Ein Kurztrip nach Singapur

IMG_3643IMG_3656

Vor einigen Wochen habe ich einen Kurztrip nach Singapur gemacht. Leider war das Wetter etwas durchmischt. Temperaturen wie im japanischen Sommer auch im Oktober sehr feucht und heiß.

Die Stadt ist sauber und modern, aber bietet leider außer glitzernde Einkaufszentren und singapurisch-chinesische Fusionküche nicht so viel Erstaubliches. Alles ist importiert. Ich habe viele Australier auf der Durchreise oder Expats von Handelsfirmen getroffen. Es gibt keine großartigen Museen oder historischen Gebäude. Die Architektur ist modern, aber nicht avantgardistisch, sondern nur teuer.IMG_3659IMG_3661Die Gesellschaft versucht sich als mittelständisch und egalitär darzustellen, es wird aber selbst bei einem Kurzbesuch klar, wie weit die Kluft zwischen Wanderarbeitern aus Indien oder Bangladesch, die in Pickup-Trucks in Kleingruppen auf den Strassen zu Baustellen transportiert werden, und den chinesischstämmigen Büroarbeitern in japanischen Designer-Hemden auseinanderdriftet.

Die Geschichte als Kolonie bleibt überall wie ein Echo kleben. Starke, oft nach Ethnie, Religion oder Herkunft gepräkte Gruppenhierarchien durchdringen den Glanz der modernen Architektur und der teuren europäischen und japanischen Marken. Die Angst in die Instabilität der Nachbarregionen durch Relgions- oder Kulturnenkonflikte zu verfallen durchzieht die Atemluft scheinbar. Die starren Regeln wirken großväterlich

Diese Dissonanz und der Fassadenschwindel, der jedem schnell klar wird, schaffen eine eher erdrückende Athmosphäre. Es ist etwas wie Fahrstuhlmusik. Erst ganz nett, dann geht es einem hypnotisch auf die Denkorgane und schließlich muss man gedrängt wie ein Fluchttier das Gerät verlassen.IMG_3663

Auf den folgenden Fotos habe ich den Blick von dem größten Hochhaus aus der überteuerten, dunkel-kitschigen Abschleppbar auf dem Dach aufgenommen. Leider etwas bewölkt. Das Publikum der Bar würde ich eher in einer Ikea-schicken Bahnhofskneipe in Frankfurt erwarten. Das Hotel mit Dach-Außenpool schien sehr spießig neureich und nicht klassisch oder modernistisch elegant zu sein.

IMG_3664IMG_3667IMG_3668IMG_3670

Diese Statue wurde einzige für touristische Zwecke von der Tourismusbehörde in den 60ern errichtet. Sie hat keine besondere historische oder künstlerische Bedeutung. Alle machen aber Selfies mit Statue und Hochhaus frei nach dem Reiseführer-Checklisten-Diktat. I-was-there als von anderen inszensierte Markenbildung.

IMG_3672

IMG_3674

Bei den jungen Leuten in den Starbucks Cafes oder den britischen Gastro-Pub Ketten hatte ich das Gefühl, als wären sie lieber in San Francisco, New York, London oder Berlin. Stattdessen tun sie einfach so als wären sie.

Homosexualität ist dort gesetzlich mit Peitschenhieben zu bestrafen, wird aber angeblich nicht angewendet zur Zeit. Cheers.

IMG_3682IMG_3683

Um dann mal wieder aufatmen zu können, hier ein paar herbstliche Bilder aus einem verwilderten Teil von Tokyo. Die liberale Demokratie ist halt einfach herrlicher.

Grüße an die Marzipankartoffeln. 🌈🦄

Reise mit Garten

Ich war in China, der Kaiser war leider gerade unpässlich. Aber dafür konnte ich zwei der Weltkulturerbe Gärten von Suzhou entdecken. 

Der eine „Garten des Meisters der Netze“ war klein und leider sehr in schlechtem Zustand, und obwohl es eine der wenigen UNESCO Stätten in ganz China ist. Man durchquert ummauerte kleine Szenen nach Szenen und endet irgendwann wieder beim Anfang. 

Hier die Fotos vom ersten Garten:


Dann war da noch der zweite Garten „Der Garten des demütigen Verwalters“. Dieser ist der größte wohl und auch in einem viel besseren Zustand. Außerdem war er völlig überrant von übermäßig ultratrendigen Oberstufenschülern. Ein Catwalk in London war nix gegen die Kids mit Instagram Sucht wie in Berlin Mitte. Yamamoto und Paul Smith waren quasi auch persönlich vor Ort. 

