Gute Laune an der Nordseeküste

Es regnet. Ich sitze in der Botschaft Skandinaviens und warte auf meinen australischen Flat White. Das ist natürlich ein Hipster Cafe in Weiß, Mir gegenüber am großen Gruppentisch schreibt jemand in Tinte. Ich hoffe nur es sind die Memoiren und nicht der letzte Wille. Alle tragen Wollpullis.

Ich bin in den Niederlanden, habt ihr bestimmt am Wetter gemerkt. Dienstreise. Wie immer. So richtige Sehenswürdigkeiten haben ich aber keine besucht. Nur Straßen angeschlendert und Dinner bestellt.

Ich war als erstes in Delft. Unglaublich süße Kanalstadt mit hübschen, kleinen, niedrigen Stadthäuschen aufgereiht wie in einer Warteschlange. Dazu große Menschen. Alle junge Studenten. Es scheint so als wäre hier jeder Modeschau-Model. Das Licht könnte nur besser sein.

Das Essen ist leider nicht so besonders aber in guter Qualität. Meine japanischen Kollegen lassen Käse, Waffeln und Bier nicht als Kochkultur durchgehen. Tja. Also viel Burger und Steak.

Einen Abend haben wir auch den Intercity nach Rotterdam nebenan genommen. Ich wollte die Architektur sehen.

Sobald man aus der Station im Untergrund nach oben aufsteigt scheint es so als hätte man das Land gewechselt. Alles neu. 60er bis heute steht da hoch in Beton und Glas. Herrlich und frisch. Kubismus der Postmoderne und die iPhonekamera im Schnellschussmodus.

Die Markthall mit der absurd riesigen Tunnel Architektur und der Armeisen-Perspektive an der Innenseite war besonders lustig. Wir könnten Käse und Salami probieren und am Ende Türkisch essen. Alles bei Nieselregen draußen.

Heute bin ich in Amsterdam. In dem Café von oben. Es ist etwas aufgeklart und jetzt Sitz noch ein Kleinkind mit Schnuller am Tisch. Leute lachen.

Sowieso fand ich die Niederländer total charmant, offen, immer gut gelaunt und quasseln einen dauernd auf Niederländisch an. Dabei hat keiner ein Problem dann auf Englisch oder Deutsch weiter zu Smalltalken oder Spaßen. Liegt es am Käse? Oder am vielen Fahrradfahren? Vielleicht die Meeresluft oder der miese Nieselregen andauernd. Wer weiß., vielleicht ist es ja der geheime Liberalismus der Gedanken hier.

Ich komme gerne wieder. Das Rotlichtviertel in der Innenstadt könnt ihr ruhig auslassen. Alle so aggressiv irgendwie. Und immer diese abrasierten Zuhälterfrisuren. Furchtbar.

Grüße an die Nordsee und die Käsebrote. 🧀 🍞

Ahoj. 🛳

Berlin and back

Gerade aus dem antizyklischen Jetlag-Schlaf erwacht, berichte ich dem Internet heute von meinem Kurztrip nach Berlin (und Hamburg). Ich war dort wegen Resturlaub und Jobwechsel für nur eine kurze Woche, habe aber maßlos und zu jeder unpassenden Gelegenheit maximal viel Käse konsumiert. Ich hoffe so ein Reservefressen wird nach dem neuen EU-Japan Freihandelsabkommen ab nächstem Jahr endlich unnötig.

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Wie war es? Hamburg ist schick wie immer. Zwischen Blue Jeans Kaufleuten im Sakko und Retro-Flohmarkt Punkimitaten war wieder alles zu bestaunen. Die Stimmung ausgelassen liberal und trocken zynisch Norddeutsch lud ein zu vielen Aperol Spritz am Elbstrand oder in der Speicherstadt. Außerm auf dem Kiez ist Hamburg einfach mega angenehm, gut gemischt und realistisch modern. Spieß kam nur selten auf. Zum Leben kann ich es sehr empfehlen.

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Berlin dagegen war wie immer arrangiert schmuddelig und renoviert prächtig. Die Stadt hat selbst bei gutem Wetter immer was von Dauerurlaub und Menschenleere. Modisch fielen mir die vielen süßen Girls mit französischem Make-up, trendigen englischen Metallbrillen und modernen eckigen oder leicht blau-grün gefärbten Haarstilen aus Kalifornien auf. Dazu kamen oft super schicke japanisch oder Jil Sander designte Mäntel und eine positive Einstellung.

