New York Rückblick

Jetzt sitze ich mit Grünem Tee wieder in Tokyo, schau dem Skytree entgegen und genieße die Sonne in meinem Apartment. Die Regentage in New York liegen hinter mir, aber ich wollte euch noch meine Eindrücke und Reflexionen übermitteln.

Im grauen Wetter steht noch am letzten Tag der gelbe Käfig von Ai Wei Wei am unteren Ende des Central Parks. Etwas verlassen und unbeachtet überlappt das Gelb sich mit den im Regen fahrenden Taxis. Immigration ist wohl sein Thema. Grenzen. Es ist eine interessante Installation so alleine nur mit mir, der Reisende. Besser als viele von ihm. Fast banal und unbemerkt schleicht es sich in den Alltag.

Banal und unbemerkt habe ich mich dann auch geschlichen. In den Apple Store natürlich. Ich wollte den HomePod ausprobieren. Diesen kleinen Lautsprecher mit Siri Funktion hatten sie am Vortag in die Läden geschickt.

Die hippe Verkäuferin lässt ihn mich ausprobieren. „Hey Siri, play Boys“ sage ich. Das Gerät bestätigt und spielt sofort los. Die Verkäuferin lacht. „Hey Siri, turn up the volume!“ sagt sie. Und sofort ist der riesige Apple Laden voller nasser Touristen und digital überforderter Rentner erfüllt von der Pop-Hymne an süße Männer. Ich lache laut und sie nickt grinsend.

Der Sound umwerfend für die Größe. Die Höhen etwas flach irgendwie. Aber für die Sparschwein Größe durchdringt „I am thinking of Boys“ die laute Geräuschkulisse der Verkaufsgespräche. „Play the 9th Symphony of Beethoven. “ super. Europas Hymne klingt auch gut vom Assistenzgerät. „Play Star Wars“. DümdümdümDöööh! Alle drehen sich jetzt um. Krieg der Sterne auf Volllautstärke. Wir lachen. Ich bedanke mich und gehe. Aus dem Schaufenster winken mir die anderen Verkäufer lachend zu. Ich musste noch den ganzen Nachmittag grinsen über diese kleine Geste der Verkäufern mit dem Hit der Schwulen Jungs. Herrlich.

Mein nächster Stop war das MoMA um die Ecke und mit Boys auf dem Lippen ließ Google Maps mich sogar am Trump Tower vorbeimarschieren. Es regnet.

Das MoMA ist einfach zu witzig. Ich habe erstmal für eine DarkRoom Installation Performance 4üMinuten angestanden. Aus Kuba. Über Unterdrückung und Romantisierung. Die Performer waren natürlich nackt. Dazu Staatsfernsehen und Zuckerrohr am Boden. War sofort wegzensiert worden im Ursprungsland. In Berlin wäre das dagegen ein ganz normaler Sonntag morgen.

Dann in der permanenten Ausstellung super Stücke, klar. Ein Raum nur Gerhard Richter. Und ich konnte es mir nicht nehmen lassen den anderen deutschen Touristen kurz von hinten ins Ohr flüsternd klar zu machen, dass der auch ihre Moderne repräsentiert. Kölner Dom, People.

Als Mittag gabs Lachsbrötchen mit Avocado. Die Bedienungen hatten alle Oberarme und Nacken vom Discount-Gym. Vorhersehbar unverschämt teuer.

Dann war der Tag auch fast rum. Noch ein Wiedersehen mit einem alten Mitbewohner in einer Kneipe wie in Kreuzberg. Statt Döner eben Burrito. Gin and Tonic, Same Same.

Den letzten halben Tag verbrachte ich zu Fuß im Trend und Gay Viertel Hell’s Kitchen. Das Green Curry im Thailädchen war hot. Die Jungs auf der Straße auch. Nur etwas verschlafen schien die Kreativszene um 12 mittags noch zu sein.

