Visiting Tokyo: das Wutbürger Regelbuch

Die besten Reisezeiten für Japan sind entweder im April zur Kirschblüte oder zum Herbstlaub im Obotber. So hatte ich dieses Jahr schon zwei mal Besucherschwemme. Dabei fallen mir immer wieder ein paar Dinge auf. Dinge über Europäer, die einem nur auffallen, wenn man nicht in Europa ist, wenn sie selber nicht in Europa sind. Dinge über Freunde, Bekannte, Unbekannte und neue Freunde.

Ich lebe jetzt hier fast zwei Jahre. Ich habe mich wieder volkommen an Tempura, Grüntee-Eis, Halloween-Fake-Jahreszeit, Clubs ohne Türsteher oder die Tokyo Metro Dämmerschlaf gewöhnt. Was also machen die Besucher anders? Ein kleiner Wutanfall zum Nachlesen.

Erstmal, und als aller wichtigstes, haben die Leute hier keine nur esotherisch nachgewiesenen Ess-Intoleranzen (Ja, ich meine dich ganz Berlin Mitte) und niemand spricht darüber was man nicht essen kann, sondern höchsten was man nicht essen möchte, aber eher was man unbedingt essen muss.

Laktoseintoleranz ist Nationalfähigkeit und die Milchprodukte sind dementsprechend immer bearbeitet, aber jedes Schulkind trinkt jeden Tag ein Glas Milch und die Käseindustrie wird trotz EU Freihandelsabkommen am langsamsten von allen Industrien dem Butterberg geöffnet.

Glutenintoleranz ist nur für harte Fälle ein Thema. Weizenmehl ist nur in den von schicken Hausfrauen vergötterten Klein-Backwaren nach Pariser Art, anteilig in Soba und Udon oder Panade von Tonkatsu und Tempura. Reis enthält kein Weizenmehl, kann aber Spuren von schmeckt-gut enthalten.

Glutamat…. Liebe Idioten des verschlafenen Chemie Grundkurses in der Mittelstufe: Glutamat, also der Geschmacksverstärker Umami der sogenannten Dunklen Seite der Macht, ist essenzieller Bestandteil unseres Geschmackswahrnehmungssystems. Er entsteht beim Braten, Einkochen, Dünsten oder sonst wie erhitzen von jedem Fleisch, Seegras, Pilzen anderem Gemüse und Fisch. Ja auch mit Biogemüse in deiner überzogen teuren Teflondesignerpfanne mit Space Tech. Und ja man kann es als Pulver kaufen. Es schmeckt super und Japaner essen es jeden Tag besonders gerne mit dem Namen Dashi. Und sie leben einfach länger als du oder die Ruhrpot Currywurst Fanboys und Hanseaten Döner Connoisseure. Case in point.

Weiter geht es mit den Vegetariern. Hier dazu eine kleiner empörender Artikel der Schweizer, um den Bluthochdruck aufrecht zu erhalten. Vegetarier und Veganer sind in Japan fast nur buddhistische Mönche. Historisch gesehen gab es mal eine Zeit, in der Fleischessen verboten war. Deshalb ist es jetzt ein art Bürgerrecht. So ist in fast allem Fleisch oder zumindest Fisch-Fond. Vergesst es einfach. Es ist da, auch wenn ihr es nicht seht, riecht oder schmeckt. Es gibt ein paar trendige Veganer Restaurants in Yuppie-Gegenden Tokyos, die bedienen aber eher die Trendsucht einiger gelangweilter Hausfrauen als die Touristenfluten und fallen in die Kategorie „Exotisches ausländisches Essen aus LA, was ich mal in einem Hollywood Film gesehen habe“ für Japaner. Niemand rennt dafür durch die halbe Stadt. Niemand!

Alles weitere Verweigern von Nahrung, dass mir so einige meiner Gäste unverschämterweise angetan haben ist schlicht weg eine Psychose. Reis, Soba, Grüner Tee, roher Fisch, koreanisches BBQ, Sake, kleine ganze Fische oder Muscheln in Schneckenform sind alle samt medizinisch gesund, für einen Großteil der Weltbevölkerung Grundnahrungsmittel, haben in Japan generell eine sehr hohe Verarbeitungsqualität und sind auf jeden Fall zu probieren bevor geurteilt wird. Get over it or get help!

Weiter: Die Tokyo Metro ist schnell. Tokyo ist einfach fucking large. Es dauert mindestens 30-60 Minuten von einen „Zentrumsstadtteil“ zum nächsten zu wechseln. Es gibt nicht ein Zentrum wie dieser Kreisstadt Einkaufsstraße mit H&M und Rossmann. Planung, Glaube an das Wissen der Locals (mich, euren Overlord) hilft, und Google Maps.

