Kirschblüte!

Hallo Ihr Lieben! Der Winterschlaf ist jetzt langsam zu Ende. Denn es ist Kirschblüte! Und damit ich euch die frohe Botschaft nicht nur verkünde, sondern ihr auch in den Genuss der rosa Wolkenpracht kommt, gibt es hier erstmal nur Bilder der Blüten aus dem Shinjuku Gyoen Park von heute mittag.

Alkohol ist dort verboten. Und es kostet Eintritt, zwei Euro. Dadurch ist es kein Saufgelage wie unter allen andern Kirschbäumen in Japan.

Hier noch ein Bäumchen von Hachiko, der Hundestatue in Shibuya bei Nacht:

Des Weiteren habe ich mir in einer geheimen Ecke des Parks noch einen grünen Tee Matcha mit Frühlingssüßigkeit gegönnt. Obwohl der Park überflutet war mit Smartphones schwingenden Müttern und kreischenden Touristen, war im Teehaus meditative Menschenleere.

Auch rosa aber keine Kirsche:

Das dazu. Und immer weiter an den Frühling glauben. Dann kommt er auch. 🍵🌸🌸🌸

Frohes Neues Jahr!

In Japan sind heute noch Neujahrsferien. Also essen alle eifrig Shrimps, süße Bohnen oder Ente für die guten Wünsche im neuen Jahr. Das Jahr des Hundes und das macht sogar der Donuts-Shop zum Verkaufshit.

Hier erstmal ein Fuji für den Jahresanfang:

Hier die zwei Türme Tokyos. Der Skytree hinten links und der Tokyo Tower in Orange.

Und irgendwie ist Goethe heute nackt mit Kampfhund in.

Frohes Neues Jahr. 🕺🤓🍭🦄🐕

Love and Peace

Liebe Puschelpüs, liebe Leia, liebe Lissy,

Vielen Dank für den viele Spaß den wir hatten.

Vielen Dank für die wilden Rennen mit Basketbällen und Fährrädern.

Vielen Dank für das unauffällige Kopfkissen Besetzen am Morgen.

Vielen Dank für die Kuh im Hund.

Vielen Dank für die Scheiße aufm Perserteppich.

Vielen Dank für den Schokohasen Diebstahl an Ostern.

Vielen Dank für Attitüde und Haltung auch im Fahrradkorb

Vielen Dank für Sommer im Pool mit Hydrophobie

Vielen Dank für Überfall-Kämpfe mit Bettdecken und Strümpfen

Vielen Dank für süß sein in jeder Einkaufsstraße und auf jeder Cocktailparty

Vielen Dank für Star Wars im Handtaschenformat

Vielen Dank für Biss und Dynamik

Vielen Dank für dreiste Charmoffensive mit Hundeblick

Vielen Dank für Lautstarkes gegen Lieferdienste und Diätenpläne

Vielen Dank für die wahren Prinzessinnen in der Familie

Vielen Dank für alles. Für immer.

May the Force be with you now too – as ever.

Cheers. ❤️🧡💛💚💙💜

Visiting Tokyo: das Wutbürger Regelbuch

Die besten Reisezeiten für Japan sind entweder im April zur Kirschblüte oder zum Herbstlaub im Obotber. So hatte ich dieses Jahr schon zwei mal Besucherschwemme. Dabei fallen mir immer wieder ein paar Dinge auf. Dinge über Europäer, die einem nur auffallen, wenn man nicht in Europa ist, wenn sie selber nicht in Europa sind. Dinge über Freunde, Bekannte, Unbekannte und neue Freunde.

Ich lebe jetzt hier fast zwei Jahre. Ich habe mich wieder volkommen an Tempura, Grüntee-Eis, Halloween-Fake-Jahreszeit, Clubs ohne Türsteher oder die Tokyo Metro Dämmerschlaf gewöhnt. Was also machen die Besucher anders? Ein kleiner Wutanfall zum Nachlesen.

Erstmal, und als aller wichtigstes, haben die Leute hier keine nur esotherisch nachgewiesenen Ess-Intoleranzen (Ja, ich meine dich ganz Berlin Mitte) und niemand spricht darüber was man nicht essen kann, sondern höchsten was man nicht essen möchte, aber eher was man unbedingt essen muss.