Beim Hipster Hangout im Bäckereicafe einer mexikanisch-amerikanischen Mutti schloss ich mich dann auch der Romane scheinenden Horde MacBook Priester mit gefärbten Haaren an. Alle ganz süß und individuell, oft als Pärchen. Frau Frau. Mann Mann. Fabelhaft.

Kurzzusammenfassung: Amerika gehts gut. Die Leute küssen sich auch weiterhin auf der Straße und Apple bezaubert weiter alle. Nur der Kaffee könnte etwas weniger sauer sein. Das Ding bis zum Ende durch rösten würde helfen.

Bussi bussi links rechts. 💋

Das Museum für Afro-Amerikanische Geschichte

Auf dem Weg zum Museum für Afro-Amerikanische Geschichte in Washington DC schon versuchte meine Lyft Fahrerin mich zu überzeugen, dass es falsch sei jetzt die Statuen ehemaliger Sklavenhalter und Kriegshelden im Süden des Landes nach Jahrhunderten zu entfernen. Dass diese für einen großen Teil der Amerikanischen Bevölkerung Furcht, Demütigung, Angst und Grauen darstellen; dass gerade erst seid Obama überhaupt Menschen die Kraft und den Mut haben diese Gefühle aus zu drücken; dass sorters ein ganz Prozess eines Liberalen, demokratischen Wandels ist. All dies schien sie nicht zu kennen, nicht sehen zu wollen und nicht hören zu wollen. Wie die drei Affen des Buddhismus: Du sollst nichts Böses sagen, sehen und hören. genau die Affen, die die Japaner euch als Emoji in jedes Mobiltelefon und jedes digitale Endgerät eingebrannt haben. 🙈🙉🙊

Aber was sie wohl nicht wusste war, dass sie mich vor dem wohl wichtigsten Museums-Neubau des Kontinent seid dem sende des zweiten Weltkriegs ansetzte. Das Museum für Afro-Amerikanische Geschichte.

Es ist schwierig über das Museum selbst zu schreiben. Eingehüllt in ein braunes Metallgitter zwingt einen das Gebäude erstmal mit dem Fahrstuhl in den dunklen Keller herab zu fahren. In das Jahr 1400.

Von dort muss man sich über die Epochen langsam und mühsam wie der Weg zur Freiheit über Rampen nach Oben arbeiten. Es ist das erste mal, dass mir der Sklavenhandel und die Qualen, das Leben und die Erfolge der Sklaven aus Afrika von Geschichtsbuchtexten durch physische Objekte, Zahlen und persönliche Geschichte in die Realität katapultiert wurde. Das ist real, diese Menschen waren real, ihr Leben war real. Es ist wie ein Schock.

Die Emotionen sind stark in dem Gebäude. Trauer, Wut, Zorn, Erstaunen durch Konfrontation. Besonders stark wurden die Gefühle vor dem Sarg des getünchten Afro-Amerikaners in den 60ern, des Ermordung Rosa Parks dazu brachte sitzen zu bleiben, in dem Bus. Es ist ein Kristallisationspunkt. Auch des Aufbruchs und der Selbstermächtigung. Ich fühle diese Gefühle immer noch.

Ab dem Erdgeschoss dann wird es lebhafter. In den Obergeschossen werden Kunst, Kultur und Artefakte von Afro-amerikanischem Leben heute gezeigt. Musik ist groß. Aber Auch Poesie oder oder Sport und Film. Die Trauer vermischt sich mit Lebensfreude und einem stoischen Fortschreiten.

Die moderne Kunst von Afro-Amerikanern, die auch hier gezeigt wird, hat Obama selbst ins Weiße Haus gebraucht.

Aber es fehlt auch etwas. RuPaul, Rhianna oder Byonce, Will.I.am, Pharrell William oder Travis Noah und Dear White People waren wohl vergessen worden. Michael Jackson war nur eine Nebenrolle auf einer Wand zu den 80ern zugetan. Opera dagegen war mit großer Glassbox , Studio Ausrüstung und Abendkleid ganz prominent. Die Gegenwart der Zukunft als Symbol für die jungen Afro-Amerikaner unter 35 ist wohl noch zu diskutieren. Ich bin gespannt.