Mobiles Internet ist Pflicht! Daten SIM Karten gibt es für 20-40 Euro schon am Flughafen und müssen ohne Wiederspruch verwendet werden. Keine eurer Messanger Apps löscht eure Nummer, eure Kontakte oder eure Selbst bei tauschen der SIM. Alles andere ist für den Rest der Menschheit mit der zivilisatorischen Technik eines Smartphones zur Verfügung einfach eine überbürdende Zumutung. Niemand hat mehr Bock auf Anrufe von öffentlichen Telefonzellen aus zu warten oder verschollene Freundinnen aus dem Metro System zu extrahieren. Eure Internet- oder wahlweise Instagramsucht könnt ihr zuhause in der Klinik, mit eurem Vodafone-Verkäufer oder auf dieser einsamen Insel bei Indonesien kurieren – nicht in Tokyo, nicht mit mir und nicht wenn ihr andere Leute treffen wollt.

Kauft euch eine IC Metro Chipkarte für den Nahverkehr (Pasmo oder Suica). Es ist keine Nobelpreisträchtige Leistung für die Menschheit jeden mit dem Suchen nach kryptischen Einzeltickets in einer unbekannten Stadt mit unbekannter Sprache und unlesbarem Schriftsystem „for this authenic asian experience“ aufzuhalten. Charge, Touch, Biep and go, like a Harajuku-Girl.

Tracking-Backpacks plus Funktionsklamotten sind für Länder ohne Schnellzugsysteme, Onlinebuchungsseiten, Gehwege, Fahrstühle, Rolltreppen, Taxistände, kontrolliertem Faunabewuchs, ausgerotteten Fressfeinden und Zivilisation. Also nicht Japan. Bringt einfach einen Rollkoffer und eure Hermes Handtasche, denn die Deuter-Rucksack Weltentdeckernummer glaubt euch spätestens seit GPS und Uniqlo Life-Wear eh niemand mehr.

In Clubs (zumindest die Geilen) gibt es keinen Dresscode. Sowas ist für Spießer oder bescheuert exklusive Londoner Richkids. Nadelstreifennzug, Batik-Shirt oder Lederharness geht klar. Ja Berliner, es gibt Vielfalt auch nicht in Schwarz und Dominatrix.

Gutes Brunch ist rar. Vertraue dem Overlord (mir). Und ja: ansonsten gibt es immer Reis. Schockierend.

In Japan isst man manchmal Sushi, nicht immer, nicht nur zu Vollmond, nicht immer von Nackten, nicht immer als billiges Drehsushi. Halt nicht immer, aber sie tun es immer gerne. Es ist Pflicht mindestens ein Thunfischsushi vor Abreise zu essen. Das müsst ihr bei der Einreise eidesstattlich erklären und es wird bei der Ausreise akribisch kontrolliert. Vergehen wird mit Zwangspause im Hallo Kitty Land bestraft – dafür ist die Falltür am Schalter.

Klamotten sind geil, kaufen ist aber eigentlich für fast jeden, der nicht eine schlanke Japanerin ist, unmöglich. iPhones sind derbe viel billiger als in der EU. Android Telefone gibt es nur mit Bondage-Ewigkeitsvertrag. Sind eh scheiße.

Die meisten geilen Läden (die für euch benutzbar oder zugänglich wären) kennen die Locals (ich, der derbe geile Typ, in diesem Fall). Ihr werdet nicht zum mega sexy Superheld mit Follower High-Score Bonus, wenn ihr Wissen aus dem Lonely Planet (Besitz ist kätzerisches Höchstvergehen an der Coolheit), irgendeinem anderen Reiseführer (Monocle und DK sind mitbringbar), aus einer Google Blog Suche (Kreativitätsschubumkehr), von TimeOut Tokyo, aus Foursquare (no one uses this shit), von Listen deiner Freunde, die auch nur Touristen waren und das oben Geschriebene auch nur schon gemacht haben, abzitiert. Un-Cool. Trust the Force. Get the Flow and Tabelog.

Tokyo ist eine Megastadt – die Mega Stadt des Planeten. Es gibt Millionen Shops, Kneipen, Bars, Restaurants und Klohäuschen, die jeden Tag entstehen oder vergehen. Konfuzius war schon davon überzeugt, es müssen in Tokyo mehr Kneipen geben als Atome im Universum. Keine einzige davon ist so wichtig, geil oder trendy, dass man sie unbedingt gesehen, geinstagramt oder bekotzt haben müsste.

