Weiteres Rot im Herbstlichto

Kameratouren sind Spaßig. Heute bin ich in den Yuppie Stadtteilen Naka-Meguro und Daikanyama rumgelaufen. Wieder mit der RICOH GR:

Dabei fielen mir natürlich sofort die vielen lässig ausgewählten Markenteile auf die alle außer die Touristen angeworfen hatten. Super schick natürlich. Herbstmodezeit eben.

Auf dem Rückweg kam ich am neu gebauten Hochhauskomplex Shibuya Stream vorbei wo ein früher überdauert Kanal neu geöffnet wurde. Aber alles sehr Beton-Begradigt. Nature No! Ist wohl das Motto. Etwas kühl dadurch und schade für die verpasste Chance auf Begrünung und Belebung.

Etwas entgegen dem Trend wieder 2000er Glasbausteine ohne Holz oder viele Pflanzen. Aber dafür viele kleine über bunte Instagram-Ready Fast Food Kneipchen. Etwas lahm im witzig, spritzigen Lemonadencocktail Shibuya.

🦖👯‍♂️🍹

Rötungen

Sexy Kostüme und wilde Touristenaufstände zu Halloween sind vorbei, neue iPhones sind draussen und die Japaner schmeissen die Kotatsu-Tischheizung an. Es ist Herbst und ich habe eine etwas ältliche Digitalkamera wiedergefunden und wieder ausprobiert. Ist es jetzt Retro mit Vollformat-chip und quadratischer Taschenkamera von Ricoh (GR von 2014) auf die Strasse zu gehen? Kein Filter und Onboard Raw Datei Entwicklung. Ich kenne es kaum noch, so ganz ohne iOS Auto HDR und Anti-Rockfoto always on Shutter Sound.

Naja die Fotos transferiere ich jetzt aber per überteuertem Apple Adapterstecker übers Endgerät in die Blogosphäre. Hier die Eindrücke aus Tokyo. Ohne Kommentare. Wie ein stiller Herbstspaziergang eben.

Die Technik funktioniert anscheinend noch super. Geniesst den Herbst mot Käffchen und Schweineschnitzel. 🍁🍂☕️

Tokyo Rainbow Pride 🏳️‍🌈

Die Gay Pride, oder Christoper Street Day, Zeit fängt früh an in Tokyo. Bei 26 Grad im Mai auch kein Wunder.

Das zweitägige Event hat ein Straßenfest am Yoyogi Park, dem Hipster Hangout der Stadt, und eine Parade am Sonntag vom Park über Shibuya und Omotesando eine große Runde durch Modeviertel und Pop-Kultur Zentrale. Very gay eben.

Dieses Jahr war es die größte Parade überhaupt! Japan bewegt sich langsam in LGBT Rechten. Es gab doppelt so viel Gelder durch Sponsoring und auch viel mehr Wagen mit jeweils über 80 Leuten als wuselnde Regenbogen-Bande dahinter.

Ich bin bei der EU mitgelaufen. Weil Deutschland peinlicherweise diskrete Abwesenheit praktizierte, trotz des historischen und neuen Ehe für Alle Gesetzes, bin ich mit EU und UK Flagge kreischend mit-gewuselt. Herrlich.

Es gab auf dem Strassenfest auch einen schwulen buddhistischen Mönch, der Gleichgeschlechtliche Hochzeiten ohne Gesetzeseffekt vollzieht und lautstark seine Sutren verlas. Denn nur einige Stadtteile Tokyos (Shibuya und Setagaya) und ein paar Präfektur-Hauptstädte (Naha, Fukuoka und Sapporo) haben kleine lokale Partnerschaft-Gesetze für Homosexuelle.

Doch die gelten nur in diesen kleinen Gebieten und sind natürlich sehr minimal, da viele wichtige Dinge national or auf Präfektur Ebene entschieden werden. Wir hoffen weiter.

Die Parade war wiedermal großartig.