Genießt lieber die Bilder als mein Gelaber:


Und jetzt noch etwas Essen für das Rundumbildungsprogramm. Wirkliche Inhalte werden hier sonst nicht vermittelt. 

Die Internetzensur war wirklich nervig. Aber nicht wirklich effektiv. Und obwohl ich mit einer ganzen Batterie an VPN Tunneldiensten die Firewall durchbrechen konnte, rissen deren Verbindungen dauernd ab oder wurden dann blockiert. Das Netz war zudem mobil und im Wifi immer lahm wie eine Alpaca-Patroullie. 

Aber zur Entspannung noch ein Foto von Live-Musik im Hotel. Die Videofunktion in dem Blog war mir zu teuer. Also Phantasie bei der Melodie bitte. 


Zugfahren ist total unpraktisch und es wird sich mehr angestellt und mehr geröntgt als in Heathrow. Mega anstrengend. Dafür gibt es ICEs und Shinkansen an einem Gleis und auch einen Transrapid.

Das war die Reise nach Suzhou und ein paar Stunden Shanghai. . 

Bye  👋 

Reise zur Villa des Kaisers am Strand

Der Kaiser von Japan hat eine Villa am Strand. Und das ist jetzt keine Gutenacht Geschichte. Der Strand heißt Isshiki bei Hayama und liegt so 1,5 Stunden von Tokyo entfernt. Also perfekt für einen entspannten Tagesausflug zum Strand direkt vom indurtial Scandinavian Hipster Café . 

Das Beste ist, dass die ganzen romantischen Pärchen auf Weekend Dates völlig verliebt eine Station vorher für den  Touristenstrand die Bahn verlassen. Geheimtipp für die Trendszene Tokyos also. 

In der Kleinstadt vor dem Strand gibt es eine kleine Einkaufstraße. Leider hat irgendwer vergessen sie nsch den 80er Jahren in die Gegenwart mit zu nehmen. Kimonoläden und teure Mode, die nur reiche Omis noch schön finden. Dafür einen Tofu Laden. Der hat ein Mittagsmenü mit einem Set Lunch mit allem aus Tofu. Foto:


Ja hier ist alles Tofu. Außer der Reis natürlich. Kleiner Proteinschock vor dem Meer. Aber psst: vegetarosch ist in Japan fast nix. Der Fond für die Gerichte (Die Suppe für die Soßen, Dashi) ist imme aus Fisch. 

Das Meer ist dann traumhaft. Die Villa des Kaisers am Strand mit gelangweilten Polizisten im Wärterhaus hinter uns schauten wir über die Wellen gegenüber auf den Berg Fuji. Sagenhaft. Der Berg ist hinten links hinter Wolken.  

Klickt auf das Panorama für ein großes Bild. 


Bekannt für die Sonnenuntergänge blieben wir am Strand und ließen uns von den etwas zu gechillten und völlig besoffenen Strandboys zuquatschen – sie müssten nämlich ihr Englisch trainieren. Alkohol ist der beste Lehrer. 

Leider ist der alte Berg ein Süchterner. Da hilft auch kein Bierchen. 

Jetzt wisst ihr wieso der Kaiser hier seine Villa hat. Eine Moral von der Geschicht gibt es nicht. Aber dafür ein Foto von einem bunten Milchshake:


Und wenn ihr immer noch nicht überzeugt seid, dass mich die Tourismusbehörde Japans mit Sashimi besticht, hier noch ein Bild von dem Omikoshi Schreinumzug aus meiner Nachbarschsft, die mich nach der Arbeit fast überrannt hätten: 

Viel Spaß bei der Bundestagswahl! Ich habe per WahlSwiper, Wahl-o-mat und Zeitungstexten die Briefwahl schon lange hinter mir. 🕺🌴

Zeitgenössische Kunst aus Südostasien Nummer Zwei

Sky Tree
Seerosen
Democracy. Stamp it and it’s real, Indonesia

Kleine Demonstranten, Thailand
Good Afternoon sagt die Queen, Singapur
Domino im Garten
„I am sorry!“
Lupenfolie als Wand
Gold im Raum
Füße in Wollresten, Thailand
fullsizeoutput_31e1
Wartend in Ueno
fullsizeoutput_31e3
Shibuya, The Room, Downstairs
fullsizeoutput_31e5
Yamanote Grün

Letzte Woche war ich im NACT, keine FKK Party, sondern das National Art Center Tokyo, eines der großen modernen Kunstmuseen der Stadt. Dort habe ich endlich den zweiten Teil der gerade hier laufenden ASEAN Contemporary Art Schau gesehen. Der erst war im Mori Museum und ich war da.

