Aufräumen zum Neujahr

Frohes Neues Jahr, Internet! Es ist wieder schön dich auch dieses Jahr weiter in meinem Leben zu haben.

Pünktlich zum Jahreswechsel hat Netflix den Guru des Aufräumen und Wegwerfen Marie Kondo (natürlich Japanerin) an die Digitalen Endgeräte geworfen. Tidying up with Marie Kondo (Link mit Trailer).

Der Kern der Sache: Eins. Werft alles raus, dass bei euch keinen Funken Freunde überspringen lässt („Sparking Joy“). Da ist die süße kleine Japanerin mit Dolmetscherin strikt. Und zwei. Sortiert alles aufrecht, vertikal in Schränke und Kisten nach Gruppen sortiert um. Fertig ist Instant Minimalism.

Da bin ich natürlich sofort aufgesprungen als Sektenopfer von Form-Follows-Function Apple Geräten und Muji Möbeln. Schon während der zweiten Folge war ich am Wohnzimmerschrank zu Gange und hatte bei der dritten Folge gleich zwei Tüten mit Müll gefüllt. Und mein Apartment sah vorher schon leer aus. Der Kleinscheiß („Komono“ auf Japanisch) hatte sich halt gut versteckt, wie sich rausstellte.

Am Ende kamen drei große Mülltüten in den Wohnblockcontainer und nach einem Trip zu Muji wurden viele Dinge in neue Kisten oder praktische Modulschränke aus Polypropylen senkrecht umsortiert. Die ganzen kleine Pappschächtelchen von Kopfhörern oder Modeartikeln, die ich aufgehoben hatte, stellten sich auch plötzlich als extrem praktisch heraus. Neues Leben: My stuff sparks joy for me!

Entdeckt doch auch euer neues Ich und die fantastische Freude des Wegwerfen und Umsortieren nach Marie Kondo.

Netflix Bindge Watching.  🤓✨🧹

 

Merry Christmas, Internet!

Ihr wisst vielleicht, dass in Japan Weihnachten eher ein Klon von Valentinstag ist. Also alles romantisch und mit happy ending wie in der Weihnachtsepisode deiner Lieblingsserie.

Also, was kann ich da noch hinzufügen, außer einfach ein paar Stadtfotos vom Kitsch und Winter in Tokyo.

Find the fake Brand. Streamer Coffee Bar irgendwo in einem umbenannten Bürokomplex in Harajuku.

Hippe Kids vor einem trendigten Kaffeeladen ohne richtige Sitzgelegenheiten. Dafür alle in teurer Markenklamotte. Shimokitazawa.

Package One. Box in Grau mit Anzug-Schneiderei. Shimokitazawa.

Baulücke wartet auf Neubau.

Shinjuku gesehen von einem Dach in Shimo-Kitazawa. Glitzernd in der Abendsonne.

Nahe Jinbocho mit Hochhäusern und Park.

Park nahe Kaiserpalast im Herbst Orange.

Bücherwurms auf der Straße in Jinbocho.

Rosa Himmel, gelbe Stadt. Abends in Harajuku.

Sushi Koch am Telefon bei Firmenfeier

Achtung, dieses Foto enthält einen Fuji Berg. Nur wo? Aber auch viel Orange als Trendfarbe.

Tonkatsu. Manche sagen auch: dickes Schnitzel.

Finde Walter! Weihnachtsmänner demonstrieren für bessere Arbeitsbedingungen in Marunochi.

Quatsch, die Angestellten der umliegenden Boutiquen veranstalten eine kitschige Marketing-Parade, natürlich.

Marunochi ohne Weihnachtsmänner in Lichterketten.

Sollten die Farben dieser Fotos unerklärlich klar und übernatürlich stark rüberkommen, liegt das nicht an euren letzten therapeutischen Tabletteneinwurf, sondern an der automatisch computerverarbeiteten Fotografie meines neuen iPhones XR (in Rot). Sorry. It’s reality now. 😛

Frohe Weihnachten euch allen! 🧚‍♂️🎅🏿🦄

Weiteres Rot im Herbstlichto

Kameratouren sind Spaßig. Heute bin ich in den Yuppie Stadtteilen Naka-Meguro und Daikanyama rumgelaufen. Wieder mit der RICOH GR:

Dabei fielen mir natürlich sofort die vielen lässig ausgewählten Markenteile auf die alle außer die Touristen angeworfen hatten. Super schick natürlich. Herbstmodezeit eben.