Liebe hofft weiter. 🏳️‍🌈❤️🧡💛💚💙

Nachtrag (7.5.2018): Der deutsche Botschafter war wohl doch mit auf der Parade und mehrere EU Botschafter standen auf der Bühne. Aber deutsche Flaggen, Flyer oder Fächer gab es keine und auch keinen Stand von Deutschland, obwohl Berlin ja für Gay Tourismus eine der Weltstädte ist.

Das Museum für Afro-Amerikanische Geschichte

Auf dem Weg zum Museum für Afro-Amerikanische Geschichte in Washington DC schon versuchte meine Lyft Fahrerin mich zu überzeugen, dass es falsch sei jetzt die Statuen ehemaliger Sklavenhalter und Kriegshelden im Süden des Landes nach Jahrhunderten zu entfernen. Dass diese für einen großen Teil der Amerikanischen Bevölkerung Furcht, Demütigung, Angst und Grauen darstellen; dass gerade erst seid Obama überhaupt Menschen die Kraft und den Mut haben diese Gefühle aus zu drücken; dass sorters ein ganz Prozess eines Liberalen, demokratischen Wandels ist. All dies schien sie nicht zu kennen, nicht sehen zu wollen und nicht hören zu wollen. Wie die drei Affen des Buddhismus: Du sollst nichts Böses sagen, sehen und hören. genau die Affen, die die Japaner euch als Emoji in jedes Mobiltelefon und jedes digitale Endgerät eingebrannt haben. 🙈🙉🙊

Aber was sie wohl nicht wusste war, dass sie mich vor dem wohl wichtigsten Museums-Neubau des Kontinent seid dem sende des zweiten Weltkriegs ansetzte. Das Museum für Afro-Amerikanische Geschichte.

Es ist schwierig über das Museum selbst zu schreiben. Eingehüllt in ein braunes Metallgitter zwingt einen das Gebäude erstmal mit dem Fahrstuhl in den dunklen Keller herab zu fahren. In das Jahr 1400.

Von dort muss man sich über die Epochen langsam und mühsam wie der Weg zur Freiheit über Rampen nach Oben arbeiten. Es ist das erste mal, dass mir der Sklavenhandel und die Qualen, das Leben und die Erfolge der Sklaven aus Afrika von Geschichtsbuchtexten durch physische Objekte, Zahlen und persönliche Geschichte in die Realität katapultiert wurde. Das ist real, diese Menschen waren real, ihr Leben war real. Es ist wie ein Schock.

Die Emotionen sind stark in dem Gebäude. Trauer, Wut, Zorn, Erstaunen durch Konfrontation. Besonders stark wurden die Gefühle vor dem Sarg des getünchten Afro-Amerikaners in den 60ern, des Ermordung Rosa Parks dazu brachte sitzen zu bleiben, in dem Bus. Es ist ein Kristallisationspunkt. Auch des Aufbruchs und der Selbstermächtigung. Ich fühle diese Gefühle immer noch.

Ab dem Erdgeschoss dann wird es lebhafter. In den Obergeschossen werden Kunst, Kultur und Artefakte von Afro-amerikanischem Leben heute gezeigt. Musik ist groß. Aber Auch Poesie oder oder Sport und Film. Die Trauer vermischt sich mit Lebensfreude und einem stoischen Fortschreiten.

Die moderne Kunst von Afro-Amerikanern, die auch hier gezeigt wird, hat Obama selbst ins Weiße Haus gebraucht.

Aber es fehlt auch etwas. RuPaul, Rhianna oder Byonce, Will.I.am, Pharrell William oder Travis Noah und Dear White People waren wohl vergessen worden. Michael Jackson war nur eine Nebenrolle auf einer Wand zu den 80ern zugetan. Opera dagegen war mit großer Glassbox , Studio Ausrüstung und Abendkleid ganz prominent. Die Gegenwart der Zukunft als Symbol für die jungen Afro-Amerikaner unter 35 ist wohl noch zu diskutieren. Ich bin gespannt.

Alleine für dieses Museum müsst ihr nach Washington DC kommen. Es verändert die Welt und ist dabei leicht schüchtern und zuvorkommend. Aber es ist jetzt da. Im Herzen der Demokratie. Für immer.

