Testing in Tokyo

Ok, Kinders, tief durchatmen. Ich bin ein mitte 30er Mann mit einem einigermaßen ausgeprägten Sozialleben und schwul. Da braucht man manchmal einen HIV Test. Wie Mutti immer sagte, sicher ist sicher.

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In Tokyo ist das aber so eine Sache. Test werden eher nicht von der Versicherung bezahlt (oder es wird einem dringenst davon abgeraten). Zur Referenz für die Ungetesteten: In Berlin kostet ein Test beim Hausarzt als Vollzahler (aus Privatsphäre Gründen ohne Versicherungsinformationsweitergabe) so 30 Euro. Kostenlose Tests bieten mehrere NGOs und Gruppen auch zu abendlichen arbeitnehmerfreundlichen Zeiten an. Denn wie alle wissen: Homosexuelle sind öfter als nicht Overachiever in Fast Moving Creative Industries, also know as Yuppies mit Tendenzen zu DINGS, und keine Hausfrauen mit langen Latte Lunches und Zeit für Tagübertests.

In Japan gibt es eine zentrale Webseite für HIV Test Ressourcen und Listen mit Testorten. Auf Englisch empfehlen sie einem dort nur einen einzigen Ort in ganz Tokyo für kostenlose Tests. Kurzes Wikipediaupdate. Tokyo ist eine Stadt mit 8 Millionen Einwohnern nur im Kern und 36 Millionen im Einzugsgebiet, die größte Stadt auf diesem Planeten, die liberalste in Asien und die mit wohl dem größten Schwulenviertel in der ganzen Region. Es gibt nur EIN Test-Zentrum für kostenlose Tests auf Englisch! Und das testet einen gerne so 4 mal im Monat aber nur gegen Nachmittag, 25 Leute max. Arbeitnehmer sind da nicht vorgesehen. Es gibt Nacht Tests. Und jetzt der Hammer. Zwei – mal – im – Jahr! Und maximal 50 Leute!

Es gibt natürlich andere Test Orte. Die kosten aber und findet man nur auf Japanisch. Ich war mal bei einem, ich habe vergessen genau wo. Es war sehr anonym. Jeder Patient wurde in kleinen Wartekabinen platziert und man durfte sich im Flur auch nicht begegnen. Alle trugen Atemschutzmasken, um das Gesicht zu verbergen. Das einzige Mal wo ich so eine Situation erlebt habe war im Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen in Berlin als psychologisches Einschüchterungsmittel. Ich war schon sehr schockiert und fand es sehr gruselig. Ich war da für einen Routine Medizin-Check auf Basis faktenbasierter, klinisch getesteter, internationaler Forschung, den in meinem Alter eigentlich fast jeder mehrere male im Jahr machen sollte. Drama Drama. Der Test kostete 8000yen (65 Euro, gefühlt eher so 80 Euro).

Es gibt für gleiche Preise Selbsttests per Post und viele Stadtbezirke bieten auch nur meist so 2 mal Jährlich oder einmal monatlich zu unmöglichen Zeiten kostenlose Tests in völlig abgelegenen Orten an. Meinen Stadtteil Adachi-ku, ein eher Arbeiter- und manchmal auch Gangsterstadtteil, habe ich mental da schon abgeschrieben.

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Jetzt war ich gerade bei dem kostenlosen Test Zentrum von oben auf Englisch in Shinjuku. Es liegt in einer dubiosen Gegend gleich neben so leidenschaftlich grauenhaften Organisationen wie eine gewisse pseudowissenschaftliche Stromschocker Sekte mit S aus den USA. Also erstmal mega Ghetto-Feeling. Das Ding selber ist in einer Steuerbehörde, auch so ein Mysterium. Zur Erinnerung: HIV Tests sind ein medizinischer Test, der von Ärzten in einem Medizinischen Setting durchgeführt werden sollte. Why not a Hospital or Clinic? Warum die Steuerbehörde im Ghetto für das einzige große kostenlose Testzentrum in Tokyo?

Es war Resultate Tag und ich wurde abgelehnt. Keine Tests an dem Tag. nur Resultate, die auch nur persönlich mit einer Woche Wartezeit mitgeteilt werden – nicht per Post oder verschlüsselter Mail oder Message etc.. Nächstes mal wäre dann nur wieder abends im Juni (in 6 Monaten) oder nachmittags in einem Monat. Meine Gesundheit ist wohl so wichtig wie Plastikmüll – und ich bin Voll-Steuerzahler.

