Wabi-Sabi-ism, the essence of Minimalism

Japan has this very distinct term called Wabi-Sabi or 侘び寂び, which does not easily translate into German or English. 

Jisho.org defines it as follows: 

aesthetic sense in Japanese art emphasising quiet simplicity and subdued refinement​

Simplicity and refinement. Sounds familiar? Maybe it is. I, for one, have blogged about it’s marks on Japan and the world countless times. It can be in garden design, food preperations, architecture, tea bowls, modern furniture or even digital gadgets. 

First though I recommemd you to understand the historical development of the term. As outlined very well by the blog Tofugu, Wabi-Sabi was distilled by the higher classes in Japan especially during the Edo times of nearly full national isolationism. And it evolved to becoming the go-to adjective when describing most tourist attractions in Japan. 

At the end of the text the author cites a professor from the University of London:

[It is] very close to minimalism nowadays, but it’s minimalism with a conscious choice.

And that should sound familiar. Ever heard of Bauhaus? Or Form Follows Function? Functional simplicity through refinement and design improvements? Or even simple sustainable design?

The british Designer Jasper Morrison brought this point to me in an interview he had with the NZZ this spring. 

He is one of the big names behind Muji’s great array of houshold goods. And Muji is the perfect example of modern Wabi-Sabi or as you might think Bauhaus Design. 

Morrison calls objects that follow such a design „supernormal“ and discribes their simplicity like this:

 […] Dinge, die supernormal sind, sind nicht einfach nur alltäglich und gut, sondern bleiben über eine lange Zeit funktional und richtig. 

[…] Things that are supernormal are not just commonplace and good, but they remain functional and right for a long time. 

My entrie flat is furnished with them. Simple, great materials, completely functional and giving you a sense of undistracted self, when you sit in it. No pattern that distracts or kitsch that you have to endure. No unneeded hooks or buttons. Just right and simple. Like Bauhaus wants to be. 

But most people who visit it mistake me for some kind of religious minimalist. An extreme form of Zen that needs to be admired like a marathon runner or ascetic monk. However from the perspective of modern Wabi-Sabi or Morrison choosing things that last amd simply fullfil their intended function over the ages, is a logical and frugal solution and leads to improved design, rather than a religion for its own sake. Simplicity amd Refinement. 

Wabi-Sabi also includes the acceptance and design for wear and tear. Like in a perfectly functionally planned moss areangment on a tea house’s roof (Function is to make you feel in wild nature) or a imperfect glazing on a tea cup. The intention is to point to the imperfection and relish in it.  Modern design does this as well with ideas like planned ageing of concrete or the used leather of your iPhone case. 

Simplicity that lasts, accounts for the wear as a form of beauty because its function remains relevant. Let’s see how my Muji showroom apartment does over the years then. 

Get more design in your live. 👯‍♂️📱

Reading List: Vielfalt in Ingenieursberufen

Hier eine kleine spät-sommerliche Leseliste zur Vielfalt in Ingenieursberufen. Auslöser: das abartige und berüchtigte Manifest des ehemaligen Programmieres bei Google über die Rolle von Frauen in der Branche diesen Monat:

The Economist: The e-mail Larry Page should have written to James Damore

Und hier die darin genannten Blogposts und Artikel:

What do scientists think about the biological claims made in the document about diversity written by a Google employee in August 2017?

Here’s your point by point refutation of the google memo.

I’m a woman in computer science. Let me ladysplain the Google memo to you.

Tech’s Damaging Myth of the Loner Genius Nerd

So, about this Googler’s manifesto.

Alle sind sehr lesenswert und betrachten die falschen Fakten, den wirklichen Arbeitsplatz oder die Situation allgemein aus verschiedenen Blickwinkeln. 

Ich kenne diese Probleme natürlich all zu gut. Das Thema lässt sich dabei auf alle Arten von Minderheiten in technischen Branchen weltweit erweitern. Die Argumente sind oft sehr ähnlich und die verpassten Chancen für die Unternehmen und Forschungseinrichtungen die gleichen. 

Motto: United in Diversity
Mehr Vielfalt für euch. Tschaka!🌻

Sommerfest

imageimageimageimageimageimageimageimageimageimageimageimageimageIn Japan liebt man es im Sommer ordentlich die Show auf zu machen. Feste, Parties, Feuerwerke, Paraden und Konzerte. Alles dauernd überall. Und bitte laut oder bunt oder beides. Matsuri heißt Festival auf Japanisch.