Ich bin kein verdammter Synchronübersetzer – und niemand anderes sollte es für euch sein, außer ihr zahlt die unangenehm hohen Stundenraten für die Profis – plus Spesen. Wenn ihr die Landessprache nicht kennt und Besucher seid, dann esst was wir bestellen, geht dahin wo wir sagen, dass es cool ist, und benehmt euch wie zuhause auch. Mutti is watching. Ansonsten reist einfach alleine und haltet die Klappe.

Und bitte, kauft mir einen Drink, oder zwei. Das ist schließlich meine Freizeit und Energie die ich für eure kosmopolitische Bildung aufopfere. Alles andere ist verhandelbar (außer Vegetarier und Essen).

Prost.

PS: Es gibt hier keine Drogen für euch. Nein, einfach nicht. Wirklich nicht. Keine.

PPS: Fast alle diese Erkenntnisse waren übrigens für Amerikaner erfahrungsgemäß einer Erwähnung nicht bedürftig. Für diese muss nur noch mal klargestellt werden, dass die Hautfarbe des Gastgebers und dessen Essgewohnheiten oder Sprachfähigkeiten nicht im Zusammenhang stehen. Besonders ein wiederholtes, lautstarkes, öffentliches Erstaunen über diesen Sachverhalt wäre aus sittlichen Gründen zu unterlassen.

Yokohama Art Triennale

Heute habe ich die Art Triennale in Yokohama besucht. Moderne Kunst in drei Locations. Lange Anreise. 


Alle drei Jahre findet sie statt, diese Triennale. Yokohama bildet mit Tokyo die größte Stadt der Welt. Aber ich bin nie dort, trotz Hafen. Heute war ich da. Es war voll. 


Der Eingang der Hauptschau im Yokohama Art Museum war von Ai WeiWei dominiert. Er hängte Schlauchboote an die Außenwand und Schwimmwesten an die Säulen, um auf diese zu einfache Art auf ein weltweit bekanntes Problem auf banale Weise noch einmal aufmerksam zu machen. 

Es ist ein tragisches Thema. Aber ich fand seine Installation für eine Schau in Japan total unpassend und unkreativ. Warum spricht er nicht über Themen, die Japan oder die Gegen oder China bewegen? Immerhin ist Japan der liberale Gegenspieler zu China, was er sonst so gerne medial wirksam kritisiert. Ist er schon so zu einem europäischen Kunstprodukt verkommen, dass ihm interessante Ideen oder wichtige Themen abhanden gekommen sind. Das stelle ich fest. 

Innen zeigt er noch seine alt bekannten Krebse mit der Synonym Andeutung und vielen Leuten, die davon wie vorgeplant Instagramausnahmen machen (ich von den Leuten dann). Vielleicht sind sie die die Kunst. Naiv. Namensgläubig. Instrumentalisiert. Nein. Es war flach ohne solche Interaktionselemente oder Reflextion. 

Das zweite Übel war, dass einen die Ausstellung zwang sein Smartphone zu benutzen. Pech wer keins hat. App musste installiert werden für Audio Guide. Tracking (auch Indoor über Bluetooth) musste angeschaltet sein, damit man automatisch informiert wird wenn man vor einem Audio Guide Kunstwerk steht. Funkionierte natürlich so 30% der Fälle. Anstrengend, denn: Nummern an den Kunstwerken gab es keine. Herkunftsländer und Texterklärungen auch nur im Heft oder in der  Zwangs-App. Scheiße! 

Meine Batterie zuckelte der Entladung mit jedem Raum durch volle Sensorenaktivierung näher. Bescheuert. Und ich musste mich mit den uninformierten Museumswächtetn streiten, weil ich mich weigerte deren 100¥ unmoralische, unökologische Wegwerf-Kopfhörer zu kaufen, um diskret ihrem behämmerten Audioguide auf meinem (!) Telefon zu folgen. Unverschämte Übergriffigkeit. Lautpsrecher an und alle sind gezwungen mit zu hören. Harmonie können nur chinesische Flusskrebse aus Porzelan. 

Diese App stürzt dann auch noch dauernd ab. Ich richtig schlecht gelaunt. Die geile hype Aktion der coolen new-media Kids war gescheitert. Und es war tragischerweise keine Kunstaktion, sondern nur ein inkompetenter Marketing Gag. Nix war mit Intellektueller Entspannung für mich. 


Weiter zur Kunst. Indonesien und Südostasien sind weiterhin auch hier in. Gut war zB der Teppich mit bunten Design einer Mikroskopanalyse eines Haares von der Couch von Sigmund Freud (ich hoffe Ikea bringt den bald raus). Oder der durch Spiegeltricks endlose U-Bahntunnel an der Wand. Auch witzig eines der endlosen Verbot- und Warnschilder. Man könnte meinen dieses Museum ist ein Hochleistungsreaktor auf Testbetrieb. 