Auf dem Rückweg kam ich am neu gebauten Hochhauskomplex Shibuya Stream vorbei wo ein früher überdauert Kanal neu geöffnet wurde. Aber alles sehr Beton-Begradigt. Nature No! Ist wohl das Motto. Etwas kühl dadurch und schade für die verpasste Chance auf Begrünung und Belebung.

Etwas entgegen dem Trend wieder 2000er Glasbausteine ohne Holz oder viele Pflanzen. Aber dafür viele kleine über bunte Instagram-Ready Fast Food Kneipchen. Etwas lahm im witzig, spritzigen Lemonadencocktail Shibuya.

🦖👯‍♂️🍹

Rötungen

Sexy Kostüme und wilde Touristenaufstände zu Halloween sind vorbei, neue iPhones sind draussen und die Japaner schmeissen die Kotatsu-Tischheizung an. Es ist Herbst und ich habe eine etwas ältliche Digitalkamera wiedergefunden und wieder ausprobiert. Ist es jetzt Retro mit Vollformat-chip und quadratischer Taschenkamera von Ricoh (GR von 2014) auf die Strasse zu gehen? Kein Filter und Onboard Raw Datei Entwicklung. Ich kenne es kaum noch, so ganz ohne iOS Auto HDR und Anti-Rockfoto always on Shutter Sound.

Naja die Fotos transferiere ich jetzt aber per überteuertem Apple Adapterstecker übers Endgerät in die Blogosphäre. Hier die Eindrücke aus Tokyo. Ohne Kommentare. Wie ein stiller Herbstspaziergang eben.

Die Technik funktioniert anscheinend noch super. Geniesst den Herbst mot Käffchen und Schweineschnitzel. 🍁🍂☕️

Tokyo Rainbow Pride 🏳️‍🌈

Die Gay Pride, oder Christoper Street Day, Zeit fängt früh an in Tokyo. Bei 26 Grad im Mai auch kein Wunder.

Das zweitägige Event hat ein Straßenfest am Yoyogi Park, dem Hipster Hangout der Stadt, und eine Parade am Sonntag vom Park über Shibuya und Omotesando eine große Runde durch Modeviertel und Pop-Kultur Zentrale. Very gay eben.

Dieses Jahr war es die größte Parade überhaupt! Japan bewegt sich langsam in LGBT Rechten. Es gab doppelt so viel Gelder durch Sponsoring und auch viel mehr Wagen mit jeweils über 80 Leuten als wuselnde Regenbogen-Bande dahinter.

Ich bin bei der EU mitgelaufen. Weil Deutschland peinlicherweise diskrete Abwesenheit praktizierte, trotz des historischen und neuen Ehe für Alle Gesetzes, bin ich mit EU und UK Flagge kreischend mit-gewuselt. Herrlich.

Es gab auf dem Strassenfest auch einen schwulen buddhistischen Mönch, der Gleichgeschlechtliche Hochzeiten ohne Gesetzeseffekt vollzieht und lautstark seine Sutren verlas. Denn nur einige Stadtteile Tokyos (Shibuya und Setagaya) und ein paar Präfektur-Hauptstädte (Naha, Fukuoka und Sapporo) haben kleine lokale Partnerschaft-Gesetze für Homosexuelle.

Doch die gelten nur in diesen kleinen Gebieten und sind natürlich sehr minimal, da viele wichtige Dinge national or auf Präfektur Ebene entschieden werden. Wir hoffen weiter.

Die Parade war wiedermal großartig.

