Ein Kurztrip nach Singapur

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Vor einigen Wochen habe ich einen Kurztrip nach Singapur gemacht. Leider war das Wetter etwas durchmischt. Temperaturen wie im japanischen Sommer auch im Oktober sehr feucht und heiß.

Die Stadt ist sauber und modern, aber bietet leider außer glitzernde Einkaufszentren und singapurisch-chinesische Fusionküche nicht so viel Erstaubliches. Alles ist importiert. Ich habe viele Australier auf der Durchreise oder Expats von Handelsfirmen getroffen. Es gibt keine großartigen Museen oder historischen Gebäude. Die Architektur ist modern, aber nicht avantgardistisch, sondern nur teuer.IMG_3659IMG_3661Die Gesellschaft versucht sich als mittelständisch und egalitär darzustellen, es wird aber selbst bei einem Kurzbesuch klar, wie weit die Kluft zwischen Wanderarbeitern aus Indien oder Bangladesch, die in Pickup-Trucks in Kleingruppen auf den Strassen zu Baustellen transportiert werden, und den chinesischstämmigen Büroarbeitern in japanischen Designer-Hemden auseinanderdriftet.

Die Geschichte als Kolonie bleibt überall wie ein Echo kleben. Starke, oft nach Ethnie, Religion oder Herkunft gepräkte Gruppenhierarchien durchdringen den Glanz der modernen Architektur und der teuren europäischen und japanischen Marken. Die Angst in die Instabilität der Nachbarregionen durch Relgions- oder Kulturnenkonflikte zu verfallen durchzieht die Atemluft scheinbar. Die starren Regeln wirken großväterlich

Diese Dissonanz und der Fassadenschwindel, der jedem schnell klar wird, schaffen eine eher erdrückende Athmosphäre. Es ist etwas wie Fahrstuhlmusik. Erst ganz nett, dann geht es einem hypnotisch auf die Denkorgane und schließlich muss man gedrängt wie ein Fluchttier das Gerät verlassen.IMG_3663

Auf den folgenden Fotos habe ich den Blick von dem größten Hochhaus aus der überteuerten, dunkel-kitschigen Abschleppbar auf dem Dach aufgenommen. Leider etwas bewölkt. Das Publikum der Bar würde ich eher in einer Ikea-schicken Bahnhofskneipe in Frankfurt erwarten. Das Hotel mit Dach-Außenpool schien sehr spießig neureich und nicht klassisch oder modernistisch elegant zu sein.

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Diese Statue wurde einzige für touristische Zwecke von der Tourismusbehörde in den 60ern errichtet. Sie hat keine besondere historische oder künstlerische Bedeutung. Alle machen aber Selfies mit Statue und Hochhaus frei nach dem Reiseführer-Checklisten-Diktat. I-was-there als von anderen inszensierte Markenbildung.

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Bei den jungen Leuten in den Starbucks Cafes oder den britischen Gastro-Pub Ketten hatte ich das Gefühl, als wären sie lieber in San Francisco, New York, London oder Berlin. Stattdessen tun sie einfach so als wären sie.

Homosexualität ist dort gesetzlich mit Peitschenhieben zu bestrafen, wird aber angeblich nicht angewendet zur Zeit. Cheers.

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Um dann mal wieder aufatmen zu können, hier ein paar herbstliche Bilder aus einem verwilderten Teil von Tokyo. Die liberale Demokratie ist halt einfach herrlicher.

Grüße an die Marzipankartoffeln. 🌈🦄

Faulheit als Gegentrend zu den Optimierern und Overworkern

Deutschlandfunk Hörsaal mit einem alademischen Vortrag über den sich weiter andeutenden Trend der Faulheit als Antwort gegen Selbstoptimierung, Überstundenwahn und vieles mehr.

Ich wusste gar nicht, dass es so viele Arten von Faulheit gab. Es kommt auch Altgriechisch vor, für die Bildungsbürger unter euch.

Anhören unten im Player oder hier:

Wabi-Sabi-ism, the essence of Minimalism

Japan has this very distinct term called Wabi-Sabi or 侘び寂び, which does not easily translate into German or English. 

Jisho.org defines it as follows: 

aesthetic sense in Japanese art emphasising quiet simplicity and subdued refinement​

Simplicity and refinement. Sounds familiar? Maybe it is. I, for one, have blogged about it’s marks on Japan and the world countless times. It can be in garden design, food preperations, architecture, tea bowls, modern furniture or even digital gadgets. 