Auch diese Ausstellung ist beeindruckend. Ich fand eine Videoinstallation über die Kolonialgeschichte Singapurs mit zwei sich gegenüberstehenden Videowänden in einem dunkel Raum z.B. sehr beeindruckend. Dort hält ein Kolonialist mit Tropenhut und ein Tiger einen 3D animierten Dialog in Versform, still im leeren Raum schwebend und dabei die gegenseitigen Bildschirmseiten wechselnd. Sehr fesselnd.

Einige der anderen Stücke habe ich euch hier oben eingebettet. Manche Installationen oder Bilder sind traurig, durch Krieg oder Unterdrückung geprägt, aber ich empfand viele andere auch sehr lustig, inspirierend oder einfach schön. Vieles war interaktiv, wie der Raum voller alter Wollreste, in denen eine wertvolle Kette versteckt war, die man finden und mit nach nehmen konnte. Oder den thailändischen Trödelladen, der in der Ausstellung Plastikzeug und getrocknete Snacks verkaufte.

Ich habe viel gelacht beim Gehen durch die Ausstellung und hatte am Ende ein inspiriertes Gefühl, dass Südostasien doch im Geiste weiter ist, als es vielleicht oft scheint, und viel interessante Künstler zu bieten hat. Vielleicht werden die bald das nächste große Ding und lösen endlich Ai Wei Wei als einzigen bekannten gegenwärtigen Vertreter Asiens ab.

Nur für die Untermalung habe ich auch ein paar Stadtfotos von Tokyo eingemischt. Vielleicht bekommt ihr ja so mehr Lust auf eine Reise hier her.

Geht mehr in ungewöhnliche Ausstellungen. 👯‍♂️

PS: Willkommen auf meinem neuen Blog. Wie der Alte, nur woanders und endlich mit Dot-com Domain. Schreibt mir wie ihr ihn findet. Und sagt es weiter. 🤓

PPS: Check these guys out (Spotify embed, yeah):

Budapest in der Gegenwart

Ich war beruflich in Budapest. Bin bin nur ein paar mal in anderen Ecken Osteuropas gewesen bis heute. Deshalb war ich gespannt, vor allem aber auch wegen der rückwärtigen politischen Situation in Ungarn. Ich kenne ungarische Musik und Kunst aus den wilden Vorkriegsjahren und die Porno-Freizügigkeit Homosexueller nach der Wende dort. Was war geblieben?

Leider nicht viel. Budapest scheint ein art Touristenziel für eine art Machoide Münchner Schickeria Yuppie-New-semi-rich Mittel Klasse  Schicht mit Solariumhaut, Macfit-Oberarmmuskeln und anrasierten Asymetrie-Friesuren zu sein. Keine Kontroverse. Nur Hedonismus wie die 90er Loveparade, aber jetzt mit Instagram und Sagway. So meine erste oberflächliche Analyse.

Auf der anderen Seite hat Budapest auch fantastisch billige hohe Küche zu bieten und ist mit modernster Innenarchitektur und Stil bei dem zeitgenössischen Asia-Europe-California Fusion Food und der Melbourne-Sweden New Wave Coffee Bewegung vorne dabei. Das schwule Künstlerpärchen aus UK, Gilbert und George, hatten zur Zeit eine Ausstellung im Ludwig Museum (ich konnte sie leider nicht sehen) und alle Welt schaute auf die Retina-Bildschirme, um der Schwimmweltmeisterschaft und vor allem einen weiteren offen homosexuellen Briten, Tom Delay, beim Weltmeister werden zu zusehen.

Die Leute waren freundlich, sprachen oft Englisch, manchmal natürlich Deutsch. Österreich scheint überall die Finger im Spiel zu haben und die 90Jahre Bauelemente an den renovierten Altbauten oder die neugebauten Wohnungen aus der selben Zeit sind vollkommen im selben Stil wie die deutschen Ärztezentren oderVorort- Neubausiedlungen nach der Wende überall in deutschen Städten. Auch deutsche Supermarktketten, Drogerien und Konsumartikel überall.