Küsse und Umarmungen. 👏

Wabi-Sabi-ism, the essence of Minimalism

Japan has this very distinct term called Wabi-Sabi or 侘び寂び, which does not easily translate into German or English. 

Jisho.org defines it as follows: 

aesthetic sense in Japanese art emphasising quiet simplicity and subdued refinement​

Simplicity and refinement. Sounds familiar? Maybe it is. I, for one, have blogged about it’s marks on Japan and the world countless times. It can be in garden design, food preperations, architecture, tea bowls, modern furniture or even digital gadgets. 

First though I recommemd you to understand the historical development of the term. As outlined very well by the blog Tofugu, Wabi-Sabi was distilled by the higher classes in Japan especially during the Edo times of nearly full national isolationism. And it evolved to becoming the go-to adjective when describing most tourist attractions in Japan. 

At the end of the text the author cites a professor from the University of London:

[It is] very close to minimalism nowadays, but it’s minimalism with a conscious choice.

And that should sound familiar. Ever heard of Bauhaus? Or Form Follows Function? Functional simplicity through refinement and design improvements? Or even simple sustainable design?

The british Designer Jasper Morrison brought this point to me in an interview he had with the NZZ this spring. 

He is one of the big names behind Muji’s great array of houshold goods. And Muji is the perfect example of modern Wabi-Sabi or as you might think Bauhaus Design. 

Morrison calls objects that follow such a design „supernormal“ and discribes their simplicity like this:

 […] Dinge, die supernormal sind, sind nicht einfach nur alltäglich und gut, sondern bleiben über eine lange Zeit funktional und richtig. 

[…] Things that are supernormal are not just commonplace and good, but they remain functional and right for a long time. 

My entrie flat is furnished with them. Simple, great materials, completely functional and giving you a sense of undistracted self, when you sit in it. No pattern that distracts or kitsch that you have to endure. No unneeded hooks or buttons. Just right and simple. Like Bauhaus wants to be. 

But most people who visit it mistake me for some kind of religious minimalist. An extreme form of Zen that needs to be admired like a marathon runner or ascetic monk. However from the perspective of modern Wabi-Sabi or Morrison choosing things that last amd simply fullfil their intended function over the ages, is a logical and frugal solution and leads to improved design, rather than a religion for its own sake. Simplicity amd Refinement. 

Wabi-Sabi also includes the acceptance and design for wear and tear. Like in a perfectly functionally planned moss areangment on a tea house’s roof (Function is to make you feel in wild nature) or a imperfect glazing on a tea cup. The intention is to point to the imperfection and relish in it.  Modern design does this as well with ideas like planned ageing of concrete or the used leather of your iPhone case. 

Simplicity that lasts, accounts for the wear as a form of beauty because its function remains relevant. Let’s see how my Muji showroom apartment does over the years then. 

Get more design in your live. 👯‍♂️📱

Reading List: Vielfalt in Ingenieursberufen

Hier eine kleine spät-sommerliche Leseliste zur Vielfalt in Ingenieursberufen. Auslöser: das abartige und berüchtigte Manifest des ehemaligen Programmieres bei Google über die Rolle von Frauen in der Branche diesen Monat:

The Economist: The e-mail Larry Page should have written to James Damore

Und hier die darin genannten Blogposts und Artikel:

What do scientists think about the biological claims made in the document about diversity written by a Google employee in August 2017?

Here’s your point by point refutation of the google memo.

I’m a woman in computer science. Let me ladysplain the Google memo to you.

Tech’s Damaging Myth of the Loner Genius Nerd

So, about this Googler’s manifesto.

Alle sind sehr lesenswert und betrachten die falschen Fakten, den wirklichen Arbeitsplatz oder die Situation allgemein aus verschiedenen Blickwinkeln. 

Ich kenne diese Probleme natürlich all zu gut. Das Thema lässt sich dabei auf alle Arten von Minderheiten in technischen Branchen weltweit erweitern. Die Argumente sind oft sehr ähnlich und die verpassten Chancen für die Unternehmen und Forschungseinrichtungen die gleichen. 

Motto: United in Diversity
Mehr Vielfalt für euch. Tschaka!🌻