Wabi-Sabi-ism, the essence of Minimalism

Japan has this very distinct term called Wabi-Sabi or 侘び寂び, which does not easily translate into German or English. 

Jisho.org defines it as follows: 

aesthetic sense in Japanese art emphasising quiet simplicity and subdued refinement​

Simplicity and refinement. Sounds familiar? Maybe it is. I, for one, have blogged about it’s marks on Japan and the world countless times. It can be in garden design, food preperations, architecture, tea bowls, modern furniture or even digital gadgets. 

First though I recommemd you to understand the historical development of the term. As outlined very well by the blog Tofugu, Wabi-Sabi was distilled by the higher classes in Japan especially during the Edo times of nearly full national isolationism. And it evolved to becoming the go-to adjective when describing most tourist attractions in Japan. 

At the end of the text the author cites a professor from the University of London:

[It is] very close to minimalism nowadays, but it’s minimalism with a conscious choice.

And that should sound familiar. Ever heard of Bauhaus? Or Form Follows Function? Functional simplicity through refinement and design improvements? Or even simple sustainable design?

The british Designer Jasper Morrison brought this point to me in an interview he had with the NZZ this spring. 

He is one of the big names behind Muji’s great array of houshold goods. And Muji is the perfect example of modern Wabi-Sabi or as you might think Bauhaus Design. 

Morrison calls objects that follow such a design „supernormal“ and discribes their simplicity like this:

 […] Dinge, die supernormal sind, sind nicht einfach nur alltäglich und gut, sondern bleiben über eine lange Zeit funktional und richtig. 

[…] Things that are supernormal are not just commonplace and good, but they remain functional and right for a long time. 

My entrie flat is furnished with them. Simple, great materials, completely functional and giving you a sense of undistracted self, when you sit in it. No pattern that distracts or kitsch that you have to endure. No unneeded hooks or buttons. Just right and simple. Like Bauhaus wants to be. 

But most people who visit it mistake me for some kind of religious minimalist. An extreme form of Zen that needs to be admired like a marathon runner or ascetic monk. However from the perspective of modern Wabi-Sabi or Morrison choosing things that last amd simply fullfil their intended function over the ages, is a logical and frugal solution and leads to improved design, rather than a religion for its own sake. Simplicity amd Refinement. 

Wabi-Sabi also includes the acceptance and design for wear and tear. Like in a perfectly functionally planned moss areangment on a tea house’s roof (Function is to make you feel in wild nature) or a imperfect glazing on a tea cup. The intention is to point to the imperfection and relish in it.  Modern design does this as well with ideas like planned ageing of concrete or the used leather of your iPhone case. 

Simplicity that lasts, accounts for the wear as a form of beauty because its function remains relevant. Let’s see how my Muji showroom apartment does over the years then. 

Get more design in your live. 👯‍♂️📱

Reading List: Vielfalt in Ingenieursberufen

Hier eine kleine spät-sommerliche Leseliste zur Vielfalt in Ingenieursberufen. Auslöser: das abartige und berüchtigte Manifest des ehemaligen Programmieres bei Google über die Rolle von Frauen in der Branche diesen Monat:

The Economist: The e-mail Larry Page should have written to James Damore

Und hier die darin genannten Blogposts und Artikel:

What do scientists think about the biological claims made in the document about diversity written by a Google employee in August 2017?

Here’s your point by point refutation of the google memo.

I’m a woman in computer science. Let me ladysplain the Google memo to you.

Tech’s Damaging Myth of the Loner Genius Nerd

So, about this Googler’s manifesto.

Alle sind sehr lesenswert und betrachten die falschen Fakten, den wirklichen Arbeitsplatz oder die Situation allgemein aus verschiedenen Blickwinkeln. 

Ich kenne diese Probleme natürlich all zu gut. Das Thema lässt sich dabei auf alle Arten von Minderheiten in technischen Branchen weltweit erweitern. Die Argumente sind oft sehr ähnlich und die verpassten Chancen für die Unternehmen und Forschungseinrichtungen die gleichen. 

