Bauhaus, bitches!

Die New York Times schreibt eine tolle Zusammenfassung für das diesjährige Bauhaus Jahr. 100 Jahre Design und Ideen für den Menschen. „How Bauhaus Redefined What Design Could Do for Society

Das ist jetzt überall. In jedem iPhone oder jedem Ikea Stuhl. Genießt es, die Essenz des 21 Jahrhunderts.

Grüße mit Wabi-Sabi! 👋🎇

Teezeremonie Double Shot

Es ist schon etwas her, ich habe es vergessen euch zu schreiben, liebe Internet-Menschen. Es tut mir Leid, denn es war fantastisch!

Ich war auf einer Teezeremonie. Diesmal for real und zwar auch gleich zweistufig. Denn erst gab es dünnen Tee in einer etwas relaxten offenen Atmosphäre im Teehaus des Shinjuku Parks. Dann dicken Tee mehr privat.

In Stufe eins sitzen alle an Tischen in einem großen Raum und reden offen. Der Tee wird vorne im Raum zubereitet. Es gibt auch Kunst und eine Zeichnung mit Kalligrafie. Das Thema war Neujahr und Neuanfang. Die Fotos sind unten.

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Der Ring aus Zweigen vom letzten Jahr soll den ewigen Zyklus der Wiederholung und des Neuanfangs darstellen. Die Kanji in der Zeichnung habe ich leider vergessen. Und Problem: Google Translate kann nicht Kalligrafie-Kunst. Kunst gegen AI quasi. Endlos ebenfalls.

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Dünner Tee wird aufgeschäumt und die süße Blume ist aus Zucker und wird vorher gegessen. Sie ist natürlich tatsächlich süß, dumme Frage. Aber ich bin hier nicht das Doku-Team von Arte und ihr könnt euch die rituell-historischen Tatsachen zu Teezeremonie und den verschiedenen Schulen auch selbstermächtigt bei Doktor Suchmaschine-Ihres-Nicht-Vertrauens einholen. Nur eins. Die Unterschiede der Tee-Schulen sind minimal. iO11 vs iOS12.2 oder so ähnlich.

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Hübsch. Alles Gold. Das ist nie out. I want, but cannot afford.

Dann haben uns die lieben Damen und ein Herr aus Holland (riesig im Kimono) auch hinter die Kulissen geführt und uns von Architektur, Lauf-, Hock- und Trinkregeln bis hin zu Zubereitungsarten alles verraten. Tolle Leute. Vielen Dank!

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Es schneite. Und wir wurden als letzte Kleingruppe in das eigentliche Teezimmer geführt. Stufe zwei. Ein winziger Raum ohne jegliches künstliches Licht und einer Tür in Kindergartengröße. Dorthin durften wir weder Uhren noch Schmuck mitbringen. Die Zeit bleibt draußen. Zusammen mit Politik, Geschäft und Religion (Waffen übrigens auch, deshalb die kleine Tür. Als Geometrie-Schranke gegen Samurai-Schwerter).

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Die Süßigkeiten. Gekauft im schicken Aoyama. Jeder bekam eins und aß es vor dem Tee für den Geschmacksausgleich.

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Unscharf, aber klar.

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Hier bereitet die nette Damen im goldenen Kimono Tee in einer goldenen Schale für drei Personen vor. Ähnlich wie beim Abendmahl wird die große Schale rum gereicht und zwischendurch immer rituell abgewischt. Ich musste sogar eine silberne Schale mit vier Personen teilen. Noro-Virus hat Vorteil.

Silber und Gold wurden von der Meisterin ausgewählt, um den Jahresanfang besonders zu feiern. Sehr hübsch.

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„Alles kommt von Nichts“, sagt diese Rolle. Es ist das Thema für die Sitzung, passend zum Jahresanfang. Philosophisch und minimalistisch. Die Blumen passen ebenfalls zu diesem Thema (leider vergessen wie)

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Handymasten getarnt als fake Office-Tower im Spiegelbild des Parks.

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Ich war sehr begeistert von dem Tag. Ich habe viel gelernt. Leider bin ich etwas tippfaul geworden zum Jahresanfang und enthalte euch die genialsten Details vor. Ihr müsst einfach her kommen und es selber erleben.

Aber eins kann ich euch sagen: Teezeremonie ist sehr zeitgemäß! Zeit, Arbeit, Politik und Religion bleiben draußen. Minimalistisch wird auf den Sinn des Lebens hingewiesen und abgeschottet von Digitaltechnik wird bei Tageslicht ein Superfood nach dem anderen in die Gaumengegend gekippt und hübschestes Handwerk oder echte Kunstwerke präsentiert. Alles im Moment, Mindfullness, biodegradable, green. Mehr Trend geht nicht! Wo sind die Minimalist-Industrial Skandinavian-Australian Coffee Shop Ketten mit dieser Idee für die Metropolen dieser Welt.

