Jetzt Permanent

Ich habe sie endlich. Die Daueraufenthaltsgenehmigung. Deutsche Beamte lieben einfach Buchstabenschwemme. Auf japanisch heißt es „Eijuken“ (永住権) und ist damit kurz und präzise.

Nach zwei Patenten, Top100 Uni Ausbildung und mehr als 80 Punkten habe ich jetzt endlich das Dauerrecht. 10 Monate wurde der Antrag bearbeitet. Jetzt bin ich fast wie ein Staatsbürger hier. Green Card bedeutet freie Jobwahl, bessere Kreditwürdigkeit, unbegrenzte Aufenthalt und alles außer Wahlrecht und staatstragende Positionen. Nach nur 3 Jahren in Japan. Europe, where are you?

Japan ist mit dem Highly Skilled Professional Visa und dessen Punktesystem eines der liberalsten Länder für die Einwanderung Arbeitssuchender Professionals. Ab 80 Punkten und nach nur einem Jahr Aufenthalt gilt das auch für die Permanent Residency.

Probiert es aus. Es gibt Sushi! 🍣 🎉🦄👏🇯🇵

Bauhaus, bitches!

Die New York Times schreibt eine tolle Zusammenfassung für das diesjährige Bauhaus Jahr. 100 Jahre Design und Ideen für den Menschen. „How Bauhaus Redefined What Design Could Do for Society

Das ist jetzt überall. In jedem iPhone oder jedem Ikea Stuhl. Genießt es, die Essenz des 21 Jahrhunderts.

Grüße mit Wabi-Sabi! 👋🎇

Stadtsafari endlos

Endlos. Stadtsafari. Eines meiner liebsten Mini-Hobbies. Also jetzt Bilder ohne Kontext aus Tokyo. 🙀

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Wenn ihr denkt, dass mein Leben hauptsächlich aus Cappuccino und Hamburgern besteht, habt ihr wohl recht. Sagt es aber bloß nicht meinem Arzt. Gibt’s dafür eigentlich einen Hashtag?

🍔☕️💩

Teezeremonie Double Shot

Es ist schon etwas her, ich habe es vergessen euch zu schreiben, liebe Internet-Menschen. Es tut mir Leid, denn es war fantastisch!

Ich war auf einer Teezeremonie. Diesmal for real und zwar auch gleich zweistufig. Denn erst gab es dünnen Tee in einer etwas relaxten offenen Atmosphäre im Teehaus des Shinjuku Parks. Dann dicken Tee mehr privat.

In Stufe eins sitzen alle an Tischen in einem großen Raum und reden offen. Der Tee wird vorne im Raum zubereitet. Es gibt auch Kunst und eine Zeichnung mit Kalligrafie. Das Thema war Neujahr und Neuanfang. Die Fotos sind unten.

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Der Ring aus Zweigen vom letzten Jahr soll den ewigen Zyklus der Wiederholung und des Neuanfangs darstellen. Die Kanji in der Zeichnung habe ich leider vergessen. Und Problem: Google Translate kann nicht Kalligrafie-Kunst. Kunst gegen AI quasi. Endlos ebenfalls.

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Dünner Tee wird aufgeschäumt und die süße Blume ist aus Zucker und wird vorher gegessen. Sie ist natürlich tatsächlich süß, dumme Frage. Aber ich bin hier nicht das Doku-Team von Arte und ihr könnt euch die rituell-historischen Tatsachen zu Teezeremonie und den verschiedenen Schulen auch selbstermächtigt bei Doktor Suchmaschine-Ihres-Nicht-Vertrauens einholen. Nur eins. Die Unterschiede der Tee-Schulen sind minimal. iO11 vs iOS12.2 oder so ähnlich.

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Hübsch. Alles Gold. Das ist nie out. I want, but cannot afford.

Dann haben uns die lieben Damen und ein Herr aus Holland (riesig im Kimono) auch hinter die Kulissen geführt und uns von Architektur, Lauf-, Hock- und Trinkregeln bis hin zu Zubereitungsarten alles verraten. Tolle Leute. Vielen Dank!

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Es schneite. Und wir wurden als letzte Kleingruppe in das eigentliche Teezimmer geführt. Stufe zwei. Ein winziger Raum ohne jegliches künstliches Licht und einer Tür in Kindergartengröße. Dorthin durften wir weder Uhren noch Schmuck mitbringen. Die Zeit bleibt draußen. Zusammen mit Politik, Geschäft und Religion (Waffen übrigens auch, deshalb die kleine Tür. Als Geometrie-Schranke gegen Samurai-Schwerter).

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Die Süßigkeiten. Gekauft im schicken Aoyama. Jeder bekam eins und aß es vor dem Tee für den Geschmacksausgleich.

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Unscharf, aber klar.

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Hier bereitet die nette Damen im goldenen Kimono Tee in einer goldenen Schale für drei Personen vor. Ähnlich wie beim Abendmahl wird die große Schale rum gereicht und zwischendurch immer rituell abgewischt. Ich musste sogar eine silberne Schale mit vier Personen teilen. Noro-Virus hat Vorteil.

Silber und Gold wurden von der Meisterin ausgewählt, um den Jahresanfang besonders zu feiern. Sehr hübsch.