Leider war auch vieles dabei, dass mir nicht gefallen hat. Kitschige, bunte Bären mit Federkleid oder Animefiguren oder abstrakte Bilder im Stil der 80er. Alles lahm und überholt. Keine Bilder, weil Believe me, the worst. 

Also weiter zum Red Brick House, einem Kunstmuseum direkt neben einem identischen Einkaufszentrum in roten Backsteingebäuden der Industrialisierung. Bus war kostenlos. Einkaufszentrum brechend voll, Museeum leer. 

Hier gefiel es mir viel besser. Die Ausstellung war weitaus kleiner, aber die Kunstwerke hatte eine tiefere Aussage oder waren einfach nur witziger. Deutschland schickte einen Deutsch-Polen. Der ließ in Warschau Gewichthebergruppen in Spandexanzügen historische Statuen heben und so auf herrlich komische Weise deren historischen Wert bemessen. Mit Sport-Fernseh Kommentaren des Künstlers. Super. Willi Brandt und US Präsidenten lassen sich anscheinend nicht heben. Schwergewichte. Dagegen sind Kommunisten und Fabelwesen easy zu stemmen. Ich habe viel gelacht. 

Auch toll war ein Raum mit offenen Atlanten auf kleine Tischchen, die zusammen die Karte Europas ergaben, nur dass sie bis auf die Punkte, wo Städte sind, komplett geschwärzt waren. Sternenhimmel Europa. Mit Japan hatte das aber nix zu tun. 

Mein absolutes Lieblignswerk war eine Videoinstallation. Ein Isländer hat dort acht perspektiven eines aristokraten Hauses gleichzeitig aufgebommen. In jedem Bild sitz mindestnes ein Musiker und alle spielen gleichzeitig eine Hymne an die Familie auf verschiedensten Instrumenten. Alle hören sich per Kopfhörer. Alles perfekt inszeniert vom Kamerastart bis zum Ausschalten des letzten Bildes. Die Bildeinstellungen ähneln dänischer Landschafts- und Portrait-Malerei mit den Motiven und dem Lichteinfall. Am Ende versammeln sich langsam alle Musiker in einem Video und gehen zusammen singend gegen den Horizont in eine Marschlandschsft hinter dem Haus. Fabelhaft. 


Es entstand eine unglauveluche Atmosphäre zwischen den Zuschauern in dem dunkeln Raum. Die Architektur des Hauses blieb ein Mysterium, aber die Leute spazierten von einem Video ins nächste. Dabei folgten wir Besucher alle gemeinsam von Projektion zu Projektion und rätselten was als nächstes passiert. Toll! 


Die dritte Lokation war an dunkler Keller mit Zweiter Weltkrieg Thema. Nichts neues. Keine neue Methode oder Idee. Leider. 
Alleine für die Videoinstallation und die bunten Bauklötze mit dem Freud Haar Teppich hat es sich gelohnt. Ich habe wieder gemerkt, wie bescheurr überhypt Ai WeiWei (und zur Zeit auch oft Installationskunst) überall auf der Welt sein kann. 

Ich war auch begeistert, dass jetzt fast überall in Museen Aufnahmen erlaubt sind. 

Traut euch Kunst. Und empört euch über fehlerhaften App-Blödsinn. Aloha, my beauties.

PS hier noch schnell ein paar Instagram-Spiegelungen:

 

Von Landschaftsgärten ohne Rente

Da sich meine Groupies beschwert haben, dass ich hier schon lange nicht mehr den Impulserhaltungssatz an meiner Tastatur überprüft habe, schreibe ich heute über das erholende Nichtstun.

Es geht um Parks. Japanische Landschaftsgärten natürlich. Wer jetzt etwa aufmuckend vor sich hin brabbelt, dass so etwas ja nur Rentner und Romantiker-Touristen ans Kassenhäuschen lockt, dem muss ich gleich vor warnen:

Ich habe mein offizielles Ojii-san (Alter Typ, Opi) Zertifikat vor einer Woche vom Stadtteilrathaus abgeholt und darf mich jetzt ungehindert der ewig gestrigen „Alles war besser“ Methode hingeben, dabei gemahlenen Tee trinken und eben mit den anderen alten Opis in Landschaftsgärten den Foto-Chip meines iPhones zur Siedetemperatur treiben.

Kleiner Scherz.