Ich hatte Glück, denn einer meiner Mitreisenden war schon direkt nach der Wende in Budapest gewesen und hatte sogar die alten Fotos extra auf das iPhone geladen. Da wo früher ein sowjetischer roter Stern prangerte ist heute ein eher langweilig vernachlässigtes Rondell. Die Fassaden  sind alle hervorragend renoviert. Und man sieht nicht mehr die Einheitsautos des Ostblocks, sondern natürlich Skodas und Toyotas dazu Leute in Zara und Luise Vuitton.

Auch die Barszene mit touristischen Wanna-be Anarcho-Bars in alten abgefuckten Lokalitäten ist wie aus Berlin teleportiert, mit samt den Bar-Crawling Tourigruppen. Nur der SM-Techno mit tätowierten Druffie-Typen war für mich nicht zu finden. Dafür super Weine an den Theken.

Ich war auch in einem der touristisch besonders wichtigen barocken Bädern. Verglichen mit Japan war das Wasser lauwarm langweilig und nur der Eingang und der mit Badekappe beschwimmbare Außenpool in toller Architektur wirklich beeindrucken. Zu teuer für den Spaß dafür mit internationalen Schwimmteams beim Entspannen im Blubberwasser.

Und hier die Galerie zum durchklicken 📸:

Ich hatte das Gefühl, dass Budapest dringend Westeuropa sein möchte, dabei aber vergessen hat, warum sich Europa  „Einheit durch Vielfalt“ nennt. Schön war es, aber ich fand Prag und Tallinn interessanter. Warschau und Krakau muss ich noch. Wien ist ja sowieso gerade Most Livable City Nr 2 (Tokyo ist Nr. 1 natürlich 😜). Was sagt ihr?

Reisen bildet. ✈️ Bleibt vielfältig. 🇪🇺

Taipeh im Regen

Auch Japan hat sein LCCs (Low Cost Carrier) im Luftfahrtbusiness. Einer davon ist Vanilla Air (mit den gleichen viel zu kleinen Sitzabständen und komplizierten Preissystemen). Und wie in Europa jetten die Leute damit mal eben übers Wochenende für Parties und Essenssafaris in die Nachbarländer. Nur sind die immer etwas weiter weg als Ibiza und London.

Ich also 3 Stunden nach Taipeh in Taiwan gesaust für ein paar Tage. Die Stadt ist gerade in, die Leute hip, das Essen gut und sie haben das Palastmuseum, in das all die besten Sachen aus der Verbotenen Stadt in Peking abtransportiert wurden.

Mein Hotel Cho war im trendigen Ximen Distrikt. Das ist ca. so wie Harajuku in Tokyo. Junge Leute, Popmusik und viel pinke Mode. Hier liegt auch das kleine Schwulenviertel mit Terrassen-Bars in einem alten Backsteinkomplex.

Taiwans oberstes Gericht hat ja gerade entschieden, dass  gegen die Verfassung verstoßen wird, wenn homosexuelle nicht heiraten dürfen und die Regierung gezwungen jetzt die Gesetzte für eine Ehe-für-alle zu ändern.

Die Stimmung war dementsprechend euphorisch und viel schwule japanische Touristen in den Bars. Japan hat keine Regelung für Anti-Diskriminierung von sexuellen Minderheiten und damit auch keine Ehe- oder Partnerschaftsregelung. Wegen der Olympiade wird darüber aber nachgedacht. Es geht hauptsächlich ums Image und um die westlichen Gay Tourism Dollars.

Am Ersten Tag waren wir also im Palastmuseum, weil das für mich das interessanteste und wichtigste in Taipeh war. Hier ein paar Bilder von unglaublichen Keramiken, Metallarbeiten und vielem mehr. Lasst euch nicht täuschen. Das Zeug ist alt. Tausende Jahre, obwohl Ikea, Bauhaus und Muji heute das Design als Modern Minimalism recyclen. Click to enlarge. Wenn man die Kalligraphie schnell durchzieht, kann man mit Audioguide das Ganze in 2.5 Stunden abhandeln.

