Entspannt euch mit den Intoleranzen!🏖🍸

Hey, heute keine Food Fotos von rohem Fisch. Aber dafür Videos über Essen. Von Quarks&Co im WDR. Guckt hier:

📺Gesund ernähren – geht das?

Darin erklärt Ranga, wie das Internet Essen zu einer Religion macht, wie gesundes Essen krank macht oder befragt Leute nach ihrem Kaufverhalten.

Das Beste ist der letzte Teil, in dem sie auf der Basis von allen möglichen wissenschaftlichen Arbeiten oder eben nicht beweisbaren Unsinn zusammengefasst haben, was man jetzt rund ums Essen machen soll/kann/darf:

😎Fünf gute Gründe, um beim Essen entspannt zu bleiben

Also mehr Entspannung beim Essen und vor allem mehr Genuss.

Peace, out.✌️

Von Landschaftsgärten ohne Rente

Da sich meine Groupies beschwert haben, dass ich hier schon lange nicht mehr den Impulserhaltungssatz an meiner Tastatur überprüft habe, schreibe ich heute über das erholende Nichtstun.

Es geht um Parks. Japanische Landschaftsgärten natürlich. Wer jetzt etwa aufmuckend vor sich hin brabbelt, dass so etwas ja nur Rentner und Romantiker-Touristen ans Kassenhäuschen lockt, dem muss ich gleich vor warnen:

Ich habe mein offizielles Ojii-san (Alter Typ, Opi) Zertifikat vor einer Woche vom Stadtteilrathaus abgeholt und darf mich jetzt ungehindert der ewig gestrigen „Alles war besser“ Methode hingeben, dabei gemahlenen Tee trinken und eben mit den anderen alten Opis in Landschaftsgärten den Foto-Chip meines iPhones zur Siedetemperatur treiben.

Kleiner Scherz.

Ich war in drei Parks hier in Tokyo, die alle von der Stadt verwaltet werden. Sie kosten alle Eintritt – ja liebe romantisierenden Sozialisten, Japan ist eine liberale… ich wiederhole… l-i-b-e-r-a-l-e Marktwirtschaft mit einem Einzelperson-Steuersatz von 22%. Da kosten dann Landschaftsgärten zwischen 2,80 Euro bis 1,20 Euro. Dafür sind alle Hecken perfekt gestutzt, jede MIkro-Jahreszeit ändert die Perspektive, die Klos sind nicht der Darkroom Ersatz für abgelehnte Berghaintouristen und es gibt sogar echte Tiere. Also Bio und so.

Der Erste Park ist der Rikugien Garten. Er liegt im Nord Osten der Stadt und ist um einen See herum angelegt. Über den kleinen Hügel kann man den ganzen Park bei einer leichten Brise gut erfassen.

Gemahlenen grünen Tee (Matcha) a la Teezeremonie kann man für 4,80Euro mit einer kleinen Süßigkeit aus Azuki-Bohnen am Rand des Sees zu sich nehmen. Perfekt, um den anderen Rentnergruppen dabei zu zuhören, dass jetzt Krankenversicherungen für Katzen der neuste Schrei bei über 65jährigen sind.

Hier die Fotos:

Der zweite Park ist der berühmte Hama-rikyu Garten aus der Top 8 Liste deines Grabbeltisch Lonely Planet Reiseführer. Er wurde von einer der Fürsten der Tokugawa Familie gebaut und liegt mit Wassergraben umgeben direkt an der Tokyoter Bucht. Von hier aus kann man die Fähre zu all den anderen wichtigen Sights auf der Geheimtip Besten Liste deines Prenzlauer-Berg Uppermiddleclass-Normaden Reiseblog von Angelika nehmen und so richtig Japan erleben.

Das taten auch alle Touristen in dem Park. So richtig Japaner sein, ähm spielen. Selfisticks sind zwar langsam nur noch bei den ganz billigen Pauschaltouristen anzufinden, aber anmutig und folkloristisch in der Tracht der lokalen Bevölkerung durch die Gassen zu stolzieren ist auch bei den höher preisigen Design-Hostel Touristen mit dem Komplettoutfit nicht passender Signalfarben der aktuellen Wolfskin Sommerkollektion in Hit.