Das Tsukuba Matsuri in dem Wannabe Silicon Valley Japans namens Tsukuba, in dem ich ja zur Zeit residiere, holt seinen Nerds (und für die Großstädtischen Nahraumtouristen) gleich mehrere Festivals aus Nordjapan zu seinem. Ihr seht es auf den Fotos.

Aus Akita und Awamori. Die einen bringen Größe von innen beleuchtete Papier-Draht Skulpturen auf Rädern. Die anderen bringen riesige Lampignon Segel zum auf dem Kopf balancieren.

Und die Locals werfen Glöckchen auf die Menge oder lancieren die Schreine der Götter der Nachbarschaft auch durch die Parade. Dabei tanzen ziemliche viele Leute wild und überall gibt es Hippe Burger, Longdrinks aus Obstsäften oder türkische Eiscreme.

Fantastisch für so einen Wochenende im Sommer eben.

Kommt mal nach Nerd-Town. Wir haben hier einen Strahlenbeschleuniger, ein gigantisches Laser-Radar zur Vermessung der Atmosphäre (und schön bunt abends), eine Raumfahrtzentrale, die die ISS steuert (ja das darf Japan machen…), Roboter-Frauen (natürlich), Roboter-Robben (weil es so gut klingt), Roboter-Anzüge (das mache ja ich) und ganz viel unglaublich komplizierte Chemie, Materialien und Erneuerbare- Energietechnik.

Make more Future, babe!

Routineuntersuchung im Anime Spaceship Style

Erstmal unzusammenhängende Fotos aus Japan als Klick-Beute:

Der Sommer ist da. Heiß. Und pünktlich zu den Hitzewellen ist bei uns in der Firma Pflichttermin: Medizinische Routineuntersuchung – jährlich.

Die generelle Idee finde ich super. So kann man sich sicher sein, egal was für absurde Krankheiten man hat, wenigstens einmal im Jahr könnten sie irgendjemandem auffallen. Mein spanischer Kollege hat mir auch bestätigt, dass man das in Spanien auch so hält.

In Deutschland war ich jeweils nur bei der Einstellung einmal beim Firmenarzt. Und der hat mich mehr oder weniger nur angestrengt gefragt, ob ich noch lebe und mir daraufhin sein unterschriebenes Formular gegen die Stirn geklatscht.

In Japan ist das natürlich viel geiler. Das „Gesundheitszentrum“ ist ganz neu. Alles in seichten skandinavischen Holztönen. Beruhigende klassische Musik im Hintergrund. Frauen in einer schwarzen Stewardessen Uniform begleiten einen als „Guidance“. Jede Technik total modern. Wie in einem futuristischen Raumfahrt-Anime. Und alle sind höflicher als im Vierjahreszeiten bei Filmpremiere.

Als erstes registriert man sich und dann durfte ich mich umziehen. Ich muss ja schließlich auch so eine spacige Uniform bekommen, damit ich am Set nicht auffalle. Also in die RFID automatisierte Umkleide. Im Schrank 42 (obviously) liegen schon ein Overall und eine Jogginghose zusammen mit Stoffsandalen bereit. Hemd und Hose aus und rein in das Graue Schmuckstück mit blauem Streifen über die Schulter und dunkelblauen Armen für Männer und grau-rosa Armen für Frauen (Gendering for Hyperspeed please).

Darin sieht fast jeder Bierbauch wie Captain Kirk persönlich aus auch ohne Wasser-Blumenkohl-Diät. Also weiter. Zur ersten Stewardess an ihrem kleine Computer Pult mit perfekt sitzender Frisur und Uniform. Sie scannt meine Karte – und die enthält tatsächlich auch eine Gebäudekarte als Aufdruck für meine Orientierung.

„Sehr geehrter Herr *Zensurstreifen* bitte nehmen Sie hier vorne Platz im Bereich eins. Sie werden mit der Nummer 17 aufgerufen.“ Ich sitze und lausche beruhigender Klassik.

Das ist auch bitter nötig, denn die eifrigen Mediziner hinter den designten Türen hatten mir nämlich vorab verboten weder morgens nach dem Aufstehen bis jetzt die kleinste Menge Wasser zu trinken, noch irgendwas zu essen. Ich war schon im zweiten Zyklus kurz vor Kreislaufkollaps und Bewusstlosigkeit und es war gerade mal kurz nach neun. Seichte Klaviermusik kann da helfen.