Liebe hofft weiter. 🏳️‍🌈❤️🧡💛💚💙

Nachtrag (7.5.2018): Der deutsche Botschafter war wohl doch mit auf der Parade und mehrere EU Botschafter standen auf der Bühne. Aber deutsche Flaggen, Flyer oder Fächer gab es keine und auch keinen Stand von Deutschland, obwohl Berlin ja für Gay Tourismus eine der Weltstädte ist.

Das Museum für Afro-Amerikanische Geschichte

Auf dem Weg zum Museum für Afro-Amerikanische Geschichte in Washington DC schon versuchte meine Lyft Fahrerin mich zu überzeugen, dass es falsch sei jetzt die Statuen ehemaliger Sklavenhalter und Kriegshelden im Süden des Landes nach Jahrhunderten zu entfernen. Dass diese für einen großen Teil der Amerikanischen Bevölkerung Furcht, Demütigung, Angst und Grauen darstellen; dass gerade erst seid Obama überhaupt Menschen die Kraft und den Mut haben diese Gefühle aus zu drücken; dass sorters ein ganz Prozess eines Liberalen, demokratischen Wandels ist. All dies schien sie nicht zu kennen, nicht sehen zu wollen und nicht hören zu wollen. Wie die drei Affen des Buddhismus: Du sollst nichts Böses sagen, sehen und hören. genau die Affen, die die Japaner euch als Emoji in jedes Mobiltelefon und jedes digitale Endgerät eingebrannt haben. 🙈🙉🙊

Aber was sie wohl nicht wusste war, dass sie mich vor dem wohl wichtigsten Museums-Neubau des Kontinent seid dem sende des zweiten Weltkriegs ansetzte. Das Museum für Afro-Amerikanische Geschichte.

Es ist schwierig über das Museum selbst zu schreiben. Eingehüllt in ein braunes Metallgitter zwingt einen das Gebäude erstmal mit dem Fahrstuhl in den dunklen Keller herab zu fahren. In das Jahr 1400.

Von dort muss man sich über die Epochen langsam und mühsam wie der Weg zur Freiheit über Rampen nach Oben arbeiten. Es ist das erste mal, dass mir der Sklavenhandel und die Qualen, das Leben und die Erfolge der Sklaven aus Afrika von Geschichtsbuchtexten durch physische Objekte, Zahlen und persönliche Geschichte in die Realität katapultiert wurde. Das ist real, diese Menschen waren real, ihr Leben war real. Es ist wie ein Schock.

Die Emotionen sind stark in dem Gebäude. Trauer, Wut, Zorn, Erstaunen durch Konfrontation. Besonders stark wurden die Gefühle vor dem Sarg des getünchten Afro-Amerikaners in den 60ern, des Ermordung Rosa Parks dazu brachte sitzen zu bleiben, in dem Bus. Es ist ein Kristallisationspunkt. Auch des Aufbruchs und der Selbstermächtigung. Ich fühle diese Gefühle immer noch.

Ab dem Erdgeschoss dann wird es lebhafter. In den Obergeschossen werden Kunst, Kultur und Artefakte von Afro-amerikanischem Leben heute gezeigt. Musik ist groß. Aber Auch Poesie oder oder Sport und Film. Die Trauer vermischt sich mit Lebensfreude und einem stoischen Fortschreiten.

Die moderne Kunst von Afro-Amerikanern, die auch hier gezeigt wird, hat Obama selbst ins Weiße Haus gebraucht.

Aber es fehlt auch etwas. RuPaul, Rhianna oder Byonce, Will.I.am, Pharrell William oder Travis Noah und Dear White People waren wohl vergessen worden. Michael Jackson war nur eine Nebenrolle auf einer Wand zu den 80ern zugetan. Opera dagegen war mit großer Glassbox , Studio Ausrüstung und Abendkleid ganz prominent. Die Gegenwart der Zukunft als Symbol für die jungen Afro-Amerikaner unter 35 ist wohl noch zu diskutieren. Ich bin gespannt.

Alleine für dieses Museum müsst ihr nach Washington DC kommen. Es verändert die Welt und ist dabei leicht schüchtern und zuvorkommend. Aber es ist jetzt da. Im Herzen der Demokratie. Für immer.

Küsse und Umarmungen. 👏