First though I recommemd you to understand the historical development of the term. As outlined very well by the blog Tofugu, Wabi-Sabi was distilled by the higher classes in Japan especially during the Edo times of nearly full national isolationism. And it evolved to becoming the go-to adjective when describing most tourist attractions in Japan. 

At the end of the text the author cites a professor from the University of London:

[It is] very close to minimalism nowadays, but it’s minimalism with a conscious choice.

And that should sound familiar. Ever heard of Bauhaus? Or Form Follows Function? Functional simplicity through refinement and design improvements? Or even simple sustainable design?

The british Designer Jasper Morrison brought this point to me in an interview he had with the NZZ this spring. 

He is one of the big names behind Muji’s great array of houshold goods. And Muji is the perfect example of modern Wabi-Sabi or as you might think Bauhaus Design. 

Morrison calls objects that follow such a design „supernormal“ and discribes their simplicity like this:

 […] Dinge, die supernormal sind, sind nicht einfach nur alltäglich und gut, sondern bleiben über eine lange Zeit funktional und richtig. 

[…] Things that are supernormal are not just commonplace and good, but they remain functional and right for a long time. 

My entrie flat is furnished with them. Simple, great materials, completely functional and giving you a sense of undistracted self, when you sit in it. No pattern that distracts or kitsch that you have to endure. No unneeded hooks or buttons. Just right and simple. Like Bauhaus wants to be. 

But most people who visit it mistake me for some kind of religious minimalist. An extreme form of Zen that needs to be admired like a marathon runner or ascetic monk. However from the perspective of modern Wabi-Sabi or Morrison choosing things that last amd simply fullfil their intended function over the ages, is a logical and frugal solution and leads to improved design, rather than a religion for its own sake. Simplicity amd Refinement. 

Wabi-Sabi also includes the acceptance and design for wear and tear. Like in a perfectly functionally planned moss areangment on a tea house’s roof (Function is to make you feel in wild nature) or a imperfect glazing on a tea cup. The intention is to point to the imperfection and relish in it.  Modern design does this as well with ideas like planned ageing of concrete or the used leather of your iPhone case. 

Simplicity that lasts, accounts for the wear as a form of beauty because its function remains relevant. Let’s see how my Muji showroom apartment does over the years then. 

Get more design in your live. 👯‍♂️📱

Social Media Pause?

Hey, ich habe ja neulich ein Video über Manoush’s Bored and Brilliant Buch gepostet, das nächste Woche erscheint. Jetzt probiere ich es mal aus. Und meine nervigste App, die mich immer wieder vor den Bildschirm zerrt, ist natürlich Instagram. 

Instagram. Als ich es anfing wusste ich gar nicht was es bringt nur Fotos ohne Text zu posten. Wieso denn das jetzt? Ich schreibe hier ja schließlich schon seit Jahren digitale Absätze. 

Und dann alles immer mit diesen fiesen Retro-Filtern. Warum muss jetzt Neues alt wie von den Eltern aussehen?  Naja das ist ja langsam vorbei. Gerade sind hyper bunt Filter oder diese Kleinkind-in-mir Hundeschlappohren Filter super geil. Sowass haben die Japaner schon in den 90ern aus den Fotoautomaten gedruckt. 

Aber es macht süchtig. Leute reagieren. Vorallem auf meine Sushi Posts. Alles was ich sonst so geistreiches in meinen Posts verstecke fällt von der Aufmerksamkeitsklippe der Bunten Modefotos, die sich in den Stream darubter drängen. 

Ich poste. Und poste und es gibt Herzen. Wie aufm Rummel im Schützenzelt. Toll. Freunde schreiben mir, dass sie für meinen Feed leben. 

Hm. Also dein Leben ist da draußen und nicht in meinem. Get out!

Get yourself some sushi! Oder geh ins Museum und ruf mich danach an. Oder schreibe einen cleveren Blogpost darüber. Denn selbst meine Insta-Shots von Ai Weiwei gaben mir keinen Raum für Reflexion oder Kritik an seinem einfallslosen  Bullshit für den europäischen Massenmarkt. Es war nur bunt. Und schön drapiert. Mit Sonnenschein. Disneyland. 

Und das ist was Instagram offiziell sein will. Nette Welt. Alle bösen Kommentare werden von einer Armee von Zensoren gelöscht. Der Hass, die Verletzlichkeit, das Unsittliche oder das Verstöhrende wird aufgelöst. 