Auch der Fakt, dass sie mir schon vorab einen lange Liste an Fragen schicken (auf Japanisch) mit konkreten komplizierten Symptom- und Lebensstil-Abfragen, war wohl nur zu meinem Besten und half dem Ablauf erstaunlich. Aber viel schlimmer war die kleine blaue Plastiktüte, die mitgeliefert wurde. Piss-Test.

Frei nach Origami hatte man eine sehr kleine mit Plastik beschichtete Papier-Faltbox und ein raketenförmigen Plastikzylinder mitgeschickt. „Das Erste, was Sie am morgen tun, ist ihre Pisse in den Zylinder bringen“. Nur fehlte nach der Faltanleitung für die Box jeder weitere Schritt des Prozesses auf dem Papier.

Also sollte ich wohl die Box bauen (halbschlafend, morgens nach dem Weckerton) und diese unter meinem Penis festhalten, während ich auf meinem Klo sitzend möglichst die Box gut balanciert in sie rein pinkele – nicht zu viel – und nichts auf meine Finger oder irgendwo sonst hin verspritze. Macht das mal um 8 Uhr morgens. Ich hätte wohl auf den Fetisch Parties mehr aufpassen sollen.

Ok. Also hatte ich dann eine kleine Box voll mit gelber Pisse und einen kleinen Zylinder mit Plastikkorken. Und jetzt? Albtraum. Das hat sich kein Ingenieur ausgedacht und Usability ist mindestens eine Galaxie entfernt.

Ich sage euch nur, es hat am Ende geklappt. und ich konnte die kleine Rakete in der blauen Plastiktüte versiegeln und mich aufs Fahrrad schwingen, um bei 28 Grad nicht genährt und dehydriert über Hügel zu dem Zentrum zu rasen.

Nach meiner ersten Station dort ging es ein Stockwerk höher. Und dieses Stockwerk war wirklich wie bei Asterix und Obelix in diesem herrlichen römischen Amt. Ich wurde über mehr als eine Stunde hinweg von einer Station zur nächsten geschickt. „Hörtest, Raum 16, warten Sie bitte davor, Sie werden ausgerufen.“ „Elektro-Cardiographie, Raum 8.“ „Sehtest. Raum 12. Warten Sie drinnen.“

„Wie, sie können keine Kreise mit Loch in der Maschine mit Brille erkennen? Machen Sie den Zyklus nochmal.“ „Ich sehe wirklich schlecht.“ „Nochmal bitte“ „puh“ „Ja, Sie sehen wirklich schlecht. Erstaunlich. Das nächste wäre dann Raum 6.“

Und überall um mich herum auf dem Flur, wo alle diese chaotisch angeordneten Räume abgingen, Leute in der gleichen schneidigen, futuristischen Uniform – Patienten, viele Rentner, die lachend über die gleichen Testergebnisse plauderten, oder Hausfrauen, die gelangweilt in einer Klatschzeitung lasen – alle gleich. Anime-Feeling.

Alle Ärzte und Krankenschwestern (ja es waren nur Frauen) waren sehr höflich und äußerst geduldig, wenn ich zu blöd war den richtigen Knopf an irgendeiner Maschine zu drücken oder mein Gehirn wegen Unterernährung die Kurzzeitfunktion deaktiviert hatte und ich mir noch nicht mal die nächste Raumnummer merken konnte.

Die Technik war auch super. Trotz der chaotischen Raumfolge hatte ich immer das Gefühl, dass die Stewardess-Operator-Guidance Frauen alles völlig im Griff hatten und jeder zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Kaum Wartezeiten. Jeder Arzt oder jeder Schwester hatten genau eine sehr spezifische Testaufgabe, die meistens nur wenige Minuten dauerte.

Factory with a Charm, denn es war überhaupt nicht unpersönlich oder abfertigend. Durch die Höflichkeit und den guten Service, hatte ich eher den Eindruck, man wolle mir möglichst einen reibungslosen, schnellen und angenehmen Aufenthalten gewähren. Das LAGESO Berlin ist dagegen die Abgründigkeit der Hölle würde ich mal wetten.