Er im grauen, musterlosen billig Kimono (im Sommer! IM SOMMER!!!!, Ok, es gibt natürlich auch Sommer Kimonos) mit knall gelbem Obi-Gürtel, denn wer keinen Geschmack hat, hat Signalfarbe. Und sie im zart Blütenfarben-Pastell-Kimono (im Sommer! IM SOMMER!!!!) mit nur einem Hauch von Muster, keiner echten Seide und einem farblich verblassend langweiligen Obi-Gürtel und drei Tonnen Spiegelreflexobjektiv. Und Selfistick.

Wenn Karl Lagerfeld nicht noch durch Ananasstücken und Arte-Reportagen am Leben gehalten würde, hätte er spätestens jetzt die Lambskin-Leather Zombi Apokalypse eingeläutet. Für alle die es noch nicht bei Siri nachgefragt haben: Im Sommer (Meistens zum Feuerwerk oder zu Festen) trägt man Yukata aus Baumwolle mit Print. Der Obi des Mannes muss schlicht sein und der Kimono plus Obi der Frau muss total dekadent sein. So als Kurzfassung. Main Point: Teure Stoffe.

Aber wenigstens hatten sie Spass in ihrer Folklore. So richtig echt. Total authentisch. Ich glaube die drei Tonnen Plastik des Disney Schlosses in Florida sind nicht echter. Und mit Neoklassizismus habe ich eine Familiengeschichte.

Matcha gab es auch dort. Der Park ist nicht zu empfehlen, weil die anderen so viel besser und einfacher zu erreichen sind. Hier die Fotos:

Der dritte und vorerst letzte Park ist der Koishikawa Korakuen Garten. Er liegt im Osten der Stadt in einem Kaffee Zentrum mit vielen Kanälen und einem Moderne Kunst Museum.

Dieser Park gefiel mir am Besten. Denn er war kleiner, hatte natürlich keine Touristen, war landschaftlich am aufwändigsten gestaltet mit kleinen Objekten und hatte vor allem Tiere. Koi-Kapfen, Schildkröten, und kleine Kraniche. Total süß und hübsch.

Der Park ist auch um einen See herum angelegt. Und der Besucher wird über die Route auf großen Steinen im Wasser zum Abenteuer Jump and Run aufgefordert. Auch gab es hier die meisten schattigen Bänke zum beobachten der Tiere, die alle Beteiligten herrlich amüsierten. Ich glaube ich bin bereit für die Rente.

Dieser Park hat kein Teehaus, leider. Dafür gibt es um die Ecke zwei sehr gute Kaffeeröstereien: Blue Bottle und Allpress mit weiterhin Trendfaktor.

Hier die Fotos:

IMG_2990 Klickt auf die länglichen Panorama Fotos, um sie in voller Größe zu laden und besser den Panorama Eindruck zu bekommen.

Hoffentlich haben diese ganzen fantastischen Hochkultur Fotodateien euer Lidl-Mobil Datenvolumen vor Monatsende nicht absaufen lassen und ihr müsst jetzt auf die HD Hastag-No-Filter Selfies bei Tinder verzichten. Ist eh romantischer ohne Foto.

Bildung bildet. Mata, ne.

 

Punkte in Bunt

Pumpkin in the Backyard
Pumpkin in the Backyard
More Flowers in Dots
More Flowers in Dots
Flowers in Colors
Flowers in Colors
Colorful Walls
Colorful Walls
Everyone is dotting
Everyone is dotting
Dot as you like
Dot as you like

Vor einigen Wochen war das Wetter schön und ich wollte bei den Drogen sparen. Also bin ich zur Ausstellung von Yayoi Kusama im National Art Center gegangen. Die schon total über bekannte Damen war in den 60ern, wie es sich für alte Pop-Art Künstler gehört, in der Factory mit Andy Warhol. Sie macht Hauptberuflich bunte Punkte. Auf alles und aus allem.