Ich war in drei Parks hier in Tokyo, die alle von der Stadt verwaltet werden. Sie kosten alle Eintritt – ja liebe romantisierenden Sozialisten, Japan ist eine liberale… ich wiederhole… l-i-b-e-r-a-l-e Marktwirtschaft mit einem Einzelperson-Steuersatz von 22%. Da kosten dann Landschaftsgärten zwischen 2,80 Euro bis 1,20 Euro. Dafür sind alle Hecken perfekt gestutzt, jede MIkro-Jahreszeit ändert die Perspektive, die Klos sind nicht der Darkroom Ersatz für abgelehnte Berghaintouristen und es gibt sogar echte Tiere. Also Bio und so.

Der Erste Park ist der Rikugien Garten. Er liegt im Nord Osten der Stadt und ist um einen See herum angelegt. Über den kleinen Hügel kann man den ganzen Park bei einer leichten Brise gut erfassen.

Gemahlenen grünen Tee (Matcha) a la Teezeremonie kann man für 4,80Euro mit einer kleinen Süßigkeit aus Azuki-Bohnen am Rand des Sees zu sich nehmen. Perfekt, um den anderen Rentnergruppen dabei zu zuhören, dass jetzt Krankenversicherungen für Katzen der neuste Schrei bei über 65jährigen sind.

Hier die Fotos:

Der zweite Park ist der berühmte Hama-rikyu Garten aus der Top 8 Liste deines Grabbeltisch Lonely Planet Reiseführer. Er wurde von einer der Fürsten der Tokugawa Familie gebaut und liegt mit Wassergraben umgeben direkt an der Tokyoter Bucht. Von hier aus kann man die Fähre zu all den anderen wichtigen Sights auf der Geheimtip Besten Liste deines Prenzlauer-Berg Uppermiddleclass-Normaden Reiseblog von Angelika nehmen und so richtig Japan erleben.

Das taten auch alle Touristen in dem Park. So richtig Japaner sein, ähm spielen. Selfisticks sind zwar langsam nur noch bei den ganz billigen Pauschaltouristen anzufinden, aber anmutig und folkloristisch in der Tracht der lokalen Bevölkerung durch die Gassen zu stolzieren ist auch bei den höher preisigen Design-Hostel Touristen mit dem Komplettoutfit nicht passender Signalfarben der aktuellen Wolfskin Sommerkollektion in Hit.

Er im grauen, musterlosen billig Kimono (im Sommer! IM SOMMER!!!!, Ok, es gibt natürlich auch Sommer Kimonos) mit knall gelbem Obi-Gürtel, denn wer keinen Geschmack hat, hat Signalfarbe. Und sie im zart Blütenfarben-Pastell-Kimono (im Sommer! IM SOMMER!!!!) mit nur einem Hauch von Muster, keiner echten Seide und einem farblich verblassend langweiligen Obi-Gürtel und drei Tonnen Spiegelreflexobjektiv. Und Selfistick.

Wenn Karl Lagerfeld nicht noch durch Ananasstücken und Arte-Reportagen am Leben gehalten würde, hätte er spätestens jetzt die Lambskin-Leather Zombi Apokalypse eingeläutet. Für alle die es noch nicht bei Siri nachgefragt haben: Im Sommer (Meistens zum Feuerwerk oder zu Festen) trägt man Yukata aus Baumwolle mit Print. Der Obi des Mannes muss schlicht sein und der Kimono plus Obi der Frau muss total dekadent sein. So als Kurzfassung. Main Point: Teure Stoffe.

Aber wenigstens hatten sie Spass in ihrer Folklore. So richtig echt. Total authentisch. Ich glaube die drei Tonnen Plastik des Disney Schlosses in Florida sind nicht echter. Und mit Neoklassizismus habe ich eine Familiengeschichte.

Matcha gab es auch dort. Der Park ist nicht zu empfehlen, weil die anderen so viel besser und einfacher zu erreichen sind. Hier die Fotos:

Der dritte und vorerst letzte Park ist der Koishikawa Korakuen Garten. Er liegt im Osten der Stadt in einem Kaffee Zentrum mit vielen Kanälen und einem Moderne Kunst Museum.

Dieser Park gefiel mir am Besten. Denn er war kleiner, hatte natürlich keine Touristen, war landschaftlich am aufwändigsten gestaltet mit kleinen Objekten und hatte vor allem Tiere. Koi-Kapfen, Schildkröten, und kleine Kraniche. Total süß und hübsch.

Der Park ist auch um einen See herum angelegt. Und der Besucher wird über die Route auf großen Steinen im Wasser zum Abenteuer Jump and Run aufgefordert. Auch gab es hier die meisten schattigen Bänke zum beobachten der Tiere, die alle Beteiligten herrlich amüsierten. Ich glaube ich bin bereit für die Rente.