Japan hat 127 Millionen Einwohner. Bei einer Rate von 5% macht das mehr als 3 Millionen männliche Homosexuelle, die alle gerne solche Tests machen würden. Japan ist ein OECD Land, die dritt größte Wirtschaftsnation der Welt, mit einem der besten Gesundheitssysteme der Welt, den ältesten Leuten und den best ausgebildeten Ärzten, einer riesigen Medizintechnik- und Pharmaindustrie. Es gibt keine ausreichende Infrastruktur für HIV Tests.

Das Problem ist also nicht eines des medizinischen Fachwissens, der Ausbildung der Ärzte, der medizinischen Infrastruktur, der notwendige Technik oder der Finanzierung. Es ist ein Problem des Willens. Denn die Nation, aus der Ende des 19. Jahrhunderts das gesamte Medizinwissen mit samt Vokabular importiert wurde und die zufällig auch ein OECD Mitglied und halt eben viert größte Wirtschaftsnation auf dem Planeten ist mit einer eben so großen Medizintechnik- und Pharmaindustrie, bekommt es hin! Das, meine lieben Botnetze, Webcrawler und Internettrolle, ist Deutschland.

In zwei Jahren ist hier Olympiade. Jede menge junger, sexy Sportler aus aller Welt, viele junge aufgeschlossene Touristen und viele interessierte, offene Metropolbewohner. Na wer da keine leicht zugänglichen, und billigen STD Test Zentren en mass produziert, hat mal eben schnell mehrere Epidemien an der Hand, und nicht nur im eigenen Land. Berghain-Feeling. Völlig verantwortungslos.

Ich gehe morgen zu einer englischsprachigen Klinik mit speziellem Fokus auf STD Tests. Es kostet wohl so 4000yen (32 Euro), wie in Berlin. Ich muss aber die Mittagspause opfern. Außerdem wird wohl bald im jährlichen Gesundheitscheck für jeden ein HIV Test mit als optionaler (und hoffentlich kostenloser) Zusatztest kommen. Ich hatte das dieses Jahr noch nicht und sofort eine heiden Panik in meiner Klinik ausgelöst, als ich danach gefragt habe. Ein Freund von mit benutzt es wohl schon.

Vielleicht bin ich da naiv oder ein arroganter Multikulti-Yuppie mit überbeanspruchtem Reisepass, aber ich erwarte von einem OECD Land einen gewissen Standard in Zivilisation. Und leicht zugängliche, einfache, billige HIV/STD Tests sind einfach Teil dieser Industrieland Standard Services.

Übrigens, die Ehe für alle ist das jetzt auch. Weiter gehts: Zivilisation – Update, klick, download and play. 👬👭🦄

Neu 👓

Ich hatte vor etwas über fünf Wochen eine Operation am rechten Auge wegen Grauem Star. Eigentlich für Senioren, aber bei mir war das eine Folge des frühkindlichen Augeninnenüberdrucks und meiner daraus resultierenden Kurzsichtigkeit.

Jetzt ist die Linse raus. Genau wie links auch schon. Die ersten Wochen habe ich noch mit der falschen Brille gelebt, aber alleine die knalligen Farben und hohen Kontraste waren schon wie ein Drogentrip auf Dauerschleife.

Das Beste ist, dass ich endlich eine Gleitsichtbrille machen lassen konnte, denn beide Augen sind jetzt gleich weitsichtig ohne jegliche Linsen. Das lässt sich mit aktuellen Plastikgläsern viel besser kompensieren als meine grauen, verformten und verschobenen Linsen.

Ich kann jetzt zum ersten mal im Leben mit Beiden Augen ca. 100% sehen.  Mehr als doppelt so viel als noch vor zwei Jahren. Ich kann mit beiden Augen das mehr oder wenigeer gleichgroße Bild wahrnehmen und mit Beiden Augen die gleiche Farbentiefe erkennen. Fantastisch!

Wusstet ihr eigentlich wie viele Leute schlechte Haut haben? Ich hätte das ja nie ahnen können. Wieso hat mir das denn vorher niemand gesagt…

Das Beste ist, dass ich durch die Gleitsichbrille per Nackenbewegung meinen Fokus jetzt selber setzen kann vom iPhone Bildschirm hin zum Stationsnamen draußen vorm Fenster der Bahn sind es jetzt Millisekunden und kein Brillenwechsel oder Ratespiel mehr.