Motto: United in Diversity
Mehr Vielfalt für euch. Tschaka!🌻

Leben mit besonderen Anforderungen

Ich bin jetzt dreißig. Mein Leben lang sehe ich mit Brille ungefähr dreißig Prozent von dem was die Durchschnittsbevölkerung sieht. Ich bin stark kurzsichtig und dadurch auch Nachtblind. Ich habe studiert. Bin Ingenieur geworden. Ich habe an verschneiden Seiten des Globus gelebt. Ich spreche fließend Japanisch.

All das habe ich gemacht, weil es mir Spass gemacht hat, mich interessiert hat. All das war mir möglich durch eine Philosophie, die ich an der Staatlichen Schule für Sehgeschädigte in Schleswig gelernt habe.

Schleswig-Holstein, war damals das einzige (oder eines von wenigen) Bundesländern, das für Blinde und Sehgeschädigte den komplett integrativen Unterricht an normalen Schulen durchgesetzt hatte. Keine Sonderschule, kein Ghetto, kein Abschieben, keine indoktrinierte Hilflosigkeit und Mitleidsabhängigkeit von anderen durch ein Internats-System, das durch Zwang und Intoleranz segregiert wie im Rest des Landes damals. Ich hatte riesiges Glück – und eine unterstützende Familie.

Die progessiven Sozialarbeiter dieser Schule, die ich nur manchmal zu Kursen an Wochenenden besuchte oder selten zu Aufklärungsgesprächen und Analysen in meiner Klasse traf, haben uns von Anfang an unsere völlige persönliche Integrität zugesprochen. Sie haben uns ermutigt, die durch zivilisatorisch festgelegte Techniken begrenze Zugänglichkeit der Welt um uns herum durch kleine Tricks, einfache Änderungen und offene aufklärende Gespräche zu verändern und uns nutzbar zu machen.

So habe ich gelernt, dass eine „Behinderung“ keine physische Problematik meiner Person darstellt, sondern in Wirklichkeit eine durch die Durchschnittsbevölkerung festgelegte zivilisatorisch-technische Ausgrenzung ist. Behindert bin nicht ich, sondern ich werde behindert durch Unflexibilität, Kleingeistigkeit und schlechtes Engineering.

Ich habe deshalb den Begriff „Menschen mit besonderen Anforderungen“ für mich selber kreiert. Dieser bildet ein neues Gedankenmuster für die Thematik von Menschen, die Technik benutzen und die in Wahrheit in fast jedem Fall von der Durchschnittsbevölkerung und damit von den ingenieurswissenschaftlich, designerisch und technisch festgelegten Normwerten abweichen. Diesem muss sorge-getragen werden.

Dabei kann auf der einen Seite der Nutzer, also ich, seine Umwelt durch einfache Veränderungen, wie Schriftgrößen am Mobiltelefon, Sprachausgabesoftware oder indirekte Fragetechniken zugänglich machen. Auf der anderen Seite erfordert es von Entwicklern, Designern und Betreibern von technischen und sozialen Konstruktionen, wie Smartphones, Universitätsunterricht, Fast-Food-Ketten oder U-Bahnsysteme eine höhere Flexibilität, Offenheit und Diskussionsbereitschaft, denn sie sind diejenigen, die durch in der Vergangenheit gefällten unpassenden, schlechten oder nicht ausreichen reflektieren Design-Entscheidungen Zugänge verwehren.

Es ist eine völlige Umdrehung, der in dem Begriff „Behinderung“ implizierten Schuld- und Verantwortungs-Zuordnungen. Selbstverantwortung der Person mit besonderen Anforderungen und Schuld an Zugangsverweigerung durch den Betreiber, Konstrukteur oder Designer von Systemen.