Natürlich habe ich auch einige Tempel und Straßenfotos für euch. Die Tempel sind im Vergleich zu Japan sehr viel barocker und bunter. Sie haben oft einen Innenhof mit vielen Buddhas in verschiedenen offenen Räumen.  Klick to enlarge, besonders die Panoramas

Obwohl wir auch sehr gut teureres Essen gegessen haben, ist in Taipeh billigeres Kneipen- und Fastfood Essen das Ding. Teigtaschen gekocht oder gebraten, Nudelsuppen, Fritiertes, Gedünstetes und so weiter. Sehr gut, obwohl oft die Neonlicht Atmosphäre der kleinen Restaurants nicht sehr einladend scheint. Viele sprechen gutes Englisch oder versuchen sich herzlich an ihren Bröckchen. Alle sind höflich und respektvoll. Kaum Europäer oder Amerikaner auf den Straßen

Es gibt einen guten Undergroud Club. Korner. Dort ist es so, wie manchmal in kleineren Clubs in Tokyo. Halb Locals und halb Expats. Guter Techno, Relaxed, Euphorisch, kaum Drogen, kein Sex. Wir haben einen Discount bekommen für Kurze-Hose und Flip-Flop-Look im Regen – Als Protest gegen die Kleines-Schwarzes-plus-Nagellackfinger-Girls und Gelfrisur-plus-schwarzes-H&M-Herrenhemd-Guys Türpolitik der Schickaria Clubs im Zentrum. Ziemlich witzig.

Generell sind Taxis, Metro, Essen und vieles billiger als Tokyo. Nur bei mehr Luxus wird es dann schnell teurer als in Japan. Modisch lieben sie Japanische Mode, die Männer gehen aber ins Fitnessstudio und sind größer und breiter und tragen auch mal Bart. Japanisches und Koreanisches Essen überall.

Taiwan war 50 Jahre eine Kolonie Japans. Davor ca. 200 Jahre Teil einer Präfektur Chinas. Davor Niederländisch kontrolliert, davor Stammesland. Und so weiter. Durch viele Flüchtlingswellen aus China über die Jahrhunderte und dem Mix mit den Inselvölkern und den kolonial Mächten ist das Land ziemlich Vielfältig unter der Oberfläche.

Die Leute sind höflich und herzlich. Eine Reise in das seit 20 Jahren demokratische Industrieland lohnt sich auf jeden Fall. Für Rundreisen bietet Taiwan auch tropische Strände im Süden. Leider war Regenzeit.

Kommt nach Ostasien. See you soon.

PS: Additional Instagram Spiegelung:

Von Landschaftsgärten ohne Rente

Da sich meine Groupies beschwert haben, dass ich hier schon lange nicht mehr den Impulserhaltungssatz an meiner Tastatur überprüft habe, schreibe ich heute über das erholende Nichtstun.

Es geht um Parks. Japanische Landschaftsgärten natürlich. Wer jetzt etwa aufmuckend vor sich hin brabbelt, dass so etwas ja nur Rentner und Romantiker-Touristen ans Kassenhäuschen lockt, dem muss ich gleich vor warnen:

Ich habe mein offizielles Ojii-san (Alter Typ, Opi) Zertifikat vor einer Woche vom Stadtteilrathaus abgeholt und darf mich jetzt ungehindert der ewig gestrigen „Alles war besser“ Methode hingeben, dabei gemahlenen Tee trinken und eben mit den anderen alten Opis in Landschaftsgärten den Foto-Chip meines iPhones zur Siedetemperatur treiben.

Kleiner Scherz.

Ich war in drei Parks hier in Tokyo, die alle von der Stadt verwaltet werden. Sie kosten alle Eintritt – ja liebe romantisierenden Sozialisten, Japan ist eine liberale… ich wiederhole… l-i-b-e-r-a-l-e Marktwirtschaft mit einem Einzelperson-Steuersatz von 22%. Da kosten dann Landschaftsgärten zwischen 2,80 Euro bis 1,20 Euro. Dafür sind alle Hecken perfekt gestutzt, jede MIkro-Jahreszeit ändert die Perspektive, die Klos sind nicht der Darkroom Ersatz für abgelehnte Berghaintouristen und es gibt sogar echte Tiere. Also Bio und so.

Der Erste Park ist der Rikugien Garten. Er liegt im Nord Osten der Stadt und ist um einen See herum angelegt. Über den kleinen Hügel kann man den ganzen Park bei einer leichten Brise gut erfassen.

Gemahlenen grünen Tee (Matcha) a la Teezeremonie kann man für 4,80Euro mit einer kleinen Süßigkeit aus Azuki-Bohnen am Rand des Sees zu sich nehmen. Perfekt, um den anderen Rentnergruppen dabei zu zuhören, dass jetzt Krankenversicherungen für Katzen der neuste Schrei bei über 65jährigen sind.