I want a Tea Ceremony Update for everyone, now. Cheers. 🍵

Berlin and back

Gerade aus dem antizyklischen Jetlag-Schlaf erwacht, berichte ich dem Internet heute von meinem Kurztrip nach Berlin (und Hamburg). Ich war dort wegen Resturlaub und Jobwechsel für nur eine kurze Woche, habe aber maßlos und zu jeder unpassenden Gelegenheit maximal viel Käse konsumiert. Ich hoffe so ein Reservefressen wird nach dem neuen EU-Japan Freihandelsabkommen ab nächstem Jahr endlich unnötig.

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Wie war es? Hamburg ist schick wie immer. Zwischen Blue Jeans Kaufleuten im Sakko und Retro-Flohmarkt Punkimitaten war wieder alles zu bestaunen. Die Stimmung ausgelassen liberal und trocken zynisch Norddeutsch lud ein zu vielen Aperol Spritz am Elbstrand oder in der Speicherstadt. Außerm auf dem Kiez ist Hamburg einfach mega angenehm, gut gemischt und realistisch modern. Spieß kam nur selten auf. Zum Leben kann ich es sehr empfehlen.

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Berlin dagegen war wie immer arrangiert schmuddelig und renoviert prächtig. Die Stadt hat selbst bei gutem Wetter immer was von Dauerurlaub und Menschenleere. Modisch fielen mir die vielen süßen Girls mit französischem Make-up, trendigen englischen Metallbrillen und modernen eckigen oder leicht blau-grün gefärbten Haarstilen aus Kalifornien auf. Dazu kamen oft super schicke japanisch oder Jil Sander designte Mäntel und eine positive Einstellung.

Die Männer dagegen sind in Berlin ja immer ein Thema von Debatte. Viel zu lange und viel zu gut eingefettete Waldscharatbärte trägt man wie der Immobilienmarker seine Rolex. Natürlich völlig unfunktional, außer Mann möchte seine Männlichkeit auch hinter iPhone Xs Max und Hafermilch-Cappocchino zum Ausdruck bringen oder hat ein Not-so-Instagramable Hals-Kinn Garnitur. Modischer T-Shirt-FitnessFirst Look mit Tattoo Option ist immer unfertig und gerade mal aus dem Bett geschafft. Ich petitioniere für mehr hanseatischer Designermode bei den Herren. Und vor allem weniger Sporty Black.

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Berghain ist immer noch ein Thema, außer dass sich jetzt das Ausland wirklich nicht mehr dafür interessiert. Ich war aber erstaunt, dass sich fast keine Läden, Kneipen oder Bars verändert hatten. Außer neue und noch teurere Yoga Studios gab es nix zu entdecken. Weil ich natürlich kein Japanisch essen wollte und einmal Vietnamesisch mir gereicht hat, stellte ich fest, dass moderne deutsche/mitteleuropäische Küche irgendwie schwer zu bekommen war. Aber die Kantine Chipperfield gab mir ein super Kassler und irgendwo in Kreuzberg hatte ich ein tolles Schnitzel.

Gute Bars kann Berlin. Spontane Funde um die Ecke in Neukölln, als auch bekannte stylische Schwulenbars in Mitte  (Saint Jeans und The Coven, geht hin auch mit Freundin), waren alle zu empfehlen, lässig und auch witzig zum Beobachten. Einen neuen Stil in Interieur oder Kneipen-form ließ sich aber nicht erkennen. Aus der Sicht des Dauerschleife-Fastforward Tokyo war das natürlich etwas enttäuschen und provinziell.

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Vor allem hatte Berlin überhaupt keine großen Importe oder Remixe von Trends oder Ideen aus dem Ausland oder irgendwelche neuen Einfälle nach Sperrmüll-Cafe oder Schwarz-zu-Techno. Remix und Wechsel ist in Tokyo Dauerzustand. Nur australischen Flat White (Cappuccino mit leicht anders) gab es jetzt auch in Mitte, aber irgendwie immer plus 50 Cent und anders als die Australier den machen mit mehr Espresso. Und zu meinem Trauma war der auch tragischerweise mit furchtbar latschiger Hafermilch nach der DDR Ersatzproduktetradition, wie lange liegengelassen und aufgewärmte Haselnuss, würgig.

Hinzu kam ich hatte leider auch Vegan. Es scheint die blinde Rechtschaffenheit hier weiter am Zuge und bleibt furchtbar. Wieder so ein Aufblitzen der nicht ausreichenden Ersatzprodukte der DDR. Scheint eine Psychose zu sein. Icecream anyone? Und bitte sprecht mich nicht auf den Prenzlauer Berg an, wie so oft herablassend schon diskutiert. Es ist so spießig, dass einem die Luft zum Atmen wegbleibt. Ich war schockiert. Diese unterschwellig intolerante Herz-Perzi Mentalität und „Ach-wieso?“ Geruchsneutralisierungspray Haltung ist einfach zum Kotzen – mehr sogar im Kontrast zum restlichen Berlin oder Hamburg.

