen geplaudert. Er war wohl zu gleichen Zeit wie ich auch in Japan  gewesen, ging aber auf die Deutsche Schule in Yokohama. Ist Zufall nur eine Illusion? Denn es wird noch besser.
Am nächsten Tag, an einem eben so unspannenden Ort – dem Mathe-Informatik-Gebäude in Garching, wo ich ein nerdiges Roboter-Praktikum mache, gehe ich versunken in verdrehten Programmiersprachen-Problemen für ein Päuschen aufs Klo. Da sitzt da so ein Mensch auf dem Gang. Er trägt ein schwarzes T-Shirt mit japanischen Schriftzeichen (Kanji) auf der Brust. „東工大“. Verdattert hängen die drei noch beim Händewaschen in meinem Kopf rum und „Bum!“.Mir fällt auf was sie bedeuten: „Tokodai“. Das ist die japanische Abkürzung für „Toukyou-kougyou-daigaku“ und das heißt „Tokyo Tech“. Die Uni an die ich im September gehen werden.
„Warst du mal in Japan?“. Ja, er war es und er war nicht nur an der gleiche Uni, sonder auch bei dem Prof (Prof. Hirose), bei dem ich an genialen Robotern forschen will. So etwas muss doch einem Plan flogen. Oder ist es nur eine Folge unserer Entscheidungen? Wie auch immer. Wir saßen lange da und haben über alles mögliche geredet. Er hat mir viele gute Dinge über die Uni, den Prof und das Studieren da erzählt. Wir haben natürlich Visitenkarten ausgetausch – er zumindest. Diese Dinger druck ich mir erst wieder im September.
Glück auf. Die Welt ist ein Kinderkarussell. Genießt die Fahrt.