Alleine für dieses Museum müsst ihr nach Washington DC kommen. Es verändert die Welt und ist dabei leicht schüchtern und zuvorkommend. Aber es ist jetzt da. Im Herzen der Demokratie. Für immer.

Küsse und Umarmungen. 👏

Ein Kurztrip nach Singapur

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Vor einigen Wochen habe ich einen Kurztrip nach Singapur gemacht. Leider war das Wetter etwas durchmischt. Temperaturen wie im japanischen Sommer auch im Oktober sehr feucht und heiß.

Die Stadt ist sauber und modern, aber bietet leider außer glitzernde Einkaufszentren und singapurisch-chinesische Fusionküche nicht so viel Erstaubliches. Alles ist importiert. Ich habe viele Australier auf der Durchreise oder Expats von Handelsfirmen getroffen. Es gibt keine großartigen Museen oder historischen Gebäude. Die Architektur ist modern, aber nicht avantgardistisch, sondern nur teuer.IMG_3659IMG_3661Die Gesellschaft versucht sich als mittelständisch und egalitär darzustellen, es wird aber selbst bei einem Kurzbesuch klar, wie weit die Kluft zwischen Wanderarbeitern aus Indien oder Bangladesch, die in Pickup-Trucks in Kleingruppen auf den Strassen zu Baustellen transportiert werden, und den chinesischstämmigen Büroarbeitern in japanischen Designer-Hemden auseinanderdriftet.

Die Geschichte als Kolonie bleibt überall wie ein Echo kleben. Starke, oft nach Ethnie, Religion oder Herkunft gepräkte Gruppenhierarchien durchdringen den Glanz der modernen Architektur und der teuren europäischen und japanischen Marken. Die Angst in die Instabilität der Nachbarregionen durch Relgions- oder Kulturnenkonflikte zu verfallen durchzieht die Atemluft scheinbar. Die starren Regeln wirken großväterlich

Diese Dissonanz und der Fassadenschwindel, der jedem schnell klar wird, schaffen eine eher erdrückende Athmosphäre. Es ist etwas wie Fahrstuhlmusik. Erst ganz nett, dann geht es einem hypnotisch auf die Denkorgane und schließlich muss man gedrängt wie ein Fluchttier das Gerät verlassen.IMG_3663

Auf den folgenden Fotos habe ich den Blick von dem größten Hochhaus aus der überteuerten, dunkel-kitschigen Abschleppbar auf dem Dach aufgenommen. Leider etwas bewölkt. Das Publikum der Bar würde ich eher in einer Ikea-schicken Bahnhofskneipe in Frankfurt erwarten. Das Hotel mit Dach-Außenpool schien sehr spießig neureich und nicht klassisch oder modernistisch elegant zu sein.

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Diese Statue wurde einzige für touristische Zwecke von der Tourismusbehörde in den 60ern errichtet. Sie hat keine besondere historische oder künstlerische Bedeutung. Alle machen aber Selfies mit Statue und Hochhaus frei nach dem Reiseführer-Checklisten-Diktat. I-was-there als von anderen inszensierte Markenbildung.

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Bei den jungen Leuten in den Starbucks Cafes oder den britischen Gastro-Pub Ketten hatte ich das Gefühl, als wären sie lieber in San Francisco, New York, London oder Berlin. Stattdessen tun sie einfach so als wären sie.

Homosexualität ist dort gesetzlich mit Peitschenhieben zu bestrafen, wird aber angeblich nicht angewendet zur Zeit. Cheers.

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Um dann mal wieder aufatmen zu können, hier ein paar herbstliche Bilder aus einem verwilderten Teil von Tokyo. Die liberale Demokratie ist halt einfach herrlicher.