Damit jeder an dem Spaß teilhaben kann, ließ man das Publikum sogar selber Punkte in einem weißen Ikea Showroom wild verkleben. Und alle so: Kinderkrippe auf drei Liter Cola.

Die aus einer Psychatrie arbeitende Dame hat sich sogar zu einem genialen (leider nur auf Japanisch) Audioguide hinreißen lassen. Dort erklärt sie wie Kindheitserinnerungen und ihre Amerika Erfahrungen die Werke beeinflusst haben. Sie singt mehrere Kinderlieder passend zu den Werken.

Leider durfte man nur in der großen Halle Fotos machen. So müsst ihr per Direktflug leider selber die punktierte Sofakollektion, den widerspiegelten Raum mit kleinen LED Hänge-Punkten oder die wilden Spiegeltricks mit Leiter oder die mit Wurmformen besetzten Alltagsgegenstände sehen.

Nur der Kürbis, ihr berühmtester Klassiker, im völlig zu betonierten Hinterhof des moderne geschwungenen Glasbau-Museums war noch fotografierbar. Betreten durfte man ihn nicht („ups!“) und Bewegtbilder durfte man auch nicht machen („huch!“). Aber ihr bekommt eine Idee.

Ihre Punkte sind seit einigen Jahren in und gerade sah man viele Sweater in Punktmuster auf den Straßen Tokyos.

Bringt mehr Farbe in euer Leben! dot dot dot…

Sonntag, Kater, Fotos

Hey Internet, es wird Frühling in Tokyo. Ich habe einen Kater und dachte, da kann ich ja mal eine Reihe von unzusammenhängenden Fotos posten.

Ich war vor einer Woche in Busan in Südkorea und es war dort schön mit Beach, etwas Ballermann mit billigen Kneipen. Im Sommer sieht man den Sand vor Leuten nicht. Korea ist ähnlich wie Japan für mich. Nur die mode ist gerade noch (oder wieder) Health Goth. Also viele schwarze und weite Sportklamotten für viel Geld. In Tokyo ist das nicht so einheitlich. Sonst gab es viel Fleisch. Kaum scharf (meine Angst) und ganz gutes Bier.

Der Rest sind wilde Eindrücke aus Tokyo von Essen und Leuten und Parties.

Ich komme Ende März nach Norddeutschland, Hannover, Berlin und Hamburg. Freue mich schon auf euch.

Jetzt erst mal wieder auf der minimalistischen Muji Couch ablegen.

Bleibt den funktionalen Design treu. Pffff….

Slow Jet Coffee Hangover Frenzy (Gold)
Slow Jet Coffee Hangover Frenzy (Gold)
Tokyo Saturday Night like RuPaul
Tokyo Saturday Night like RuPaul
Kitty Faces Wall
Kitty Faces Wall
A not so Simple Dinner
A not so Simple Dinner
Crazy Fashion Victims
Crazy Fashion Victims
Shimokita Scene with Bike
Shimokita Scene with Bike
Beef Ramen for Hangovers
Beef Ramen for Hangovers
Gillter and Techno
Gillter and Techno
First Thing after Immigration. Green Tea!
First Thing after Immigration. Green Tea!
Busan, South Korea, All New
Busan, South Korea, All New
Eal, Long Story
Eal, Long Story
Need Meat? Do Korea!
Need Meat? Do Korea!
Beach Busan
Beach Busan
Portable Karaoke Granny
Portable Karaoke Granny
Busan Beach Wide Angle
Busan Beach Wide Angle
Busan Street and Sun
Busan Street and Sun
The Nicest Sales Person Ever
The Nicest Sales Person Ever
Flowers: Spring is Coming
Flowers: Spring is Coming
Old Cassette Tapes are Expensive
Old Cassette Tapes are Expensive
Golden Symbolism
Golden Symbolism

Hokusai im Arbeiterviertel

Nicht nur in Hamburg hat man neue kulturelle Wege eingeschlagen, auch im Arbeiterstadtteil Tokyo Sumida-ku, im Osten der Stadt, besinnt man sich auf einen alten Künstler aus dem Anfang der Öffnungszeit Japans. Hokusai.