Hier die Fotos:

Der zweite Park ist der berühmte Hama-rikyu Garten aus der Top 8 Liste deines Grabbeltisch Lonely Planet Reiseführer. Er wurde von einer der Fürsten der Tokugawa Familie gebaut und liegt mit Wassergraben umgeben direkt an der Tokyoter Bucht. Von hier aus kann man die Fähre zu all den anderen wichtigen Sights auf der Geheimtip Besten Liste deines Prenzlauer-Berg Uppermiddleclass-Normaden Reiseblog von Angelika nehmen und so richtig Japan erleben.

Das taten auch alle Touristen in dem Park. So richtig Japaner sein, ähm spielen. Selfisticks sind zwar langsam nur noch bei den ganz billigen Pauschaltouristen anzufinden, aber anmutig und folkloristisch in der Tracht der lokalen Bevölkerung durch die Gassen zu stolzieren ist auch bei den höher preisigen Design-Hostel Touristen mit dem Komplettoutfit nicht passender Signalfarben der aktuellen Wolfskin Sommerkollektion in Hit.

Er im grauen, musterlosen billig Kimono (im Sommer! IM SOMMER!!!!, Ok, es gibt natürlich auch Sommer Kimonos) mit knall gelbem Obi-Gürtel, denn wer keinen Geschmack hat, hat Signalfarbe. Und sie im zart Blütenfarben-Pastell-Kimono (im Sommer! IM SOMMER!!!!) mit nur einem Hauch von Muster, keiner echten Seide und einem farblich verblassend langweiligen Obi-Gürtel und drei Tonnen Spiegelreflexobjektiv. Und Selfistick.

Wenn Karl Lagerfeld nicht noch durch Ananasstücken und Arte-Reportagen am Leben gehalten würde, hätte er spätestens jetzt die Lambskin-Leather Zombi Apokalypse eingeläutet. Für alle die es noch nicht bei Siri nachgefragt haben: Im Sommer (Meistens zum Feuerwerk oder zu Festen) trägt man Yukata aus Baumwolle mit Print. Der Obi des Mannes muss schlicht sein und der Kimono plus Obi der Frau muss total dekadent sein. So als Kurzfassung. Main Point: Teure Stoffe.

Aber wenigstens hatten sie Spass in ihrer Folklore. So richtig echt. Total authentisch. Ich glaube die drei Tonnen Plastik des Disney Schlosses in Florida sind nicht echter. Und mit Neoklassizismus habe ich eine Familiengeschichte.

Matcha gab es auch dort. Der Park ist nicht zu empfehlen, weil die anderen so viel besser und einfacher zu erreichen sind. Hier die Fotos:

Der dritte und vorerst letzte Park ist der Koishikawa Korakuen Garten. Er liegt im Osten der Stadt in einem Kaffee Zentrum mit vielen Kanälen und einem Moderne Kunst Museum.

Dieser Park gefiel mir am Besten. Denn er war kleiner, hatte natürlich keine Touristen, war landschaftlich am aufwändigsten gestaltet mit kleinen Objekten und hatte vor allem Tiere. Koi-Kapfen, Schildkröten, und kleine Kraniche. Total süß und hübsch.

Der Park ist auch um einen See herum angelegt. Und der Besucher wird über die Route auf großen Steinen im Wasser zum Abenteuer Jump and Run aufgefordert. Auch gab es hier die meisten schattigen Bänke zum beobachten der Tiere, die alle Beteiligten herrlich amüsierten. Ich glaube ich bin bereit für die Rente.

Dieser Park hat kein Teehaus, leider. Dafür gibt es um die Ecke zwei sehr gute Kaffeeröstereien: Blue Bottle und Allpress mit weiterhin Trendfaktor.

Hier die Fotos:

IMG_2990 Klickt auf die länglichen Panorama Fotos, um sie in voller Größe zu laden und besser den Panorama Eindruck zu bekommen.

Hoffentlich haben diese ganzen fantastischen Hochkultur Fotodateien euer Lidl-Mobil Datenvolumen vor Monatsende nicht absaufen lassen und ihr müsst jetzt auf die HD Hastag-No-Filter Selfies bei Tinder verzichten. Ist eh romantischer ohne Foto.

Bildung bildet. Mata, ne.