In bunten neuen Regenbogen Filtern, die selbst graue Regenaufnahmen ins perfekte Sonnenlicht tauchen sollen. Die Erinnerung wird neu geschrieben. Alles Perfekt. Ohne Denkanstoß. Verdummt wie das Fernsehen, das keiner mehr zu Hause rumstehen hat, weil blöde.

Lange auf das Icon gedrückt, es wackelt. Und zittert. Und dann X… puff. Das war es für die Hochkontrast-Filter. Freiheit. 

Denn die Filterblase ist kein Algorithmus, sondern die per Design restriktiven Medien, die wir selbstständig nutzen. Selbstzensur in 140 Zeichen oder in einem Endlosschleife drei Minuten Videoclip. Aber sonst Referenzlos. 

Hier jetzt also mein Bilder Update für die ganze Welt online:🤓🐰

Laterne an der Straßenbeleuchtung
Disco mit Drag
Muskeln, Hasenohren und Deko-Girl in Ni-Chome
Tokyo Metro
Kein Sushi
Tempel mit Text Architektur
Drache am Dach
Café Idylle in Monzen Nakatcho

Mal sehen wann mich die Sucht wieder packt. Der Account ist nur deaktiviert. Fortsetzung folgt, wie in einer nicht enden wollenden Teenie Serie mit mehr wiederbelebten Nebendarstellern als Staffelnummern.🙀

Und jetzt mache ich Manoush’s nächstes Experiment mit: The Privacy Paradox. Klickt und macht auch mit. Fünf Tage per Mailinglist und Podcast Audio. 👻

🕺💃🎉

Reading List: Vielfalt in Ingenieursberufen

Hier eine kleine spät-sommerliche Leseliste zur Vielfalt in Ingenieursberufen. Auslöser: das abartige und berüchtigte Manifest des ehemaligen Programmieres bei Google über die Rolle von Frauen in der Branche diesen Monat:

The Economist: The e-mail Larry Page should have written to James Damore

Und hier die darin genannten Blogposts und Artikel:

What do scientists think about the biological claims made in the document about diversity written by a Google employee in August 2017?

Here’s your point by point refutation of the google memo.

I’m a woman in computer science. Let me ladysplain the Google memo to you.

Tech’s Damaging Myth of the Loner Genius Nerd

So, about this Googler’s manifesto.

Alle sind sehr lesenswert und betrachten die falschen Fakten, den wirklichen Arbeitsplatz oder die Situation allgemein aus verschiedenen Blickwinkeln. 

Ich kenne diese Probleme natürlich all zu gut. Das Thema lässt sich dabei auf alle Arten von Minderheiten in technischen Branchen weltweit erweitern. Die Argumente sind oft sehr ähnlich und die verpassten Chancen für die Unternehmen und Forschungseinrichtungen die gleichen. 

Motto: United in Diversity
Mehr Vielfalt für euch. Tschaka!🌻

Angepasstes Gründer-Marketing der TUM

Meine alte Universität, die sich immer gerne selber Alma Mater nennt, verfolgt mich auch bis nach Japan noch stoisch weiter. Denn sie will Geld. Sie denken, dass sie das neue Stanford seien können. Wenn ihr diesen Seiten lange gelesen habt, wisst ihr, dass es keine Rosamunde Pilcher Love-Story zwischen mir und meiner Uni war.

Heute habe ich gerade mal wieder deren Magazin für Alumni in einem aufwändig gestalteten Hochglanzformat „KontaktTUM“ erhalten. Und es ist natürlich furchtbar. Einmal durchgeblättert sieht man schon wie innovative Zukunft auszusehen hat. In genau zwei Klassifikationen: Ältliche graue Herren mit Anzug und Krawatte, leicht dicklich mit furchtbaren 80er Bärten. Und Nummer Zwei: junge, dynamische, weiße, Männer ohne Bärte im Sacko oder Anzug oder blauem Hemd und Kakihose, anfang/mitte Dreißig.

Es gibt kaum Frauen auf den Fotos, oder Leute die irgendwie anders aussehen durch ihre Hautfarbe, Klamotten-Stile oder Anmutung als diese beiden Typen oben. Die TUM hat nicht nur 5% Frauen und auch nicht nur 0% ausländische Studenten, geschweige denn andere Gruppen. Wieso werden diese hier überhaupt nicht gezeigt? In Kalifornien wäre das -zumindest in den Broschüren- unmöglich.