Er inspirierte die großen französischen Maler wie Picasso und seine Ansichten des Fuji, vor allem die berühmte Welle, sind heute der Inbegriff touristischer Kitschprodukte und spießiger Ikea-Poster. Aber irgendwie hat man das erst in den letzten Jahren erkannt und Investiert, um noch mehr Touristen in die „Shitamachi“ (Downtown) Gegend, wie man im Rest der Stadt etwas herablassend gerne sagt, zu verführen. Hier wo jetzt auch der riesige Skytree Fernsehturm in die Höhe ragt und in Asakusa alles was von Tempel bis Porzelan oder Yukatta-Bademantelverschnitt und Washi-Pack-Papier die Touristen begeistert.

Hoksai Museum Fenster Aufnahme
Hoksai Museum Fenster Aufnahme

Das Museum wurde von den beiden alten Leuten des berühmten japanischen Sanaa Duos kreiert. Die Taktik der großen Namen ist hier der Rote Faden. Sie haben ein Aluminiumkasten mit Einschnitten in Form eines N geschaffen. Macbook Look für Holzdruck Kunst. Klar verständlich für jeden Hipster.

Neujahrsessen und alles hat einen Bedeutung
Neujahrsessen und alles hat einen Bedeutung

Ich war zwei Wochen nach der Eröffnung dort und, obwohl die Stadt dank der Neujahrsfeiereien eigentlich leer war oder höchstens etwas verblendete westliche Touristen für ein nicht-vorhandenes Neujahrs-Party-Spektakel-Wunder – Mallorca für Yuppies mit Minimal-Techno – die Stadt belagern, war das Museum pressgepackt mit japanischen Intellektuellen und Rentern.

Blöd nur, dass die Architekten lieber riesige Baulücken um das Gebäude mit Kinderspielplatz ließen, um wohl dem Zen freien Fluss zu lassen. So ist selbst an der Kasse und zum Fahrstuhl ein Chaos der raumzeitlichen gekrümmten Menschenschlagen angesagt. Es gibt keine Treppe vom Foyer zu den Austellungsräumen. Hoffentlich eine Feuertreppe irgendwo versteckt.

Da im Moment noch keine der großen Reiseführer Ketten der pseudo authentisch, selbst geplanten Pauschaltouristik sich die Tinte für diesen Eintrag gegeben hatte, oder die Onlineredaktionen der Welt-Hipster-Bewegung gerade mit Bio-Gin besoffen unterm selbst gefällten Weihnachtsbaum abnickten, waren kaum Ausländer an zu treffen. Besser war es für alle beteilige, denn irgendwie hörte nach der Hälfte der Bilder  die englische Beschilderung auf und das Personal hätte wohl lieber in Klingonisch als mit Englisch die Reisenden beglücken können.

Die Bilder sind atemberaubend. So filigran, so unglaubliche Muster und Perspektiven, so genial gefaltete Kleider, so unglaubliche Natureindrücke. Der Stadtteil erwirbt weiterhin Bilder, da Hokusai hier arbeitete und geboren wurde, und mischt auch andere Künstler der Zeit mit ein. Zur Zeit waren Leihgaben aus der umfassenden Sammlung Hoksais in Boston dort. Für mich ist das Museum Nummer drei in Tokyo. Nezu, Edo und dann Hokusai. Alles andere nur, wenn man wirklich viel Zeit hat. Aber für jeden Bildungsbürger wohl ab jetzt ein Muss in Ost-Asien

Aber wie ich die Japaner kenne, werden sie sich schnell anpassen und wenn die Begeisterung der Europäer und Amerikaner für Hokusai das Museum überspühlt, wird sich wohl auch eine Übersetzung finden lassen. Das Platzproblem bleibt. Vielleicht spart man sich dann den obligatorisch-authentische U-Bahn Rush-Hour Selfie-Trip. Hochkultur sei dank.