Dieser Park hat kein Teehaus, leider. Dafür gibt es um die Ecke zwei sehr gute Kaffeeröstereien: Blue Bottle und Allpress mit weiterhin Trendfaktor.

Hier die Fotos:

IMG_2990 Klickt auf die länglichen Panorama Fotos, um sie in voller Größe zu laden und besser den Panorama Eindruck zu bekommen.

Hoffentlich haben diese ganzen fantastischen Hochkultur Fotodateien euer Lidl-Mobil Datenvolumen vor Monatsende nicht absaufen lassen und ihr müsst jetzt auf die HD Hastag-No-Filter Selfies bei Tinder verzichten. Ist eh romantischer ohne Foto.

Bildung bildet. Mata, ne.

 

Angepasstes Gründer-Marketing der TUM

Meine alte Universität, die sich immer gerne selber Alma Mater nennt, verfolgt mich auch bis nach Japan noch stoisch weiter. Denn sie will Geld. Sie denken, dass sie das neue Stanford seien können. Wenn ihr diesen Seiten lange gelesen habt, wisst ihr, dass es keine Rosamunde Pilcher Love-Story zwischen mir und meiner Uni war.

Heute habe ich gerade mal wieder deren Magazin für Alumni in einem aufwändig gestalteten Hochglanzformat „KontaktTUM“ erhalten. Und es ist natürlich furchtbar. Einmal durchgeblättert sieht man schon wie innovative Zukunft auszusehen hat. In genau zwei Klassifikationen: Ältliche graue Herren mit Anzug und Krawatte, leicht dicklich mit furchtbaren 80er Bärten. Und Nummer Zwei: junge, dynamische, weiße, Männer ohne Bärte im Sacko oder Anzug oder blauem Hemd und Kakihose, anfang/mitte Dreißig.

Es gibt kaum Frauen auf den Fotos, oder Leute die irgendwie anders aussehen durch ihre Hautfarbe, Klamotten-Stile oder Anmutung als diese beiden Typen oben. Die TUM hat nicht nur 5% Frauen und auch nicht nur 0% ausländische Studenten, geschweige denn andere Gruppen. Wieso werden diese hier überhaupt nicht gezeigt? In Kalifornien wäre das -zumindest in den Broschüren- unmöglich.

Sie scheinen nicht in das Bild der männlichen jung-dynamischen aber FDP-Parteilinie treuen TUM zu gehören. Und dieses ist eine staatlich finanzierte Universität, für deren Existenz zum größten Anteil alle Menschen mit ihren Steuern zahlen. Dem Finanzamt hingegen, wie ihr wisst, ist euer Klamotten-Stil, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung usw. natürlich scheiß egal. Für alle gilt: Höchststeuersatz, Kinders.

Alle Jung-Dynamiker derweilen, so scheint es, gründen aus. Denn die TUM scheint nichts anderes produzieren zu wollen als Ausgründungen. Keine sozialen, wissenschaftlichen oder persönlichen Entwicklungen ihrer finanzierenden Gesellschaft, der sie finanzierenden Individuen oder der sie rechtfertigenden Wissenschaft scheinen wichtig genug zu sein, wenn man ausgründen kann.

Foto KontaktTUM
Foto KontaktTUM

Und auf dem Foto seht ihr es (wenn auch schlecht umgesetzt). Seit (ich nehme es an, denn es ist nicht richtig wissenschaftlich angegeben, ups) 1990 scheinen diese ganzen 800 Ausgründungen nur 16.623 Arbeitsplätze geschaffen zu haben (Schlecker hatte mal mehr als doppelt so viele Angestellte). Taschenrechner: 20 Leute Pro Firma, über 27 Jahre Zeitspanne.

Und so eine Ausgründung basiert auf Fördergeldern vom Staat. Staatliche Forschungsfördergelder für die Projekte in denen die Erfindungen (Patente) entstehen, besondere Fördergelder für die Produktreifung des Patents in der Hochschule und Ausgründungsförderungen bei Gründung und weit danach. Davon kann man ja mal 20 Leute eine Weile halten. Über Gewinne, Börsengänge, Schließungen, Aufkäufe, Arbeitsbedingungen oder das durchschnittliche Gehalt der Angestellten wird hier nicht gesprochen. Auch die Art der Firmen werden nicht erwähnt (kleine Consultings, Architekturbüros, Sportstudios, Einzelhandelsläden, Selbstständige mit Sekretärin usw. sind nach manchen Studienrichtungen sehr weit verbreitet).