Grüße an die Marzipankartoffeln. 🌈🦄

Budapest in der Gegenwart

Ich war beruflich in Budapest. Bin bin nur ein paar mal in anderen Ecken Osteuropas gewesen bis heute. Deshalb war ich gespannt, vor allem aber auch wegen der rückwärtigen politischen Situation in Ungarn. Ich kenne ungarische Musik und Kunst aus den wilden Vorkriegsjahren und die Porno-Freizügigkeit Homosexueller nach der Wende dort. Was war geblieben?

Leider nicht viel. Budapest scheint ein art Touristenziel für eine art Machoide Münchner Schickeria Yuppie-New-semi-rich Mittel Klasse  Schicht mit Solariumhaut, Macfit-Oberarmmuskeln und anrasierten Asymetrie-Friesuren zu sein. Keine Kontroverse. Nur Hedonismus wie die 90er Loveparade, aber jetzt mit Instagram und Sagway. So meine erste oberflächliche Analyse.

Auf der anderen Seite hat Budapest auch fantastisch billige hohe Küche zu bieten und ist mit modernster Innenarchitektur und Stil bei dem zeitgenössischen Asia-Europe-California Fusion Food und der Melbourne-Sweden New Wave Coffee Bewegung vorne dabei. Das schwule Künstlerpärchen aus UK, Gilbert und George, hatten zur Zeit eine Ausstellung im Ludwig Museum (ich konnte sie leider nicht sehen) und alle Welt schaute auf die Retina-Bildschirme, um der Schwimmweltmeisterschaft und vor allem einen weiteren offen homosexuellen Briten, Tom Delay, beim Weltmeister werden zu zusehen.

Die Leute waren freundlich, sprachen oft Englisch, manchmal natürlich Deutsch. Österreich scheint überall die Finger im Spiel zu haben und die 90Jahre Bauelemente an den renovierten Altbauten oder die neugebauten Wohnungen aus der selben Zeit sind vollkommen im selben Stil wie die deutschen Ärztezentren oderVorort- Neubausiedlungen nach der Wende überall in deutschen Städten. Auch deutsche Supermarktketten, Drogerien und Konsumartikel überall.

Ich hatte Glück, denn einer meiner Mitreisenden war schon direkt nach der Wende in Budapest gewesen und hatte sogar die alten Fotos extra auf das iPhone geladen. Da wo früher ein sowjetischer roter Stern prangerte ist heute ein eher langweilig vernachlässigtes Rondell. Die Fassaden  sind alle hervorragend renoviert. Und man sieht nicht mehr die Einheitsautos des Ostblocks, sondern natürlich Skodas und Toyotas dazu Leute in Zara und Luise Vuitton.

Auch die Barszene mit touristischen Wanna-be Anarcho-Bars in alten abgefuckten Lokalitäten ist wie aus Berlin teleportiert, mit samt den Bar-Crawling Tourigruppen. Nur der SM-Techno mit tätowierten Druffie-Typen war für mich nicht zu finden. Dafür super Weine an den Theken.

Ich war auch in einem der touristisch besonders wichtigen barocken Bädern. Verglichen mit Japan war das Wasser lauwarm langweilig und nur der Eingang und der mit Badekappe beschwimmbare Außenpool in toller Architektur wirklich beeindrucken. Zu teuer für den Spaß dafür mit internationalen Schwimmteams beim Entspannen im Blubberwasser.

Und hier die Galerie zum durchklicken 📸:

Ich hatte das Gefühl, dass Budapest dringend Westeuropa sein möchte, dabei aber vergessen hat, warum sich Europa  „Einheit durch Vielfalt“ nennt. Schön war es, aber ich fand Prag und Tallinn interessanter. Warschau und Krakau muss ich noch. Wien ist ja sowieso gerade Most Livable City Nr 2 (Tokyo ist Nr. 1 natürlich 😜). Was sagt ihr?