Der Zeichner zur Musik
Der Zeichner zur Musik
Das Endkunstwerk im Fluss
Das Endkunstwerk im Fluss

Apopo, hier zwei Bilder von dem zufälligen Konzert mit Performance, das dort auch gerade stattfand. Japanische Gitarren plus Gesang plus Action-Painting-Kalleografie plus Hokusai-Yoga-Abstrakt-Tanz.

Mal sehen, ob eure Software das abspielen kann.

Mehr absurde Kulturmischungen bitte auch für euch. Hoppladihü.

Und Sushibar.

Sushibar
Sushibar

Neue Sicht dank Neuronalem Lernen

Mit frisch geformter Hipster Brille sitze ich gerade vor meinem futuristischen Aluminium Laptop und genieße die unglaubliche Tiefenschärfe des Neuen Sehens durch japanische High-Tech Plastikscheiben. Ich habe kein neues Macbook mit CristalFutureClear Bildschirm Technology oder eine neue 3D Brille mit Vibrationsalarm, auch keine Guru Wunderheilung in Goa. Sondern die gute traditionelle Lehrbuch Medizin nach Wissenschaftlichen Standards (mit Fakten und so).

New Glasses and Flowers
New Glasses and Flowers

Ich hatte zwei OPs wegen einer unglaublich unpraktischen Netzhautablösung. Komplizierte Verfahren in japanischer Raumschiffklinik. Neuste Technik. Ihr kennt das ja.

Und auf einmal kann ich schärfer sehen als vorher. Beim Sehtest waren es bis gerade so 80 Prozent, und das ohne Gin. Wer mich kennt, weiß dass ich vor den OPs bei gutem Wetter, gut Gelaunt und frisch genährt gerade so auf 40 Prozent Sehfähigkeit im Vergleich eines durchschnittlichen Menschen gekommen bin. Führerschein-Erlaubnis denkbar.

Jetzt Doppelt so viel. Auf dem unoperierten Auge bis zu 70%. Einfach so. The Brain makes it Possible. Neuronale Rekombination, Kurz visuelles Lernen. Mein Gehirn ist also ein BigData Senior Delevoper mit Special Neural Learning Skills und Adaptiv Image Processing Zusatzausbildung und kick Google und alle einfach mal automatisch aus dem Artificial Intelligence Rennen. Herrlich.

Dafür muss ich jetzt zwei Hipster Brillen dabei haben. Eine für Nahes (aka Digital Nativ Stuff) und eine für Fernes (Walking, Drinking Gin). Denn meine linke Linse, die echte im Auge, wurde mir komplett entfernt. und auch mein Glaskörper (nicht meine Modelfigur natürlich). Wegen Grauschleier. Jetzt habe ich dadurch ein besseres Nachtsehen, bessere Farben-Knalligkeit und bessere Kontrasttiefe. Wie der neue Smart TV von Samsung nur in 3D und hip.

Etwas komisch ist das alles noch. Meine Schrift im iPhone habe ich erst mal auf die Hälfte verkleinert. Display Real-Estate sichern. Und mein Gehirn developt noch eifrig vor sich hin. Damit mein Redefluss dadurch nicht merklich gestört wird, werde ich in der Übergangszeit nur in Hauptsätzen postfaktische Behauptungen aus tratschen. Ich bestell dann schon mal Selfisticks, falls ich so auch noch Social Media Star werde.

Frohe Weihnachten und frohes Neues Jahr.

Kommt mich besuchen, denn hier sieht es bei gutem Wetter es so aus:

Tokyo Skyline
Tokyo Skyline

Tokyo, babe!

Routineuntersuchung im Anime Spaceship Style

Erstmal unzusammenhängende Fotos aus Japan als Klick-Beute:

Der Sommer ist da. Heiß. Und pünktlich zu den Hitzewellen ist bei uns in der Firma Pflichttermin: Medizinische Routineuntersuchung – jährlich.