Meine ersten Testergebnisse waren natürlich gut – jeden Tag grünen Tee und viel Fisch. Der Rest kommt per Post.

Völlig ohnmächtig konnte ich mich danach in den nächsten klimatisierten Convenient Store retten und sofort eine Flasche Wasser, eine kleine Tüte Milch und drei Sandwiches desintegrieren. Ich war froh, dass ich nicht über 40 bin, denn dann hätte ich ein Magenentleerungsmittel schlucken müssen und per Endoskop nach Tumoren im Verdauungstrackt abgesucht werden müssen. Glück.

Hej, Deutschland, du alterst genauso schnell wie die Japaner (nur nicht ganz so lange erst) und deshalb solltest du auch auch dieses Pflichtprogramm einführen. Denn Profilaxe ist viel billiger als Endstadium-Therapie und kann echt Leben retten, besonders bei Alterungs- und Kulturkrankheiten (Diabetis, Schlaganfall, Krebs).

Und die Abschlussformel: Mehr geiler Stil auch im Gesundheitssystem.

Grüße aus der Zukunft. Wusch-Zisch.

Gay Pride Report

Sushi Brunch
Sushi Brunch
Nezu Museum von Innen zum Garten
Nezu Museum von Innen zum Garten
Blaue Blumen im Nezu Museumsgarten
Blaue Blumen im Nezu Museumsgarten
Frühlingsgrün im Nezu Garten
Frühlingsgrün im Nezu Garten
Leute fotografieren das Frühlingsgrün im Nezu Garten
Leute fotografieren das Frühlingsgrün im Nezu Garten
Komischer süßer kalter Espresso in Hipsterladen
Komischer süßer kalter Espresso in Hipsterladen
Sonnenuntergang in Shimokitazawa
Sonnenuntergang in Shimokitazawa

Letztes Wochenende war hier Gay Pride – oder wie die Deutschen sagen Christopher Street Day – und alles was ich bekommen habe war eine Papp-Brille von Netflix und ein paar Aufnahmen mit Sexy-Pokemon Kostümierten (unveröffentlicht um eure Fantasie an zu regen).

Ich war am Samstag auf dem Festa und nicht am Sonntag auf der Parade. Da war es einfach zu heiß und ich brauchte den sonntäglichen Winterschlaf… für den jugendlichen Taint, ihr wisst schon.

Mir war schon einige Abende vorher aufgefallen, dass dieses Jahr in ganz Shibuya selbst die konservativsten aller Kaufhausketten bunte Regenbogenflaggen an die Schaufenster gepinnt hatten. Das hatte ich so offensichtlich und so verbreitet noch nicht gesehen. Vielleicht kommt ja jetzt nach Halloween, Valentinstag und St. Patricks Day wieder eine weitere „Konsum-Jahreszeit“ für die Japaner hinzu. Die passenden Milchshakes bei Starbucks fehlten aber noch.

Shibuya ist – für die nach Kant Unaufgeklärten – der Haupt-Pop-Kultur und Junge-Leute-Stadtteil in West-Tokyo mit dieser riesigen Kreuzung (Scrumble Crossing) und all dem Bling-Bling-Bäng-Bäng.

Und dort ist auch einer der wenigen Stadtteile, die der Zentralregierung zum Trotz einfach mal so für ihren nicht ganz so kleinen Stadtteil gegen das ganze Land die Ehe für Alle (formally know as Homo-Ehe) eingeführt haben. Wie so ein kleines gallisches Dorf gilt das Zertifikat natürlich auch nur dort. Aber alle finde es geil. Ich auch.

Auch kenne ich einige junge Leute, die schon eher so leben, wie alle jungen Homosexuellen in großen Industrieländern und vor allem in den großen Städten. They fucking don’t care whom the fuck – and anyone else does for that matter. Das finde ich sehr erfrischend und entgegen vieler Klischees. Auch gibt es immer mehr Transsexuelle und überzeichnete Schwule oder Lesben in den vielen bunten TV Sendungen.

Aber Japan hat halt vor einer Weile von den preußischen Wilhelmisten und vor nicht ganz so langer Zeit von den angelsächsischen Puritanisten Importiert. Jetzt haben sie den Salat mit konservativen Nuklearfamilien und der aufgesetzten Prüderie im Wertekochtopf. Und das obwohl traditionell homosexuelle Beziehungen bei Samurai und den Adligen vor der Industrialisierung noch total in waren. Wilder Sex mit allem und jemandem natürlich auch. Als die Portugiesen das verhindern wollten warf man sie prompt aus dem Land, damals. Also jetzt mal grob vereinfacht.