Die Männer dagegen sind in Berlin ja immer ein Thema von Debatte. Viel zu lange und viel zu gut eingefettete Waldscharatbärte trägt man wie der Immobilienmarker seine Rolex. Natürlich völlig unfunktional, außer Mann möchte seine Männlichkeit auch hinter iPhone Xs Max und Hafermilch-Cappocchino zum Ausdruck bringen oder hat ein Not-so-Instagramable Hals-Kinn Garnitur. Modischer T-Shirt-FitnessFirst Look mit Tattoo Option ist immer unfertig und gerade mal aus dem Bett geschafft. Ich petitioniere für mehr hanseatischer Designermode bei den Herren. Und vor allem weniger Sporty Black.

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Berghain ist immer noch ein Thema, außer dass sich jetzt das Ausland wirklich nicht mehr dafür interessiert. Ich war aber erstaunt, dass sich fast keine Läden, Kneipen oder Bars verändert hatten. Außer neue und noch teurere Yoga Studios gab es nix zu entdecken. Weil ich natürlich kein Japanisch essen wollte und einmal Vietnamesisch mir gereicht hat, stellte ich fest, dass moderne deutsche/mitteleuropäische Küche irgendwie schwer zu bekommen war. Aber die Kantine Chipperfield gab mir ein super Kassler und irgendwo in Kreuzberg hatte ich ein tolles Schnitzel.

Gute Bars kann Berlin. Spontane Funde um die Ecke in Neukölln, als auch bekannte stylische Schwulenbars in Mitte  (Saint Jeans und The Coven, geht hin auch mit Freundin), waren alle zu empfehlen, lässig und auch witzig zum Beobachten. Einen neuen Stil in Interieur oder Kneipen-form ließ sich aber nicht erkennen. Aus der Sicht des Dauerschleife-Fastforward Tokyo war das natürlich etwas enttäuschen und provinziell.

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Vor allem hatte Berlin überhaupt keine großen Importe oder Remixe von Trends oder Ideen aus dem Ausland oder irgendwelche neuen Einfälle nach Sperrmüll-Cafe oder Schwarz-zu-Techno. Remix und Wechsel ist in Tokyo Dauerzustand. Nur australischen Flat White (Cappuccino mit leicht anders) gab es jetzt auch in Mitte, aber irgendwie immer plus 50 Cent und anders als die Australier den machen mit mehr Espresso. Und zu meinem Trauma war der auch tragischerweise mit furchtbar latschiger Hafermilch nach der DDR Ersatzproduktetradition, wie lange liegengelassen und aufgewärmte Haselnuss, würgig.

Hinzu kam ich hatte leider auch Vegan. Es scheint die blinde Rechtschaffenheit hier weiter am Zuge und bleibt furchtbar. Wieder so ein Aufblitzen der nicht ausreichenden Ersatzprodukte der DDR. Scheint eine Psychose zu sein. Icecream anyone? Und bitte sprecht mich nicht auf den Prenzlauer Berg an, wie so oft herablassend schon diskutiert. Es ist so spießig, dass einem die Luft zum Atmen wegbleibt. Ich war schockiert. Diese unterschwellig intolerante Herz-Perzi Mentalität und „Ach-wieso?“ Geruchsneutralisierungspray Haltung ist einfach zum Kotzen – mehr sogar im Kontrast zum restlichen Berlin oder Hamburg.

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Im Gropius Bau lief gerade eine Ausstellung über einen Nazi Kunsthändler, „Bestandsaufnahme Gurlitt“. Dies war ja wegen der eher unrechtmäßigen Beschlagnahmung der Werke bei dessen Sohn in München vor ein paar Jahren ein mega Skandal gewesen und hatte zur Folge, dass sich die Bundesregierung jetzt im Kunstexport nationalistische Sonderrechte zum illiberalen Handelsstopp zugewiesen hat und alle ihre guten Dinger in die Schweiz ausgelagert haben. Eigentlich zynisch, weil die Ausstellung die staatlich organisierten Beschlagnahmungen, Enteignungen und Weiterverkäufe zur Devisengenerierung der Nazis kritisierte. Es wurden tolle Werke aus ganz Europa (und Edo-Japan) gezeigt. Die historischen Erläuterungen und die thematische Aufreihung waren fabelhaft. Ein Muss für dich als Geschichts-LK Add-on und jeden anderen Macbook-Intellektuellen mit koreanischer Designer-Hornbrille.