Die generelle Idee finde ich super. So kann man sich sicher sein, egal was für absurde Krankheiten man hat, wenigstens einmal im Jahr könnten sie irgendjemandem auffallen. Mein spanischer Kollege hat mir auch bestätigt, dass man das in Spanien auch so hält.

In Deutschland war ich jeweils nur bei der Einstellung einmal beim Firmenarzt. Und der hat mich mehr oder weniger nur angestrengt gefragt, ob ich noch lebe und mir daraufhin sein unterschriebenes Formular gegen die Stirn geklatscht.

In Japan ist das natürlich viel geiler. Das „Gesundheitszentrum“ ist ganz neu. Alles in seichten skandinavischen Holztönen. Beruhigende klassische Musik im Hintergrund. Frauen in einer schwarzen Stewardessen Uniform begleiten einen als „Guidance“. Jede Technik total modern. Wie in einem futuristischen Raumfahrt-Anime. Und alle sind höflicher als im Vierjahreszeiten bei Filmpremiere.

Als erstes registriert man sich und dann durfte ich mich umziehen. Ich muss ja schließlich auch so eine spacige Uniform bekommen, damit ich am Set nicht auffalle. Also in die RFID automatisierte Umkleide. Im Schrank 42 (obviously) liegen schon ein Overall und eine Jogginghose zusammen mit Stoffsandalen bereit. Hemd und Hose aus und rein in das Graue Schmuckstück mit blauem Streifen über die Schulter und dunkelblauen Armen für Männer und grau-rosa Armen für Frauen (Gendering for Hyperspeed please).

Darin sieht fast jeder Bierbauch wie Captain Kirk persönlich aus auch ohne Wasser-Blumenkohl-Diät. Also weiter. Zur ersten Stewardess an ihrem kleine Computer Pult mit perfekt sitzender Frisur und Uniform. Sie scannt meine Karte – und die enthält tatsächlich auch eine Gebäudekarte als Aufdruck für meine Orientierung.

„Sehr geehrter Herr *Zensurstreifen* bitte nehmen Sie hier vorne Platz im Bereich eins. Sie werden mit der Nummer 17 aufgerufen.“ Ich sitze und lausche beruhigender Klassik.

Das ist auch bitter nötig, denn die eifrigen Mediziner hinter den designten Türen hatten mir nämlich vorab verboten weder morgens nach dem Aufstehen bis jetzt die kleinste Menge Wasser zu trinken, noch irgendwas zu essen. Ich war schon im zweiten Zyklus kurz vor Kreislaufkollaps und Bewusstlosigkeit und es war gerade mal kurz nach neun. Seichte Klaviermusik kann da helfen.

Auch der Fakt, dass sie mir schon vorab einen lange Liste an Fragen schicken (auf Japanisch) mit konkreten komplizierten Symptom- und Lebensstil-Abfragen, war wohl nur zu meinem Besten und half dem Ablauf erstaunlich. Aber viel schlimmer war die kleine blaue Plastiktüte, die mitgeliefert wurde. Piss-Test.

Frei nach Origami hatte man eine sehr kleine mit Plastik beschichtete Papier-Faltbox und ein raketenförmigen Plastikzylinder mitgeschickt. „Das Erste, was Sie am morgen tun, ist ihre Pisse in den Zylinder bringen“. Nur fehlte nach der Faltanleitung für die Box jeder weitere Schritt des Prozesses auf dem Papier.

Also sollte ich wohl die Box bauen (halbschlafend, morgens nach dem Weckerton) und diese unter meinem Penis festhalten, während ich auf meinem Klo sitzend möglichst die Box gut balanciert in sie rein pinkele – nicht zu viel – und nichts auf meine Finger oder irgendwo sonst hin verspritze. Macht das mal um 8 Uhr morgens. Ich hätte wohl auf den Fetisch Parties mehr aufpassen sollen.