Mein liebstes Beispiel ist die Berliner U-Bahn, die völlig funktionsbefreit sämtliche Fenster der Bahnen mit einer perspektivisch völlig falschen lächerlichen Grafikdarstellung des Brandenburger Tors zugeklebt hat. Da das Audiosystem der Bahnen meist unverständlich und niemals im Bahnhof selber die nächste bzw. gerade angefahrene Station ansagt, sind Fenster für den Zugang zu dieser einzig wichtigsten Information aus Sicht des Fahrgastes offensichtlich essenziell.

Diese sind aber versperrt und die Bahnhofsnamen auf den Stationen schlecht verteilt und nie beleuchtet. Auch kleine Stationsanzeigen in neueren Bahnen sind unregelmäßig und oft zu weit weg. Die Aufkleber einfach alle abzureisen wäre die billigste und schnellste Lösung von Seiten des Betreibers und Designers. Ich selber nutze selbstverantwortlich Apple Maps, und muss mir ständig im Kopf mitzählend, die Stationen vom Smartphone ablesen. Niemandem fällt es auf. Design Fail!

Fährt man dagegen mit der U-Bahn in Tokyo, kann selbst ein Schulabbrecher aus dem Odenwald sofort und zu jeder Zeit alle wichtigen Informationen erlangen – ohne Japanisch zu können, das Beherrschen der römischen Schrift reich völlig aus. Das System U-bahn kann also auch unter extremen Bedingungen zugänglich gestaltet werden.

Als ich in Berkeley war habe ich mit einem finnischen Freund darüber zufällig gesprochen. Er beschäftigt sich wissenschaftlich mit Videos und Visualität in der modernen Gesellschaft. Er war so begeistert von meinem Ansatz und meine vielen kleinen Lösungen, Tricks und Beziehung zu Technik, dass er mich interviewt hat.

Daraus entstand nun dieses wissenschaftliche Paper: „Seeing with special requirements: visual frictions during the everyday„. Und er hat sogar ein Video hinzugefügt, um alles zu verdeutlichen, – auch neu für akademische Paper:

https://www.youtube-nocookie.com/embed/9I7c8EHBkhQ?rel=0

Das Konzept ist natürlich sehr positiv, aber selbst meine Universität, die TU München, die ja eine Technische ist, hatte jahrelang keinen Behindertenbeauftragten und mir wurde systematisch der Zugang zu Aufzeichnungen des Unterrichtsstoffes der Lehrstühle verweigert. Ich habe dies durch viele Einzelgespräche und diesen Artikel (ab S. 22)  in der Fachschaftszeitung geändert.

Auch sind weiterhin alle Gehörlosen und Schwerhörigen völlig segregiert und haben Internats-Zwang, soweit ich informiert bin. Sie leben also in einer kompletten Parallelgesellschaft mit eigener Sprache und Kultur, obwohl rein technisch betrachtet das funktionell nicht nötig wäre.

Dazu haben wir uns aber als Gesellschaft in einem demokratischen Mehrheitsprozess entschieden. Also du dich zur Segregation von körperlich anderen Menschen. Welchen Unterschied du bei dieser passiven (Nicht-)Entscheidung zwischen Gehörlosen oder Sehgeschädigten zu ausländischen Flüchtlingen, schwarzen Kindern in den USA oder deutschen Juden machst, bleibt deiner Ideologie vorbehalten, lässt aber keine Rationalität oder Funktion erkennen.

Die tief-liegende unterbewusste Assoziation körperlicher Andersartigkeit mit einem minderen Wert der Person aus Wilhelminischer und Nazi Zeit bleibt den Deutschen (und Europäern) weiterhin anhaften und wird durch diese Diskrepanz von Zugänglichkeit und Selbstbestimmung zur Schwierigkeit der technisch-gesellschaftlichen Machbarkeit deutlich.

Bleibt selbstbestimmt und sprecht mehr mit Maschinen. Palüm-Palüm.