Heute gibt es außer in ein paar Stadtteilen in Tokyo keine Ehe für Alle und auch überhaupt mal gar kein Anti-Diskriminierungsgesetz zum Schutz sexueller Minderheiten. Aber Hassverbrechen sind bei den multi-religösen-ateistischen Japaner auch eher unbekannt. Und kulturell wird Liebe sowieso nicht in der Öffentlichkeit schlabbernd auf der Parkbank ausgetragen, sondern findet im Privaten statt.

Die Festa nahe dem Hipster Park Yoyogi in Shibuya war genau das. Eine Veranstaltung, wo auch Althippies ihre selbst gestrickten Ohrringe hätten anpreisen können und Greenpeace eine Herzzereißende Popbalade zur Rettung der Wale inszeniert hätte.

Westliche Konzerne waren da und konnten ein Häkchen auf ihrem Formular für den Vorstand unter „Diversity Worldwide“ setzen. Die Skandinavier konnten vielleicht ein paar mehr Sauna-Touristen anlocken. Und die Internetfirmen konnten mal wieder hip und liberal dastehen und ihre Lila Trendfrisuren präsentieren.  Wie überall – auch in Berlin. Aber so richtig hat das mit meiner Liebe nichts zu tun. Ich küsse schließlich ziemlich selten irgendwelche Jahresabschlussberichte.

Aber die Transsexuellen und die Jungs und Mädls, die in den Aktivisten Buden saßen, hatten Energie. Sie waren witzig, bunt, gut drauf, nett und einfach herrlich. Die Stimmung war anders als in Berlin oder San Francisco überhaupt nicht sexuell, kam völlig ohne Leder-Abteilung aus und Muskel-Aufputschmittel hatte auch keiner genommen, sondern alles war eher pragmatisch und lustig. Wie bei einem Kindergeburtstag.

Ich habe Hoffnung mit den Japanern, denn im Herzen sind sie stink-liberal und einfach zu reflexiv höflich. Sie wissen, dass sie oft der Welt hinterher hinken und suchen deshalb gerade die Außenwelt und den Zeitgeist um so mehr. Das bleibt tief in ihrer Psyche verwoben. Es wird wohl in den nächsten 5 Jahren einfach irgendwann einmal ein Reformgesetz verabschiedet werden, wo auch Ehe für Alle drin steht, und dann alle so: „Tja. puh. Jetzt sind wir auch so weit. Noch Tee irgendjemand?“

Seid auch mit euren Nachbarn liberal – und wenn sie stinken schenkt Waschmittel.

PS für das Klick-Marketing habe ich einfach noch ein paar völlig unzusammenhängende Fotos vorne an den Artikel angefügt.

Hipster Problems

Hey, nur mal schnell auf die Kürze: Kennt ihr schon Pilgrim Coffee? Das ist die Lösung für alle eure komplizierten hippen Café Probleme.
Starbucks ist wieder mal von Renter-Touristen überlaufen und total unökologisch. In deinem Nachbarschaftscafe sitzen nur selbst-gestrickte Hippies und trinken Chai-Latte wie in den 00ern. Das angesagte Cafe an der Kreuzung gleicht einem Aluminiumwerk voller Apple Computer. Auf eurer liebsten Latte-Macchiato Terrasse starren sich wieder nur Tinder Dates und Funktionsjackenträger an?

Pilgrim Coffee (Web Karten Version) schafft Abhilfe. Weltweit listet diese (natürlich nur für Apple Produkte bereitgestellte App) alle coolen, trendigen Thrid-Wave Cafés mit oder ohne nicht ganz durch gerösteter Bohne.

Roter Stern heißt mega geiler Milchschaum, komplett an das Ritualsystem des modernsten Baristakultes angeglichen und überdurchschnittlich gut aussehendes Personal. Blau heißt auch „geile Scheiße“, aber manchmal gibt es dort eben nicht Bio-Sojamilch, Recycelbare Papiertüten mit Top-Designer Logo oder ökologische Sandwichs mit Käse von Ziegen aus Nordirischen Inselgruppen. Aber das macht nichts. Die sind trotzdem eigentlich auch super. Ich spreche da aus Erfahrung.