Reisen bildet. ✈️ Bleibt vielfältig. 🇪🇺

Angepasstes Gründer-Marketing der TUM

Meine alte Universität, die sich immer gerne selber Alma Mater nennt, verfolgt mich auch bis nach Japan noch stoisch weiter. Denn sie will Geld. Sie denken, dass sie das neue Stanford seien können. Wenn ihr diesen Seiten lange gelesen habt, wisst ihr, dass es keine Rosamunde Pilcher Love-Story zwischen mir und meiner Uni war.

Heute habe ich gerade mal wieder deren Magazin für Alumni in einem aufwändig gestalteten Hochglanzformat „KontaktTUM“ erhalten. Und es ist natürlich furchtbar. Einmal durchgeblättert sieht man schon wie innovative Zukunft auszusehen hat. In genau zwei Klassifikationen: Ältliche graue Herren mit Anzug und Krawatte, leicht dicklich mit furchtbaren 80er Bärten. Und Nummer Zwei: junge, dynamische, weiße, Männer ohne Bärte im Sacko oder Anzug oder blauem Hemd und Kakihose, anfang/mitte Dreißig.

Es gibt kaum Frauen auf den Fotos, oder Leute die irgendwie anders aussehen durch ihre Hautfarbe, Klamotten-Stile oder Anmutung als diese beiden Typen oben. Die TUM hat nicht nur 5% Frauen und auch nicht nur 0% ausländische Studenten, geschweige denn andere Gruppen. Wieso werden diese hier überhaupt nicht gezeigt? In Kalifornien wäre das -zumindest in den Broschüren- unmöglich.

Sie scheinen nicht in das Bild der männlichen jung-dynamischen aber FDP-Parteilinie treuen TUM zu gehören. Und dieses ist eine staatlich finanzierte Universität, für deren Existenz zum größten Anteil alle Menschen mit ihren Steuern zahlen. Dem Finanzamt hingegen, wie ihr wisst, ist euer Klamotten-Stil, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung usw. natürlich scheiß egal. Für alle gilt: Höchststeuersatz, Kinders.

Alle Jung-Dynamiker derweilen, so scheint es, gründen aus. Denn die TUM scheint nichts anderes produzieren zu wollen als Ausgründungen. Keine sozialen, wissenschaftlichen oder persönlichen Entwicklungen ihrer finanzierenden Gesellschaft, der sie finanzierenden Individuen oder der sie rechtfertigenden Wissenschaft scheinen wichtig genug zu sein, wenn man ausgründen kann.

Foto KontaktTUM
Foto KontaktTUM

Und auf dem Foto seht ihr es (wenn auch schlecht umgesetzt). Seit (ich nehme es an, denn es ist nicht richtig wissenschaftlich angegeben, ups) 1990 scheinen diese ganzen 800 Ausgründungen nur 16.623 Arbeitsplätze geschaffen zu haben (Schlecker hatte mal mehr als doppelt so viele Angestellte). Taschenrechner: 20 Leute Pro Firma, über 27 Jahre Zeitspanne.

Und so eine Ausgründung basiert auf Fördergeldern vom Staat. Staatliche Forschungsfördergelder für die Projekte in denen die Erfindungen (Patente) entstehen, besondere Fördergelder für die Produktreifung des Patents in der Hochschule und Ausgründungsförderungen bei Gründung und weit danach. Davon kann man ja mal 20 Leute eine Weile halten. Über Gewinne, Börsengänge, Schließungen, Aufkäufe, Arbeitsbedingungen oder das durchschnittliche Gehalt der Angestellten wird hier nicht gesprochen. Auch die Art der Firmen werden nicht erwähnt (kleine Consultings, Architekturbüros, Sportstudios, Einzelhandelsläden, Selbstständige mit Sekretärin usw. sind nach manchen Studienrichtungen sehr weit verbreitet).