Ich bin noch ständig müde, wie nach viel Sport. Installing update, please hold on. Please hold on…. ABer das kommt.

So schockierend die Veränderung ist, so schnell ist sie auch normal. Und so schnell werden auch die Erinnerungen an alles im Nachhinein angepasst als ob es schon immer so wäre. Verrückt dieses Gehirn.

Japanische Glastechnik und japanische Mediziner kann ich nur empfehlen.

Hugs and kisses. Auf ein schärferes Wiedersehen! 🤓🌶

Bisschen schwul? Podcasts dafür

Nancy: aus New York, natürlich, mit zwei herrlich witzigen Hosts, einer schwul, eine lesbisch. Immer andere Themen und Geschichten um LGBT Leute, ihr Leben und die Erfolge. Manchmal ist es sehr rührend und manchmal reist der Lachanfall nicht ab. Hat bestimmt Preise und Feuilleton Auszeichnungen gewonnen, denn der Zeitgeist trieft aus der Lautsprechermembran und die Autoren geben allem Hörern einen Feel-Good-Hug.

Food 4 Thot: Stellt euch Sex and the City vor, nur mit vier Schwulen Jungs statt den Mädls. Alle eine andere Ethnie, alle Dichter und alle voll auf Rosé jede Folge. Alles etwas notgeil, aber laut lachen in der U-Bahn zur Rushhour ist auch einfach geil. Ja die sprechen viel über Sex. Aber durch die Gedichte und Literatur Referenzen kommt schnell auch Intellektualität auf.

Bonusrunde:

Fest & Flauschig: Eigentlich gar nicht schwul, aber wer gerne zwei Männer in den besten Jahren intim plauschen hört, dem empfehle ich Jan B aus Köln und Olli S aus Hamburg und Berlin. Ablästern, Prom-Schnack, Bettgeschichten und Politika. All in one. Nur bei Spotify.

👏

Rede des Bundespräsidenten vom 3. Juni 2018: „Gedenken an die verfolgten Homosexuellen in der NS-Zeit“

Auch Ihre sexuelle Orientierung, auch Ihre sexuelle Identität stehen selbstverständlich unter dem Schutz unseres Staates. Auch Ihre Würde ist so selbstverständlich unantastbar, wie sie es schon ganz am Anfang hätte sein sollen.

👏👏👏

🏳️‍🌈🇩🇪

Tokyo Rainbow Pride 🏳️‍🌈

Die Gay Pride, oder Christoper Street Day, Zeit fängt früh an in Tokyo. Bei 26 Grad im Mai auch kein Wunder.

Das zweitägige Event hat ein Straßenfest am Yoyogi Park, dem Hipster Hangout der Stadt, und eine Parade am Sonntag vom Park über Shibuya und Omotesando eine große Runde durch Modeviertel und Pop-Kultur Zentrale. Very gay eben.

Dieses Jahr war es die größte Parade überhaupt! Japan bewegt sich langsam in LGBT Rechten. Es gab doppelt so viel Gelder durch Sponsoring und auch viel mehr Wagen mit jeweils über 80 Leuten als wuselnde Regenbogen-Bande dahinter.

Ich bin bei der EU mitgelaufen. Weil Deutschland peinlicherweise diskrete Abwesenheit praktizierte, trotz des historischen und neuen Ehe für Alle Gesetzes, bin ich mit EU und UK Flagge kreischend mit-gewuselt. Herrlich.

Es gab auf dem Strassenfest auch einen schwulen buddhistischen Mönch, der Gleichgeschlechtliche Hochzeiten ohne Gesetzeseffekt vollzieht und lautstark seine Sutren verlas. Denn nur einige Stadtteile Tokyos (Shibuya und Setagaya) und ein paar Präfektur-Hauptstädte (Naha, Fukuoka und Sapporo) haben kleine lokale Partnerschaft-Gesetze für Homosexuelle.

Doch die gelten nur in diesen kleinen Gebieten und sind natürlich sehr minimal, da viele wichtige Dinge national or auf Präfektur Ebene entschieden werden. Wir hoffen weiter.

Die Parade war wiedermal großartig.