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„Alles kommt von Nichts“, sagt diese Rolle. Es ist das Thema für die Sitzung, passend zum Jahresanfang. Philosophisch und minimalistisch. Die Blumen passen ebenfalls zu diesem Thema (leider vergessen wie)

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Handymasten getarnt als fake Office-Tower im Spiegelbild des Parks.

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Ich war sehr begeistert von dem Tag. Ich habe viel gelernt. Leider bin ich etwas tippfaul geworden zum Jahresanfang und enthalte euch die genialsten Details vor. Ihr müsst einfach her kommen und es selber erleben.

Aber eins kann ich euch sagen: Teezeremonie ist sehr zeitgemäß! Zeit, Arbeit, Politik und Religion bleiben draußen. Minimalistisch wird auf den Sinn des Lebens hingewiesen und abgeschottet von Digitaltechnik wird bei Tageslicht ein Superfood nach dem anderen in die Gaumengegend gekippt und hübschestes Handwerk oder echte Kunstwerke präsentiert. Alles im Moment, Mindfullness, biodegradable, green. Mehr Trend geht nicht! Wo sind die Minimalist-Industrial Skandinavian-Australian Coffee Shop Ketten mit dieser Idee für die Metropolen dieser Welt.

I want a Tea Ceremony Update for everyone, now. Cheers. 🍵

Zeitgenössische Kunst mit Auslandserfahrung

Auslandserfahrung war irgendwie das Thema für die neuste Ausstellung im National Art Center Tokyo. Alle up-and-coming Künstler, die dort ausstellen durften, waren irgendwann mit einem japanischen Stipendium für ein paar Monate bis Jahre irgendwo im Ausland gewesen. Übrigens genau so viele waren in den USA wie in Deutschland und Frankreich zusammen. Und Zahlenmäßig ist die EU wohl ein Künstlerparadies. Soft Power through Avantgarde. Wir können nur hoffen, dass der Brexit da nichts dauerhaft verrenkt.

Ich hatte zwei Favoriten. Einer ist Porzellankünstler. Und einer macht mit Fäden und Farbe.

Als erster Akira Wada. Er war in Frankreich gewesen und macht Porzellan.

 

Ich liebe die Geometrie und die Oberflächenstruktur der Objekte. Einfach Gegenwart.

Der Zweite ist Goro Murayama. Er war in Wien. Er benutzt Webtechniken und macht mit Fäden und Farbe dann Rauminstallationen.

Außerdem benutzt er Algorithmen wie in den letzten Bildern wo er Bioprozesse darstellt. Aber fragt mich nicht wie. War unerklärt. Sieht aber super aus. Ich liebe seine explosiven Strukturen und diese spontane Energie der Werke.

Und hier noch Fotos der Architektur vom NACT.

Der Rest ist Roppongi, das luxuriös überbewertete und nachts völlig verramscht bitchy billige Ausländerviertel. Außer die zwei großen Museen ist dort grob plus minus alles wirklich völlig scheiße. Aber sieht gut auf Fotos aus.

Ach und ein weiterer Künstler war auch noch am Start. Mein iPhone. Es hätte Bock auf spontane Bildfehler im Kamerachip:

Wie die Grippe waren die dann aber auch gleich wieder weg. Merkwürdig.

Bleibt kreativ! 🕺🔥

Kunst und Konsumartikel

Seit einiges Zeit hat die 60er Jahre Punkte und Pop-Art Künstlerin Yayoi Kusama in Tokyo ihr eigenes Museum, nachdem sie zwei riesige Hype-Ausstellungen in Tokyo und New York im letzten Jahr hatte. Wie ein angesagter Club wird die Ware Musen-Museum aber rar gehalten. Monate im voraus musste ich mein Ticket online reservieren für einen 90minütigen Timeslot. Mega important!

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Die Lobby schon hat das Thema aufgegriffen. Punkte und Merchandise. Das war leider auch das Museum. Kürbis überall. Wie ihr auch auf den Fotos unten seht. Ich hasse diesen blöden Kürbis. Er ist doof und schon zu einem Scherzartikel mutiert wie Aschenbecher und Plastikschuhe von Supreme.

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Für 1000 yen (7 Euro) ist es in Ordnung mal zu gehen und das Museum der Größe von 3 Privatwohnungen mal zu erkunden. Die Dachterrasse mit offenem Dach ist das Beste. Siehe Fotos oben.

All ihre guten Sachen wie die bunten LSD Farbflut Bilder oder die SuperMario Blumen-Installationen waren entweder kurz auf Sonderurlaub oder in den kleinen runden Räume so dermaßen schlecht positioniert, dass die Magie völlig verpufft. Der Kürbis hatte immer den Masterplatz und ist so langweilig wie Sushi aus dem Tiefkühlregal. Der einzige Zielmodus hier ist Kommerz. Wie Banksy, die verfaulte Tomate, schon vorgestern sagte: „Exit through the Gift Shop“. Erwartungserfüllung ohne Skandal. Ich brauche Kaffee.

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„But First, Coffee“. Mojo ist eine kleine Cafe-Kette aus Neuseeland und gerade hip in Tokyo.

Grüße an den Kommerz.  👯‍♂️🙈🎨