Aus meiner Sicht ist natürlich eine staatliche Förderung solcher forschungs-intensiven Projekte sinnvoll. Sie fördert die Wirtschaft, schafft Arbeitsplätze, erzeugt passende Fachkräfte und Know-How, hält das Land wettbewerbsfähig und bringt Studenten und Doktoranden schnell an Herausforderungen des Markts oder eines Unternehmens. Ich habe selber ja schließlich für Fraunhofer gearbeitet, deren Hauptaufgabe diese Art der Innovations-Subvention ist. Es scheint nur hier sehr dubios von der TUM als ein alternativloses Hurra-Marketing verdreht zu werden. „Ausgründung oder Scheiße“.

Das Ziel der Alumni Kampagnen der TUM ist, wie sie es selber auch darstellt, Spendengelder einzusammeln. Ein leerer Überweisungsträger ist schließlich auch das einzige, was die TUM einem neben dem Zeugnis nach der Graduation überreicht. Sie zeigt aber nur wie junge, weiße, Ralf Lauren Model Männer mit manchmal etwas nebulösen Ideen Geld machen können.

Wo ist denn da die Story? Für wen sollte ich denn da Geld spenden? Warum braucht die TUM dann überhaupt noch Geld? Was macht die breite Mittelschicht nach der Ausbildung? Wo sind die coolen, innovativen Festanstellungen? Wie aufsteigen trotz unterbezahlter, befristeter Leiharbeit oder Praktikanten-Startup Jobs? Und wo sollte meine lesbische Tochter mit Migrationshintergrund (fiktiv) Maschinelles Lernen studieren?

So und jetzt zurück zur Bay Area (Silicon Valley): An der UC Berkeley demonstrieren zur Zeit sehr laut viele Menschen gegen Hass und für Inklusion und Toleranz. Auch in Berkeley entstand das Free Speech Movement, In San Francisco war lange der Kern der sexuellen Minderheiten aktiv und Oakland war die Keimzelle für Proteste von Schwarzen. Asiaten schmeißen heute viele wichtige Forschungslabors in Stanford und eine heiße Feminismusdebatte und Anti-Klüngel-Diskussion ist im Gange in San Jose. In München zur selben Zeit: O’zapft is.

Wenn Sie Innovation wollen brauchen Sie auch die Kontroverse. Und Sie brauchen die Vielfalt. Peace out.

Dear White People on Netflix

Dear White People Logo
Dear White People Logo

Es ist Golden Week in Japan, eine Aufreihung von Brückentagen und Feiertagen, in der das halbe Land die Fluglinien überbucht, die Pariser Innenstadt überflutet oder Hawaiianische Strände voll stellt. Perfekt also um zu hause in Tokyo zu bleiben und ab zu hipstern.

Netflix hat heute (oder gestern) die neue Serie „Dear White People“ veröffentlicht und ich habe sie also prompt gleich durchgeschaut. Umwerfende Schauspieler, schlagkräftiger Humor, treffender Zeitgeist und vor allem Rassismus und Intoleranz gegenüber Minderheiten (plus ein sagenhaftes Apple Product Placement).

Wie ein guter Freund von mir mal gesagt hat: Wir sind immer alle Rassisten, jederzeit. Wir müssen uns das nur bewusst werden. Dann können wir es überwinden.

Schaut die Serie an (auch wenn es wärmer draußen wird)! Bye, babes

PS: Um von diesem heißen Thema total zusammenhangslos abzulenken (und wegen eines ironischen Apple Product Placements) hier noch ein paar iPhone Fotos aus Tokyo:

Eiskaffe, es wird Sommer
Eiskaffee, es wird Sommer
Tsukemen, Ramen Dekonstruiert
Tsukemen, Ramen Dekonstruiert
Mini Käffchen
Mini Käffchen
Blick auf Akihabara bei Nacht
Blick auf Akihabara bei Nacht
Katerfrühstück mit Fisch
Katerfrühstück mit Fisch
Panorama von Allpress Coffee
Panorama von Allpress Coffee