Liebe hofft weiter. 🏳️‍🌈❤️🧡💛💚💙

Nachtrag (7.5.2018): Der deutsche Botschafter war wohl doch mit auf der Parade und mehrere EU Botschafter standen auf der Bühne. Aber deutsche Flaggen, Flyer oder Fächer gab es keine und auch keinen Stand von Deutschland, obwohl Berlin ja für Gay Tourismus eine der Weltstädte ist.

New York Rückblick

Jetzt sitze ich mit Grünem Tee wieder in Tokyo, schau dem Skytree entgegen und genieße die Sonne in meinem Apartment. Die Regentage in New York liegen hinter mir, aber ich wollte euch noch meine Eindrücke und Reflexionen übermitteln.

Im grauen Wetter steht noch am letzten Tag der gelbe Käfig von Ai Wei Wei am unteren Ende des Central Parks. Etwas verlassen und unbeachtet überlappt das Gelb sich mit den im Regen fahrenden Taxis. Immigration ist wohl sein Thema. Grenzen. Es ist eine interessante Installation so alleine nur mit mir, der Reisende. Besser als viele von ihm. Fast banal und unbemerkt schleicht es sich in den Alltag.

Banal und unbemerkt habe ich mich dann auch geschlichen. In den Apple Store natürlich. Ich wollte den HomePod ausprobieren. Diesen kleinen Lautsprecher mit Siri Funktion hatten sie am Vortag in die Läden geschickt.

Die hippe Verkäuferin lässt ihn mich ausprobieren. „Hey Siri, play Boys“ sage ich. Das Gerät bestätigt und spielt sofort los. Die Verkäuferin lacht. „Hey Siri, turn up the volume!“ sagt sie. Und sofort ist der riesige Apple Laden voller nasser Touristen und digital überforderter Rentner erfüllt von der Pop-Hymne an süße Männer. Ich lache laut und sie nickt grinsend.

Der Sound umwerfend für die Größe. Die Höhen etwas flach irgendwie. Aber für die Sparschwein Größe durchdringt „I am thinking of Boys“ die laute Geräuschkulisse der Verkaufsgespräche. „Play the 9th Symphony of Beethoven. “ super. Europas Hymne klingt auch gut vom Assistenzgerät. „Play Star Wars“. DümdümdümDöööh! Alle drehen sich jetzt um. Krieg der Sterne auf Volllautstärke. Wir lachen. Ich bedanke mich und gehe. Aus dem Schaufenster winken mir die anderen Verkäufer lachend zu. Ich musste noch den ganzen Nachmittag grinsen über diese kleine Geste der Verkäufern mit dem Hit der Schwulen Jungs. Herrlich.

Mein nächster Stop war das MoMA um die Ecke und mit Boys auf dem Lippen ließ Google Maps mich sogar am Trump Tower vorbeimarschieren. Es regnet.

Das MoMA ist einfach zu witzig. Ich habe erstmal für eine DarkRoom Installation Performance 4üMinuten angestanden. Aus Kuba. Über Unterdrückung und Romantisierung. Die Performer waren natürlich nackt. Dazu Staatsfernsehen und Zuckerrohr am Boden. War sofort wegzensiert worden im Ursprungsland. In Berlin wäre das dagegen ein ganz normaler Sonntag morgen.

Dann in der permanenten Ausstellung super Stücke, klar. Ein Raum nur Gerhard Richter. Und ich konnte es mir nicht nehmen lassen den anderen deutschen Touristen kurz von hinten ins Ohr flüsternd klar zu machen, dass der auch ihre Moderne repräsentiert. Kölner Dom, People.

Als Mittag gabs Lachsbrötchen mit Avocado. Die Bedienungen hatten alle Oberarme und Nacken vom Discount-Gym. Vorhersehbar unverschämt teuer.

Dann war der Tag auch fast rum. Noch ein Wiedersehen mit einem alten Mitbewohner in einer Kneipe wie in Kreuzberg. Statt Döner eben Burrito. Gin and Tonic, Same Same.

Den letzten halben Tag verbrachte ich zu Fuß im Trend und Gay Viertel Hell’s Kitchen. Das Green Curry im Thailädchen war hot. Die Jungs auf der Straße auch. Nur etwas verschlafen schien die Kreativszene um 12 mittags noch zu sein.

Beim Hipster Hangout im Bäckereicafe einer mexikanisch-amerikanischen Mutti schloss ich mich dann auch der Romane scheinenden Horde MacBook Priester mit gefärbten Haaren an. Alle ganz süß und individuell, oft als Pärchen. Frau Frau. Mann Mann. Fabelhaft.