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Deutschland im Sommer ist halt einfach geiler als zu Weihnachten, sorry Glühwein. Und die Ein- und Ausreise über Helsinki war fantastisch. EU-Chippass und innerhalb von 2 Minuten bist du drin, oder draußen. Zack aufs Lesegerät, rein in die Kamerakammer und warten bis du völlig geblendet von der etwas trödeligen Maschine automatisch größenverstellbar Gesichtserkannt durchgelassen wirst. FaceID funktioniert dagegen in Hyperspeed und es macht zwar den Eindruck eines schlecht vertuschten Videocalls in ein Amazon-Turk Callcenter in Indien, aber hej, keine Schlange und gleich weiter.

Ihr könnt euch denken, was ich dann als erstes in Japan gegessen habe:

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Kommt nach Tokyo! Es gibt Sushi. 🍣 🗼🤓

Kyoto

Kyoto ist hip, grün und touristisch. Obwohl die Stadt um einiges kleiner ist als Tokyo hat sie eine vielfältige Ansammlung von hippen Bücherei-Cafes oder den neueren Single Origin (No Seating) Roaster Bars. Alles eine Mischung aus dem roh-Industriellen Melbourne/Berlin Style angedünstet mit Kyoto Holzarchitektur oder Zen Garten Elementen. Viele trendige Bars oder Kneipen sind in neu umgebauten alten Wohnhäusern. So auch zB das Blue Bottle Cafe aus San Francisco. Oder wie eine Offshoot meines eigenen Nachbarschaftscafes, in einem Tempel zur Touristenabfertigung.

Ich habe auch viele Tempelgärten erkundet, weil das mein all-sommerliches Mini-Hobby ist. Die nicht super top bekannten Tempel mit unglaublichen Gärten reizen mit wenigen als Geisha oder Samurai Boys verkleideten asiatischen Touristen und einem Mangel an Stativ-Selfie Sets. Also Ruhe um das Froschkonzert im perfekt angelegten, aber so natürlich zufällig aussehenden Innenhofgarten zu genießen.

Ich hinterlasse meine Bildersammlung leicht unsortiert und nur annähernd kommentiert, sodass der Deutschlehrer in euch endlich wieder Freiraum für Interpretation erleben kann.

Bambuswald in Arashiyama mit verkleideten Touristen

Nishiki Einkaufsstraße morgens ohne Touristen

Weekenders Coffee Shop hinterm Parkplatz Coffee Roastery Bar ohne Sitze mit mini Zen-Garten im Zentrum

Brücke in Arashiyama gerade außerhalb der Stadt mit tausenden verkleideter Touristen

Arabica Cafe in Arashiyama ohne Sitze mit langer Schlange und mega trendy

Fluss in Kyoto

Starbucks mit Verkleideten

Blick von Higashiyama auf Pagode

Arabica Cafe Higashiyama bei Regen mit Sitzplätzen

Auf dem Philosophen Weg

Am Philosophen Weg

Entokuin Tempel mit Gärten, alle nächsten Bilder

Nanzenji Tempel mit Steingärten, alle nächsten Bilder

Blue Bottle Cafe aus San Francisco in altem Townhouse in Kyoto, alle nächsten Bilder

Sommerliches Abhängen am Fluss

Sushi aber eingelegt und nicht roh. Das Meer ist nicht nah von Kyoto

Kyoto Station

Shinkansen bei der Einfahrt

Kyoto lohnt sich. Auch ohne die gängigen Reiseführer. Aber Tokyo hat einfach noch mehr Trends, Cafes, Gärten, Museen und Essen.

Kommt her und verkleidet euch auch. 👏🍵👘

Kaiser Garten in Kyoto

Gerade bin ich in Kyoto zwischen Hitzefrei und Sommerregen. Und clever wie ich bin habe ich mich bei einer geschlossenen Führung durch den kaiserlichen Garten des Sento Palasts weit im Voraus angemeldet

Die Kaiserliche Haushaltsagentur möchte nämlich alle Besucher vorher online registriert haben, um dann angeblich per Losverfahren auszuwählen. Der Auswahlprozess dauerte 30 Sekunden und schon war ich offiziell einen Monat vor Anreise für die Gartentour per E-Mail zugelassen. Wohl das einzige Los im virtuellen Loskasten.