Jetzt folgen kurz ein paar zusammenhangslose Fotos vom Himmel über Tokyo für das Visuelle.   
    
 Übrigens hat Tokyo nach Melbourne (!) die meisten hippen und moderenen Coffee-Zeremonie Tempel. Natürlich. Ist ja auch die Welthauptstadt des Trendes und der mittelalterlichen Zeremonien-Kultur.

Und noch eine letzte Kirschblüte.   
Gönnt euch ne gute Dosis. Un doppio per favore.

Integralrechnung differenziert

Gerade hat mir ein Freund dieses Video von Arte geschickt, indem es in einem One-Shot etwas klischeehaft um Integration und deutsches Spießertum geht. Das inspiriert mich jetzt über meine Integration zu sprechen.

Ich bin Anfang dreißig und unverheiratet nicht Bürger, also Ausländer, also Migrant, also „Mitmensch mit Migrationshintergrund“, also Ausländer, in dem Land in dem ich lebe. Ich habe eine Hochschulbildung  einer ausländischen Universität und einen festen Job bei einer jungen Tech Firma.

Mein Sprachniveau pendelt je nach Alkoholdosis irgendwo zwischen Realschulabschluss und Fachhochschulreife. Meine Lese- und Schreibfähigkeit grenzt an asozial und wird nur durch ausländische Digitaltechnik auf ausländischen Servern am Leben gehalten (Thank you Google Übersetzer, Apple Wörterbuch, Browser-Plugins und Diktierfunktion). Meine Digitalgeräte sind auf meiner Landessprache für andere unlesbar. Ich telefoniere gerne laut in dieser in der U-Bahn oder in Kneipen und habe dazu Video-Streams auf Lautsprecher.

Ich wohne in einem Wohnheim ausschließlich mit anderen Migranten und höre dort unverschämt laut ausländische Musik, halte mich nicht an die Mülltrennungsregeln und fahre gerne über rot. Am Freitag gehe ich ausschließlich mit anderen Migranten in einer Kneipe für Migranten trinken. Keiner meiner Migrantenfreunde spricht irgendwie weitestgehend die Landessprache. Kaum einer hat Staatsbürger als Freunde.

Ich bekomme in dem Land in dem ich lebe keine Kreditkarte, kann die Tageszeitung nicht lesen und weiß bei manchen Speisekarten nicht, ob es sich um eine Anleitung zur Reparatur eines Fernsehers handelt. Manches lokale Essen, das ich bestelle, würde mein Heimatland als Schweinefutter deklarieren.

Ich bin registriert in der Ausländerkartei beim Rathaus und muss nur als Nicht-Bürger immer eine dies bescheinigende Identitätskarte bei mir tragen. Sonst werde ich bei unangekündigten polizeilichen Kontrollen mit strengen Bußgeldern belegt.

Meine religiösen Ansichten (Agnostiker), meine Gedanken zu sexueller Orientierung (Everyone is a little gay) oder meine Einstellung zur Rolle der Frau (kreischender Feminist) stoßen sowohl bei manchen meiner Mit-Migranten, als auch bei vielen der hiesigen Staatsbürger auf heftige Reaktionen und Abneigungen. Nur mein ausgeprägter Charme konnte Kneipenschlägereien und Wuttornados bis jetzt in Zaum und Riegel halten.

Alles in allem bin ich total asozial als Migrant. Ihr würdet mich bestimmt in der U-Bahn nur komisch anschauen und hinter meinem Rücken über meinen merkwürdigen Körpergeruch debattieren. Meine großartig, weltbewegende Kulturgeschichte würdet ihr auf ein banales Fastfood (Würstchen) oder auf ein bäuerliches Bierfest (Oktoberfest) reduziert.

Aber trotzdem bin ich integriert, denke ich. Mein Gastland hat eine Ausländerquote von rund einem Prozent. Meine Landesgenossen sind mit ca. dreitausend in diesem Land unbemerkbar.