Kurzzusammenfassung: Amerika gehts gut. Die Leute küssen sich auch weiterhin auf der Straße und Apple bezaubert weiter alle. Nur der Kaffee könnte etwas weniger sauer sein. Das Ding bis zum Ende durch rösten würde helfen.

Bussi bussi links rechts. 💋

Vom Hochbahn Park aus zur Emanzipation

Heute morgen bin ich nach einer Schlacht um billiges Toastbrot am Frühstücksbüffett mit wanna-be Models in Pauschalreisegruppen gleich raus und rein ins Grau der Wolken zum High Lane Park. Das ist eine ehemalige industrielle Hochbahn, die in einen Park umgewandelt wurde. Vorbild natürlich Paris.

Die Ausblicke, Kunstwerke und Hipster Kaffee sind fabelhaft. Es ist wie eine Museumstour durch die industrielle Vergangenheit der Chelsea Gegend. Aber seht selbst:

Der Park endet im trendigen Meatpacking District. Alles ist eher so wie in Berlin Mitte. Neue Luxuswohnungen und Industrial Architektur. Baustellen überall. Aber dort ist auch das neu gebaute Whitney Museum.

Ich war dort angekommen mit der Vorstellung die Sammlung schien nicht so spannend zu sein, wurde dann aber von großartig kuratierten Themen überrascht. Besonders hat mir die Ausstellung „An incomplete History of Protest“ gefallen. Sie zeigt von Bürgerrechtsbewegungen über Aids-Krise bis hin zu Polizeigewalt viele historische und aktuelle Protestthemen durch berühmte oder aufstrebende Künstler der Zeit bis heute.

Was mir dabei wieder auffiel warne die starken Emotionen der Afro-Amerikaner bei besonders zwei Kunstwerken. Eine tief von unten hochkatapultierte Trauer und Empörung.

Das erste war eine scheinbar kitschige Ansammlung von Sporttrophäen. Doch dann wird einem klar, dass jede Trophäe für einen durch die Polizei getöteten Afro Amerikaner in New York steht. Sofort wird das glänzende Gold in der Masse erdrückend.

Nebenan saßen zwei afro amerikanische Studentinnen auf dem Boden vor einer Leinwand, die Szene aus der Bürgerrechtsbewegung von schwarz-weiß TV Zeiten bis heute mit PopArt mischte. Ihre innere Wut und Unruhe war wie eine zitternde Anspannung für mich im Raum ausgebreitet. Es scheint mir, dass diese Debatte und Aufarbeitung gerade erst anfängt und wie bei einer Mageninfektion in Wellen wie Erbrochenes unkontrolliert hervorstößt. Es erzeugt einen starken Sog von Mitgefühl.

Ich habe keine Fotos von den Kunstwerken gemacht, denn sie wirken nur in der Interaktion mit den Mit-Besuchern. Aber einige Eindrücke aus dem Museum gibt es doch – vor allem wieder mit Skyline View.

Danach konnte ich Fashion Girls beim Warten auf den Einlass zu irgendeinem Catwalk vom Italiener aus beobachten und mich etwas entspannen von den starken Eindrücken vorher. Es ist Fashion Week im Regen.

Aber ich war noch an einem anderen wichtigen Punkt für Protest. Dem Stonewall Inn auf der Christopher Street. Hier finden die LGBT Protest ja in den 60ern an und in ganz Europa feiern wir bis heute deshalb den Christopher Street Day, wie ihr ja wisst. Heute ist es ein Nagelstudio einer Kette in einem völlig eingeschlafenen Yuppie Stadtteil – die Neueröffnung der Bar ist gleich nebenan.

Irgendwie ist es aber beruhigen, dass die gleichen spießigen Nuklearfamilien, die damals weder sexuelle Minderheiten noch dann Aids wahrnehmen wollten, heute mit Designer Babywagen die gleichen Cafés vollstopfen, wie die Schwulen Jungs in engen Casual-Sportswear Marken oder in den gleichen Lädchen Indie-Magazine kaufen wie die grauen gut situieren Double-Income-No-Kids Herren mit GQ-Covermodel Silberbart. Und es wird ein paar Blocks weiter auch etwas entspannter, trendiger und gefühlt jünger. Google ist ja auch da.

Bleibt vielfältig und immer schön die Nägel pflegen 🦄💅🌈