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Im Gropius Bau lief gerade eine Ausstellung über einen Nazi Kunsthändler, „Bestandsaufnahme Gurlitt“. Dies war ja wegen der eher unrechtmäßigen Beschlagnahmung der Werke bei dessen Sohn in München vor ein paar Jahren ein mega Skandal gewesen und hatte zur Folge, dass sich die Bundesregierung jetzt im Kunstexport nationalistische Sonderrechte zum illiberalen Handelsstopp zugewiesen hat und alle ihre guten Dinger in die Schweiz ausgelagert haben. Eigentlich zynisch, weil die Ausstellung die staatlich organisierten Beschlagnahmungen, Enteignungen und Weiterverkäufe zur Devisengenerierung der Nazis kritisierte. Es wurden tolle Werke aus ganz Europa (und Edo-Japan) gezeigt. Die historischen Erläuterungen und die thematische Aufreihung waren fabelhaft. Ein Muss für dich als Geschichts-LK Add-on und jeden anderen Macbook-Intellektuellen mit koreanischer Designer-Hornbrille.

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Deutschland im Sommer ist halt einfach geiler als zu Weihnachten, sorry Glühwein. Und die Ein- und Ausreise über Helsinki war fantastisch. EU-Chippass und innerhalb von 2 Minuten bist du drin, oder draußen. Zack aufs Lesegerät, rein in die Kamerakammer und warten bis du völlig geblendet von der etwas trödeligen Maschine automatisch größenverstellbar Gesichtserkannt durchgelassen wirst. FaceID funktioniert dagegen in Hyperspeed und es macht zwar den Eindruck eines schlecht vertuschten Videocalls in ein Amazon-Turk Callcenter in Indien, aber hej, keine Schlange und gleich weiter.

Ihr könnt euch denken, was ich dann als erstes in Japan gegessen habe:

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Kommt nach Tokyo! Es gibt Sushi. 🍣 🗼🤓

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Rede des Bundespräsidenten vom 3. Juni 2018: „Gedenken an die verfolgten Homosexuellen in der NS-Zeit“

Auch Ihre sexuelle Orientierung, auch Ihre sexuelle Identität stehen selbstverständlich unter dem Schutz unseres Staates. Auch Ihre Würde ist so selbstverständlich unantastbar, wie sie es schon ganz am Anfang hätte sein sollen.

👏👏👏

🏳️‍🌈🇩🇪

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Above you see a quite average but good sushi set. In this case from Yagura in Tsukuba for 1400¥ at lunch time.

But I have a new favourite sushi blog: Sushi Geek. Perfect photos, great places, ingenious descriptions and educational sushi vocabulary. From a frequent visitor out of California.

Anyone wants to try one?

🥢🍣🕺

72 Jahreszeiten

Hallo Internet. Dachtet ihr die Welt wäre einfach? Sommer Herbst Winter Frühling. Vier Jahreszeiten und das ist alles. Nix ist. In Japan gibt es 72 Jahreszeiten!

Zumindest nach einem alten Kalender. Und wenn ihr einigermaßen gut im Kopfrechnen seid, dann wisst ihr, dass das bedeutet. dass jede Jahreszeit nur ein paar Tage lang ist.

Versucht es selbst: 72 Seasons

Diese App ist super schön gestaltet. Außerdem erklärt sie welche Pflanzen und Tiere innerhalb der nächsten Tage gerade frisch für die Saison in Japan sind – zum Essen natürlich. Dabei benutzt sie wunderschöne Fotos und Zeichnungen. Außerdem gibt es jedes Mal ein Haiku Gedicht und oft lokales Brauchtum dazu. Kostenlos.

Also installieren und die Bildungslücken füllen. Aloha!

Singles in Japan

Single? Wie jeder hier. Mehr dazu von DRadio und Economist:

Buchautor Felix Lill „Single-Sein ist in Japan allgemein anerkannt und kein Makel“ (Audio, press play)

Seventh heaven at 7-Eleven: Young Japanese are surprisingly content

Die Geburtenrate pro Frau von 1.5 ist gleich in Deutschland und Japan 2015 laut Weltbank. Nur die Einwanderungs- und Einbürgerungsrate geht auseinander.

Aber seit letztem Jahr ist Japan mit dem Highly Skilled Professional Visa, einem Punktesystem zur Einwanderung ohne Jobangebot von Fachkräften, eines der liberalsten Länder der Welt geworden. Leute können mit diesem Punktesystem auch schon nach einem (!) Jahr die Unbefristete Aufenthaltsgenehmigungen (aka Green Card) bekommen – es dauert sonst 5-10 Jahre. In Deutschland gibt es kein solches System.

Send in your resumes and join the Harajuku Girls! 🌸