Meine Kultur ist aber überall: Baumkuchen in jeder größeren Bahnstation, Beethoven Konzerte und Klarinetten Unterricht links und rechts, Luxusfahrzeuge auf den Straßen, schicke Anzüge an den Männern, Sportschuhe an der Jugend oder Sensorikmodule in den Geräten. Baustile im Zentrum, Kunstgemälde in Museen oder Club-Beats im Untergrund. Wissenschaft, Medizin, Chemie, Bürgerliches Gesetzbuch. Alles ist hier, mit mir, aus meinem Heimatland, auf der anderen Seite des Planeten.

Es interessiert sich übrigens auch keiner, ob ich integriert bin. Es erwartet niemand, dass ich die Landessprache spreche, die Landesreligion auch nur ansatzweise verstehe, die Politik kommentiere oder mir Freunde mit Staatsbürgerschaft oder Blutsabstammung suchen soll. Lieber sprechen alle mit mir Englisch, können ja sonst ihre teuren Abendkurse und Lernprogramme eh nie einsetzen. U-Bahnstationen, Fernsehsendungen oder Museumstafeln sind selbstverständlich und zuverlässig überall auf Englisch unter-titelt oder synchronisiert. Lieber finden die Staatsbürger es witzig, kreativ, inspirierend, befreiend, dass ich mich nicht anpasse, danebenbenehme oder es anders mache. Ansonsten könne man mir ja aus dem Weg gehen.

Ich bin integriert. Ich habe einen festen Job als ausländischer Spezialist meines technischen Gebietes. Ich erkläre und übersetzte die Kultur um mich herum für meine Migranten-Freunde. Ich habe eine Gastfamilie mit Staatsbürgerschaft, die mich gerne zum essen einlädt. Ich habe Staatsbürger als Freunde aus Kneipen, Bars, von freiwilliger sozialer Arbeit, aus der Studentenzeit, von Dates, Freunden oder von vorherigen Jobs. Ich kann kochen wie die Landesküche es vorgibt. Ich besitze die passenden Küchen-Utensilien (Reiskocher und Teekanne). Ich schaue das Landesfernsehen und reise, kaufe, genieße gerne die Marken und Produkte meines Gastlandes. Ich sehe Vorteile in meinem Gastland und finde Dinge angenehmer, besser, schneller, schöner, hübscher als irgendwo anders auf der Welt.

Am Ende ist es für mich scheiß egal, wie ich integriert bin. Hauptsache ich habe Spaß, ich habe nette Menschen um mich herum, habe eine Lebensunterhalt und kann sein wer ich bin. Das ist bestimmt bei Syrier, Amerikanern, Isländern, Kosovo-Albanern, Kongolesen, Dritte-Generation-Jugendlichen oder Misch-Ehen-Kindern auch so.

Mein Gastland macht mir Freunde. Sonst könnte ich ja wieder gehen. Das ist ein Luxus, den nicht jeder hat.

Diese zwei Punkte werden in Deutschland nie diskutiert, wenn es um Ausländer, Nicht-Bürger und Integration geht. Dabei ist es ganz einfach: „Bist du glücklich in Deutschland?“ und „Möchtest du gerne bleiben?“. Wer nur eine der beiden Fragen mit Ja beantwortet ist integriert oder wird schon dafür sorgen. Alles weitere sollte im Ermessen des Integrierenden liegen, wie in meinem Gastland auch.

Mir hat dabei nicht der Staat, sondern die Zivilgesellschaft immer viel geholfen: freiwilliger Sprachunterricht von Rentern und Hausfrauen, Einladungen in teure Sushibars, Geschenke für die Küche, Mitnehmen auf Parties und zu Ritualen, gemeinsame Reisen. Das kann Deutschland auch. Schon lange. Und alle finden es toll.

Der Rest ist die eigene Angst der Staatsbürger vor der eigenen Unflexibilität. Lasst uns diese Angst zerstreuen. Vielleicht wären die respektvolle Neugier, die Faszination und der Genuss an dem Anderen, Ausländischen, den die Japaner gerne pflegen, ein Weg dahin. Es lohnt sich dies zu probieren, denn vollkommen einheitlich zur Gleichheit integriert werden wollen auch Staatsbürger nicht.

Bleibt individuell und spannend. Call me, when it’s raining.

PS: Es ist übrigens total rassistisch zu fragen, ob ich auf Japaner stehe. Stop it! Es gibt überall hübsche und heiße Menschen. Sexualität ist so ein tiefes Basisprogramm der Lebewesen, dass die komplexe Konstruktion einer kulturellen Herkunft da nicht verarbeitet wird.