Aus meiner Sicht ist natürlich eine staatliche Förderung solcher forschungs-intensiven Projekte sinnvoll. Sie fördert die Wirtschaft, schafft Arbeitsplätze, erzeugt passende Fachkräfte und Know-How, hält das Land wettbewerbsfähig und bringt Studenten und Doktoranden schnell an Herausforderungen des Markts oder eines Unternehmens. Ich habe selber ja schließlich für Fraunhofer gearbeitet, deren Hauptaufgabe diese Art der Innovations-Subvention ist. Es scheint nur hier sehr dubios von der TUM als ein alternativloses Hurra-Marketing verdreht zu werden. „Ausgründung oder Scheiße“.

Das Ziel der Alumni Kampagnen der TUM ist, wie sie es selber auch darstellt, Spendengelder einzusammeln. Ein leerer Überweisungsträger ist schließlich auch das einzige, was die TUM einem neben dem Zeugnis nach der Graduation überreicht. Sie zeigt aber nur wie junge, weiße, Ralf Lauren Model Männer mit manchmal etwas nebulösen Ideen Geld machen können.

Wo ist denn da die Story? Für wen sollte ich denn da Geld spenden? Warum braucht die TUM dann überhaupt noch Geld? Was macht die breite Mittelschicht nach der Ausbildung? Wo sind die coolen, innovativen Festanstellungen? Wie aufsteigen trotz unterbezahlter, befristeter Leiharbeit oder Praktikanten-Startup Jobs? Und wo sollte meine lesbische Tochter mit Migrationshintergrund (fiktiv) Maschinelles Lernen studieren?

So und jetzt zurück zur Bay Area (Silicon Valley): An der UC Berkeley demonstrieren zur Zeit sehr laut viele Menschen gegen Hass und für Inklusion und Toleranz. Auch in Berkeley entstand das Free Speech Movement, In San Francisco war lange der Kern der sexuellen Minderheiten aktiv und Oakland war die Keimzelle für Proteste von Schwarzen. Asiaten schmeißen heute viele wichtige Forschungslabors in Stanford und eine heiße Feminismusdebatte und Anti-Klüngel-Diskussion ist im Gange in San Jose. In München zur selben Zeit: O’zapft is.

Wenn Sie Innovation wollen brauchen Sie auch die Kontroverse. Und Sie brauchen die Vielfalt. Peace out.

Japanische Nachbarn

Fuji from the train
Fuji from the train
If you just wanted something simple for dinner
If you just wanted something simple for dinner

Es ist Samstag und ich sitze nach einer ausschweifenden Pop-Party leicht verkatert vor meinem grünen Tee. Da klingelt es an meiner Tür. Meine neuen Nachbarn sind an der Gegensprechanlage.

„Guten Tag, wir sind ihre neuen Nachbsrn und würden uns gerne vorstellen“. Ich etwas verdusselt also schnell die Hasre gerichtet und etwas misstrauisch vor Versicherungsvertretern oder den TV Gehühren-Eintreibern die Tür geöffnet. Vor mir ein jetzt verdutzt den großen Ausländer an schauendes junges Pärcheb in schicken sportlichen Streetwesr Outfits.

„Guten Tag, wir sind gerade eingezogen.“ Ich natürlich auf Japanisch geantwortet um ihre Panik vor Sprachbarrieren. gleich zu unterbinden. Ich bin Deutscher. Ja ich arbeite in Tsukuba für eine Roboter Firma.

Sie seien noch nicht verheiratet. Deshalb haben sie zwei Namen am Klingelschild. Ich fand das irgendwie süß. In deutschen Geoßstädten wäre das wohl kein Thema gewesen.

Und sie haben mir auch etwas mitgebracht. Es wäre ja wirklich nur etwas kleines. (Eine normal Redensart bei Mitbringseln) und so überreichten Sie mir noch eine hübsche Tüte mit perfekt designt verpackten Keksen.

Meinen Namen werden sie sich wohl nicht merken können. Hoffentlich bin ich nicht zu laut, wild oder schmutzig. Die ein oder andere Session Spotify Teen Party Playlist gönne ich mir nämlich gerne mal laut.

Ja es ist schon anstrengend Ausländer zu sein. Ich muss mich immer bestens benehmen, sonst denken die Leute noch Deutshclsnd wäre so ein Bierverseuxhter Affenstsll mit Wurstsucht und ohne Zivilisation.

Aber Japaner sind da sehr angenehme für Auswanderer . Sie vergeben einem viel, beschweren sich selten, sind nur manchmal unterschwellig roff rassistiscj und einfach so herrlich nett, interessiert und oft sogar informiert. Wie liberale demokratische Gesellschaften halt so sind. Und SPrachkenntnisse sind einfach immer der Türöffner.

Also unterrichtet mehr Deutsch. Und bringt euren Nachbarn mehr Kekse. Peace out.