Laktoseintoleranz ist Nationalfähigkeit und die Milchprodukte sind dementsprechend immer bearbeitet, aber jedes Schulkind trinkt jeden Tag ein Glas Milch und die Käseindustrie wird trotz EU Freihandelsabkommen am langsamsten von allen Industrien dem Butterberg geöffnet.

Glutenintoleranz ist nur für harte Fälle ein Thema. Weizenmehl ist nur in den von schicken Hausfrauen vergötterten Klein-Backwaren nach Pariser Art, anteilig in Soba und Udon oder Panade von Tonkatsu und Tempura. Reis enthält kein Weizenmehl, kann aber Spuren von schmeckt-gut enthalten.

Glutamat…. Liebe Idioten des verschlafenen Chemie Grundkurses in der Mittelstufe: Glutamat, also der Geschmacksverstärker Umami der sogenannten Dunklen Seite der Macht, ist essenzieller Bestandteil unseres Geschmackswahrnehmungssystems. Er entsteht beim Braten, Einkochen, Dünsten oder sonst wie erhitzen von jedem Fleisch, Seegras, Pilzen anderem Gemüse und Fisch. Ja auch mit Biogemüse in deiner überzogen teuren Teflondesignerpfanne mit Space Tech. Und ja man kann es als Pulver kaufen. Es schmeckt super und Japaner essen es jeden Tag besonders gerne mit dem Namen Dashi. Und sie leben einfach länger als du oder die Ruhrpot Currywurst Fanboys und Hanseaten Döner Connoisseure. Case in point.

Weiter geht es mit den Vegetariern. Hier dazu eine kleiner empörender Artikel der Schweizer, um den Bluthochdruck aufrecht zu erhalten. Vegetarier und Veganer sind in Japan fast nur buddhistische Mönche. Historisch gesehen gab es mal eine Zeit, in der Fleischessen verboten war. Deshalb ist es jetzt ein art Bürgerrecht. So ist in fast allem Fleisch oder zumindest Fisch-Fond. Vergesst es einfach. Es ist da, auch wenn ihr es nicht seht, riecht oder schmeckt. Es gibt ein paar trendige Veganer Restaurants in Yuppie-Gegenden Tokyos, die bedienen aber eher die Trendsucht einiger gelangweilter Hausfrauen als die Touristenfluten und fallen in die Kategorie „Exotisches ausländisches Essen aus LA, was ich mal in einem Hollywood Film gesehen habe“ für Japaner. Niemand rennt dafür durch die halbe Stadt. Niemand!

Alles weitere Verweigern von Nahrung, dass mir so einige meiner Gäste unverschämterweise angetan haben ist schlicht weg eine Psychose. Reis, Soba, Grüner Tee, roher Fisch, koreanisches BBQ, Sake, kleine ganze Fische oder Muscheln in Schneckenform sind alle samt medizinisch gesund, für einen Großteil der Weltbevölkerung Grundnahrungsmittel, haben in Japan generell eine sehr hohe Verarbeitungsqualität und sind auf jeden Fall zu probieren bevor geurteilt wird. Get over it or get help!

Weiter: Die Tokyo Metro ist schnell. Tokyo ist einfach fucking large. Es dauert mindestens 30-60 Minuten von einen „Zentrumsstadtteil“ zum nächsten zu wechseln. Es gibt nicht ein Zentrum wie dieser Kreisstadt Einkaufsstraße mit H&M und Rossmann. Planung, Glaube an das Wissen der Locals (mich, euren Overlord) hilft, und Google Maps.

Mobiles Internet ist Pflicht! Daten SIM Karten gibt es für 20-40 Euro schon am Flughafen und müssen ohne Wiederspruch verwendet werden. Keine eurer Messanger Apps löscht eure Nummer, eure Kontakte oder eure Selbst bei tauschen der SIM. Alles andere ist für den Rest der Menschheit mit der zivilisatorischen Technik eines Smartphones zur Verfügung einfach eine überbürdende Zumutung. Niemand hat mehr Bock auf Anrufe von öffentlichen Telefonzellen aus zu warten oder verschollene Freundinnen aus dem Metro System zu extrahieren. Eure Internet- oder wahlweise Instagramsucht könnt ihr zuhause in der Klinik, mit eurem Vodafone-Verkäufer oder auf dieser einsamen Insel bei Indonesien kurieren – nicht in Tokyo, nicht mit mir und nicht wenn ihr andere Leute treffen wollt.