Ok. Also hatte ich dann eine kleine Box voll mit gelber Pisse und einen kleinen Zylinder mit Plastikkorken. Und jetzt? Albtraum. Das hat sich kein Ingenieur ausgedacht und Usability ist mindestens eine Galaxie entfernt.

Ich sage euch nur, es hat am Ende geklappt. und ich konnte die kleine Rakete in der blauen Plastiktüte versiegeln und mich aufs Fahrrad schwingen, um bei 28 Grad nicht genährt und dehydriert über Hügel zu dem Zentrum zu rasen.

Nach meiner ersten Station dort ging es ein Stockwerk höher. Und dieses Stockwerk war wirklich wie bei Asterix und Obelix in diesem herrlichen römischen Amt. Ich wurde über mehr als eine Stunde hinweg von einer Station zur nächsten geschickt. „Hörtest, Raum 16, warten Sie bitte davor, Sie werden ausgerufen.“ „Elektro-Cardiographie, Raum 8.“ „Sehtest. Raum 12. Warten Sie drinnen.“

„Wie, sie können keine Kreise mit Loch in der Maschine mit Brille erkennen? Machen Sie den Zyklus nochmal.“ „Ich sehe wirklich schlecht.“ „Nochmal bitte“ „puh“ „Ja, Sie sehen wirklich schlecht. Erstaunlich. Das nächste wäre dann Raum 6.“

Und überall um mich herum auf dem Flur, wo alle diese chaotisch angeordneten Räume abgingen, Leute in der gleichen schneidigen, futuristischen Uniform – Patienten, viele Rentner, die lachend über die gleichen Testergebnisse plauderten, oder Hausfrauen, die gelangweilt in einer Klatschzeitung lasen – alle gleich. Anime-Feeling.

Alle Ärzte und Krankenschwestern (ja es waren nur Frauen) waren sehr höflich und äußerst geduldig, wenn ich zu blöd war den richtigen Knopf an irgendeiner Maschine zu drücken oder mein Gehirn wegen Unterernährung die Kurzzeitfunktion deaktiviert hatte und ich mir noch nicht mal die nächste Raumnummer merken konnte.

Die Technik war auch super. Trotz der chaotischen Raumfolge hatte ich immer das Gefühl, dass die Stewardess-Operator-Guidance Frauen alles völlig im Griff hatten und jeder zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Kaum Wartezeiten. Jeder Arzt oder jeder Schwester hatten genau eine sehr spezifische Testaufgabe, die meistens nur wenige Minuten dauerte.

Factory with a Charm, denn es war überhaupt nicht unpersönlich oder abfertigend. Durch die Höflichkeit und den guten Service, hatte ich eher den Eindruck, man wolle mir möglichst einen reibungslosen, schnellen und angenehmen Aufenthalten gewähren. Das LAGESO Berlin ist dagegen die Abgründigkeit der Hölle würde ich mal wetten.

Meine ersten Testergebnisse waren natürlich gut – jeden Tag grünen Tee und viel Fisch. Der Rest kommt per Post.

Völlig ohnmächtig konnte ich mich danach in den nächsten klimatisierten Convenient Store retten und sofort eine Flasche Wasser, eine kleine Tüte Milch und drei Sandwiches desintegrieren. Ich war froh, dass ich nicht über 40 bin, denn dann hätte ich ein Magenentleerungsmittel schlucken müssen und per Endoskop nach Tumoren im Verdauungstrackt abgesucht werden müssen. Glück.

Hej, Deutschland, du alterst genauso schnell wie die Japaner (nur nicht ganz so lange erst) und deshalb solltest du auch auch dieses Pflichtprogramm einführen. Denn Profilaxe ist viel billiger als Endstadium-Therapie und kann echt Leben retten, besonders bei Alterungs- und Kulturkrankheiten (Diabetis, Schlaganfall, Krebs).

Und die Abschlussformel: Mehr geiler Stil auch im Gesundheitssystem.

Grüße aus der Zukunft. Wusch-Zisch.