Aber dort angekommen musste ich mich nur zweimal ausweisen und nur einmal einen hypnotisch einschläfernden Farbfilm über die kommende Tour auf Japanisch ansehen, um mich dann mit ca. 40 Renterehepaaren ins akribisch angelegte Grün zu Scheißen.

Die Führerin war komplett in Schwarz gekleidet plus schwarzem Sonnenschirm und wäre wohl so ohne Probleme in jeden Berliner Club in die VIP Lounge gekommen. Sie wollte wohl nicht von den prächtigen Gartenanlagen ablenken.

Eine Stunde dauerte mein neues Hobby Glück und mein Kamerachip im iPhone war natürlich unter Dauerlastbetrieb. Die Fotos gleich unten. Sehen ist besser als schreiben.

Klickt auf das Panorama für die Vollansicht.

Dort übernachten wohl auch berühmte Staatsgäste. Deshalb habe man das Holzgebäude extra für Ausländer innen umgebaut, damit die ehrenvollen Ausländer dort auch wie gewohnt nicht auf dem Boden pennen müssen. So klärte uns die schwarz gekleidete Dame voller Nachdruck auf.

Genießt den Sommer! ☀️🍹🏝

Kirschblüte!

Hallo Ihr Lieben! Der Winterschlaf ist jetzt langsam zu Ende. Denn es ist Kirschblüte! Und damit ich euch die frohe Botschaft nicht nur verkünde, sondern ihr auch in den Genuss der rosa Wolkenpracht kommt, gibt es hier erstmal nur Bilder der Blüten aus dem Shinjuku Gyoen Park von heute mittag.

Alkohol ist dort verboten. Und es kostet Eintritt, zwei Euro. Dadurch ist es kein Saufgelage wie unter allen andern Kirschbäumen in Japan.

Hier noch ein Bäumchen von Hachiko, der Hundestatue in Shibuya bei Nacht:

Des Weiteren habe ich mir in einer geheimen Ecke des Parks noch einen grünen Tee Matcha mit Frühlingssüßigkeit gegönnt. Obwohl der Park überflutet war mit Smartphones schwingenden Müttern und kreischenden Touristen, war im Teehaus meditative Menschenleere.

Auch rosa aber keine Kirsche:

Das dazu. Und immer weiter an den Frühling glauben. Dann kommt er auch. 🍵🌸🌸🌸

Philadelphia Jung und Hip

Heute komme ich gleich zweimal. Muss an der Miso-Suppe liegen. Die letzte Stadt auf meiner langen Reise war Philadelphia.

Eigentlich hatte ich keine großen Vorstellungen von der Stadt der Unabhängigkeit. Ich dachte sie wäre lahm und Inlands-touristisch. Kleinstadt an der Autobahn Feeling war für mich geplant.

Doch es kam alles anders. Mein Hotel war ohne mein Zutun im Zentrum des LGBT Viertels gelandet. Boutique Hotel mit Frühstück aufm Zimmer im englischen Stil. Davor Regenbogen Zebrastreifen.

Die Stadt hat mehrere gute Unis anscheinend und so waren fast alle auf den Straßen jung und gut gekleidet. Hübsche Backsteinarchitektur der Stadthäuser und Melbourne Style Cafés oder Fusion Vegetarian Restaurants überall. Ein Traum für den kultivierten Yuppie wie mich. Für Museen hatte ich leider keine Energie- und Zeitreserven.

Mein letztes Dinner habe ich mir dann auch in einem vegetarischen Restaurant für Neue Amerikanische Küche gegönnt. Ich saß an der Bar mit vielen Valentinstag Pärchen. Die Bedienung uninteressiert. Ich bestelle Gemüse Sashimi. Man isst ohne Stäbchen. Ich war überfordert.

Geschmack gut. Zutaten: oft Japanisch. Dann kam Soba geschnipselt mit Blattgemüse in Suppe. Furchtbar. Instant. Danach Fondu. Zu flach. Zu schwacher Käse. Als Desert dann Sorbet Dreifaltigkeit. Irgendwas mit Cranberry (gut), Yuzu (japanische Zitrone) mit Kokos (traumhaft!) und Erbbeere Champagner (Erdbeereis aus der Tiefkühltruhe). Fifty-Fifty ist das Endresultat. Europe plus Japan die Kochrichtung. Aber ich war begeistert von der Experimentierfreude.

Besucht Philly! Eure Diätpläne durchkreuzt sie mit Cheese Steak.