Sie scheinen nicht in das Bild der männlichen jung-dynamischen aber FDP-Parteilinie treuen TUM zu gehören. Und dieses ist eine staatlich finanzierte Universität, für deren Existenz zum größten Anteil alle Menschen mit ihren Steuern zahlen. Dem Finanzamt hingegen, wie ihr wisst, ist euer Klamotten-Stil, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung usw. natürlich scheiß egal. Für alle gilt: Höchststeuersatz, Kinders.

Alle Jung-Dynamiker derweilen, so scheint es, gründen aus. Denn die TUM scheint nichts anderes produzieren zu wollen als Ausgründungen. Keine sozialen, wissenschaftlichen oder persönlichen Entwicklungen ihrer finanzierenden Gesellschaft, der sie finanzierenden Individuen oder der sie rechtfertigenden Wissenschaft scheinen wichtig genug zu sein, wenn man ausgründen kann.

Foto KontaktTUM
Foto KontaktTUM

Und auf dem Foto seht ihr es (wenn auch schlecht umgesetzt). Seit (ich nehme es an, denn es ist nicht richtig wissenschaftlich angegeben, ups) 1990 scheinen diese ganzen 800 Ausgründungen nur 16.623 Arbeitsplätze geschaffen zu haben (Schlecker hatte mal mehr als doppelt so viele Angestellte). Taschenrechner: 20 Leute Pro Firma, über 27 Jahre Zeitspanne.

Und so eine Ausgründung basiert auf Fördergeldern vom Staat. Staatliche Forschungsfördergelder für die Projekte in denen die Erfindungen (Patente) entstehen, besondere Fördergelder für die Produktreifung des Patents in der Hochschule und Ausgründungsförderungen bei Gründung und weit danach. Davon kann man ja mal 20 Leute eine Weile halten. Über Gewinne, Börsengänge, Schließungen, Aufkäufe, Arbeitsbedingungen oder das durchschnittliche Gehalt der Angestellten wird hier nicht gesprochen. Auch die Art der Firmen werden nicht erwähnt (kleine Consultings, Architekturbüros, Sportstudios, Einzelhandelsläden, Selbstständige mit Sekretärin usw. sind nach manchen Studienrichtungen sehr weit verbreitet).

Aus meiner Sicht ist natürlich eine staatliche Förderung solcher forschungs-intensiven Projekte sinnvoll. Sie fördert die Wirtschaft, schafft Arbeitsplätze, erzeugt passende Fachkräfte und Know-How, hält das Land wettbewerbsfähig und bringt Studenten und Doktoranden schnell an Herausforderungen des Markts oder eines Unternehmens. Ich habe selber ja schließlich für Fraunhofer gearbeitet, deren Hauptaufgabe diese Art der Innovations-Subvention ist. Es scheint nur hier sehr dubios von der TUM als ein alternativloses Hurra-Marketing verdreht zu werden. „Ausgründung oder Scheiße“.

Das Ziel der Alumni Kampagnen der TUM ist, wie sie es selber auch darstellt, Spendengelder einzusammeln. Ein leerer Überweisungsträger ist schließlich auch das einzige, was die TUM einem neben dem Zeugnis nach der Graduation überreicht. Sie zeigt aber nur wie junge, weiße, Ralf Lauren Model Männer mit manchmal etwas nebulösen Ideen Geld machen können.

Wo ist denn da die Story? Für wen sollte ich denn da Geld spenden? Warum braucht die TUM dann überhaupt noch Geld? Was macht die breite Mittelschicht nach der Ausbildung? Wo sind die coolen, innovativen Festanstellungen? Wie aufsteigen trotz unterbezahlter, befristeter Leiharbeit oder Praktikanten-Startup Jobs? Und wo sollte meine lesbische Tochter mit Migrationshintergrund (fiktiv) Maschinelles Lernen studieren?

So und jetzt zurück zur Bay Area (Silicon Valley): An der UC Berkeley demonstrieren zur Zeit sehr laut viele Menschen gegen Hass und für Inklusion und Toleranz. Auch in Berkeley entstand das Free Speech Movement, In San Francisco war lange der Kern der sexuellen Minderheiten aktiv und Oakland war die Keimzelle für Proteste von Schwarzen. Asiaten schmeißen heute viele wichtige Forschungslabors in Stanford und eine heiße Feminismusdebatte und Anti-Klüngel-Diskussion ist im Gange in San Jose. In München zur selben Zeit: O’zapft is.

Wenn Sie Innovation wollen brauchen Sie auch die Kontroverse. Und Sie brauchen die Vielfalt. Peace out.