Laute Volksfeste

   

Nakameguro Straße am Fluss

 Auf dem Weg zu einer Gay Bar. 

Meguro Fluss in Erwartung des Rosanen

Roboter ohne Motivation  

   
Seit dem buddhistischen Fleisch Verbot im Mittelalter ist Vegetarismus in Japan eher out. Aber weil es ja gerade überall sonst so im Trend ist, ziehen Hippe Girls auch mal nach mit diesem pflanzlichen Curry. 

  Tsukenmen sind Ramen Nudeln nur getrennt zum dippen und schlürfen. 

Fleisch zum Mittag  
  Tokyo Tower ist jetzt out. 

 
Luxus Soba in Harajuku. Dafür habe ich 1,5h angestanden und es war es wert. 

Hier wird es Frühling. Zeit für das laute Chaos des Hanami, Kirschblütenanschauen. Und obwohl dies in deutschen Filmen und Büchern immer gerne total verkitscht romantisiert wird, ist es eigentlich vergleichbar mit dem Oktoberfest in München oder Karneval in Köln. Laut, voll, dreckig und besoffen.​
Es ist ein gesellschaftlich akzeptierter Grund sich schon Vormittags in aller Öffentlichkeit völlig zu besaufen und total blöde zu benehmen. Nur ohne lästige bäuerlichrustikale oder billigpornöser Verkleidung. Für das gibt es hier eh viele andere Möglichkeiten wie zB jeden Tag in Modegegenden oder auf Untergrundparties oder besonders zu amerikanischen Feiertagen, worauf einen dann wirklich jede letzte Supermarktwerbung oder Fastfood Sonderaktion verlässlich hinweist. Und die rosa Wölkchen an den Bäumen sind natürlich schon süß. Denkt aber nicht, dass die Japaner wie in diesen billigen Filmen oft dargestellt dazu eine biochemisch andere Gefühlslage haben als die Deutschen. Bei den letzteren steht oft nur eine maskulin verklemmte Einstellung zum öffentlichen Bekenntnis von Emotionen im Weg (und eine Dekadenz ablehnende christlich puritanistische Grundhaltung in manchen Gegenden). 

Hier schonmal ein Foto der Vorfreude vom Meguro Fluss. Eine Gegen gut verdienender Yuppies mit oder ohne kleinen Kindern bzw. Hunden. Die Blüten kommen nächstes Wochenende. Die Stadt fiebert jetzt schon. 

Helau.  

Stuttgarts Cafe Kultur



Für mich ist die Cafe-Kultur einer Stadt ein Indiz für die Avantgarde, Offenheit, Weltgewandtheit oder Innovation einer Stadt. Also gehe ich immer gerne in Cafes. Ich spreche oder beobachte die Leute. Ich teste die Küche und die Milchschaum-Blüten. In Stuttgart mache ich das natürlich auch.

In San Francisco wird einem schnell das flippige, weltgewandte Hippe klar, der Sinn für die Details der Foodies oder die etwas angespießte links konservative Gay-Culture oder Hippiehaltung. In München wirkt das Italienische – der Schick- durch, aber auch diese vergangene Künstler Bohemia und die Schwabinger Studenten spürt man in den Cafes. In Tokyo leben die 50ger in den Cafes und gleichzeitig der internationale Zeitgeist in den Trendvierteln. Alles ist weltgewandt und mit viel Liebe zum guten Geschmack und Stil.

Aber auch Stuttgart spiegelt sich selbst. Weltgewandt ist man hier kaum. Selten gibt es WLAN. Die Cafes grenzen irgendwie immer ans Spießige und trotz der kurzen Öffnungszeiten sind die paar trendigen Locations oft anstrengend überfüllt. Das Personal ist oft verplant und leicht unfreundlich. Aber oft ist der Kaffee sehr gut, die Milchschaumblüten sind hübsch und manche haben auch ausgefallene Snacks oder ein lustiges Interieur. Solche Oasen der modernen Lebenskultur sind aber sehr selten, obwohl die Kundschaft sie dann lieben. Komische zwiespältige Kultur. Es scheint so als ob hier niemand den eigenen Kunden versteht und innovativ ist oder der Kunde ist zu passiv – nur hinterher schwimmend hinter dem Zeitgeist.

Naja. Mal sehen wo ich als nächstes hin komme.

Auf den Fotos seht ihr den fast leeren Cappuccino im ultra trendigen Sperrmüllcafe Molou. Das zweite Foto zeigt das neue Eckcafe sans Möbel Mokuska. Beides im Stadtteil West.

Grüße an meine Geliebte, die Avantgarde.