Der New Yorker über Merkel und die Deutschen

Sonntägliche Grüße von den Zeitungsblättern. Ich habe gerade einen sehr genialen Artikel in „The New Yorker“ über Merkel, die Deutschen und Europa gelesen:

The Quiet German

Ich empfehle den Artikel sehr, weil er sehr genau, detailliert und mit Hintergrund die politischen Gegebenheiten in Europa heute und die Rolle Deutschland darin darstellt. Vor allem Merkel wird als Schlüsselfigur vorgestellt und Skandale, Begebenheiten, Entscheidungen und Konflikte werden versucht aus ihrer Sicht zu verstehen.

Dadurch entsteht nicht nur ein klares Bild ihrer Person, sondern auch der Deutschen und der Zustand der Republik allgemein. Für mich wurden einige politische Spielereien und Reaktionen dadurch viel klarer. Aber das interessanteste daran sind, die tiefen Einblicke des amerikanischen Autors in die Seele der Deutschen – diese gehen wohl tiefer, als in den deutschen Medien selber möglich wäre. Faszinierend.

Grüße an die Tee trinkenden Intellektuellen auf Ikeamöbeln.

The Grand Budapest Hotel

Heute hatte ich hier im Kessel einen wunderbar schönen sonnigen Sonntag. Nach meinem Sonntagsspaziergang in den riesigen Schlosspark (der erste überhaupt) habe ich mir noch schnell ein Sushi-Set um die Ecke geholt bei I love Sushi. Kaum verlasse ich den Laden hagelt es. Das Sushi war leider nebenbei bemerkt dann teuer und lahm.

Also war ich im Kino und habe den Film Grand Budapest Hotel gesehen. Ein toller Film! Geniale Aufnahmen und Witz.  Ich war aber beeindruckt von der unglaublichen Tiefe des Films . Auch wie die Europäische Geschichte um Österreich-Ungarn, Osteuropa und Deutschland dargestellt wird. Es kommt alles vor: Liebe, Abenteuer, mehrere Zeitstränge, Adlige, Intrigen, tolle Aufnahmen, super Schauspieler, geniale Charaktere, Drama, Action, zitierte Filmszenen aus allen Epochen. Fantastisch.

Europa ist eben ein verwobener Kontinent.

Ich bin begeistert vom Sieg der Conchita Wurst. Wir bleiben eben ein Symbol für das liberale und freie Europa. Vielleicht inspiriert das ja mehr Menschen.

Bleibt fasziniert. Tüdelüh.

Designer zeigen Reis

Die NZZ schreibt in „Ein Universum in einem Reiskorn“ sehr passend über eine Ausstellung im Tokyoter Design Museum 21 im Stadtteil  Roppongi.

Dadurch wurde mir noch mal die wichtige und besondere Rolle von Nahrung und besonders Reis in der japanischen Küche klar. Sojasoße und Sake sind ja z.B. auch Reisprodukte, aber auch die Tatamimatten und Sumos bewerfen sich mit dem Kron vor ihrem Kampf.

Auch macht der Artikel die japanische Einstellung zu Design sehr klar. Es geht nicht um lehrerhafte Erziehung mündiger Bürger, sondern um das völlig freie Anstoßen neuer Gedankengänge jedes Einzelnen und dessen Schluss am Ende offen zu lassen. Sie sind dadurch freier in Assoziation und Gestaltung.

Schaut euch auch die Fotostrecke im Artikel an.

Verrückt eigentlich, dass in so einem reichen Land mit dieser einzigartigen Rolle der Esskultur eine Lebensmittelunsicherheit wegen unsichtbaren, menschenverursachten Radioaktiven Ablagerungen herrscht.

Ich möchte wieder hin.

Ich bin übrigens mit der NZZ wieder auf Print umgewechselt. Aber nur am Wochenende. Vom Hauptbahnhof. So werde ich nämlich auf Neues gestoßen. Im Internet muss ich es mir suchen – und im zweifel liest jemand mit. Nagut das täte der Typ in der U-Bahn neben mir auch bei Print… nur ohne Datenzentrum und Soziale-Medien-Filter-Blase.

Bleibt köstlich. Cheers.