Kauft euch eine IC Metro Chipkarte für den Nahverkehr (Pasmo oder Suica). Es ist keine Nobelpreisträchtige Leistung für die Menschheit jeden mit dem Suchen nach kryptischen Einzeltickets in einer unbekannten Stadt mit unbekannter Sprache und unlesbarem Schriftsystem „for this authenic asian experience“ aufzuhalten. Charge, Touch, Biep and go, like a Harajuku-Girl.

Tracking-Backpacks plus Funktionsklamotten sind für Länder ohne Schnellzugsysteme, Onlinebuchungsseiten, Gehwege, Fahrstühle, Rolltreppen, Taxistände, kontrolliertem Faunabewuchs, ausgerotteten Fressfeinden und Zivilisation. Also nicht Japan. Bringt einfach einen Rollkoffer und eure Hermes Handtasche, denn die Deuter-Rucksack Weltentdeckernummer glaubt euch spätestens seit GPS und Uniqlo Life-Wear eh niemand mehr.

In Clubs (zumindest die Geilen) gibt es keinen Dresscode. Sowas ist für Spießer oder bescheuert exklusive Londoner Richkids. Nadelstreifennzug, Batik-Shirt oder Lederharness geht klar. Ja Berliner, es gibt Vielfalt auch nicht in Schwarz und Dominatrix.

Gutes Brunch ist rar. Vertraue dem Overlord (mir). Und ja: ansonsten gibt es immer Reis. Schockierend.

In Japan isst man manchmal Sushi, nicht immer, nicht nur zu Vollmond, nicht immer von Nackten, nicht immer als billiges Drehsushi. Halt nicht immer, aber sie tun es immer gerne. Es ist Pflicht mindestens ein Thunfischsushi vor Abreise zu essen. Das müsst ihr bei der Einreise eidesstattlich erklären und es wird bei der Ausreise akribisch kontrolliert. Vergehen wird mit Zwangspause im Hallo Kitty Land bestraft – dafür ist die Falltür am Schalter.

Klamotten sind geil, kaufen ist aber eigentlich für fast jeden, der nicht eine schlanke Japanerin ist, unmöglich. iPhones sind derbe viel billiger als in der EU. Android Telefone gibt es nur mit Bondage-Ewigkeitsvertrag. Sind eh scheiße.

Die meisten geilen Läden (die für euch benutzbar oder zugänglich wären) kennen die Locals (ich, der derbe geile Typ, in diesem Fall). Ihr werdet nicht zum mega sexy Superheld mit Follower High-Score Bonus, wenn ihr Wissen aus dem Lonely Planet (Besitz ist kätzerisches Höchstvergehen an der Coolheit), irgendeinem anderen Reiseführer (Monocle und DK sind mitbringbar), aus einer Google Blog Suche (Kreativitätsschubumkehr), von TimeOut Tokyo, aus Foursquare (no one uses this shit), von Listen deiner Freunde, die auch nur Touristen waren und das oben Geschriebene auch nur schon gemacht haben, abzitiert. Un-Cool. Trust the Force. Get the Flow and Tabelog.

Tokyo ist eine Megastadt – die Mega Stadt des Planeten. Es gibt Millionen Shops, Kneipen, Bars, Restaurants und Klohäuschen, die jeden Tag entstehen oder vergehen. Konfuzius war schon davon überzeugt, es müssen in Tokyo mehr Kneipen geben als Atome im Universum. Keine einzige davon ist so wichtig, geil oder trendy, dass man sie unbedingt gesehen, geinstagramt oder bekotzt haben müsste.

Ich bin kein verdammter Synchronübersetzer – und niemand anderes sollte es für euch sein, außer ihr zahlt die unangenehm hohen Stundenraten für die Profis – plus Spesen. Wenn ihr die Landessprache nicht kennt und Besucher seid, dann esst was wir bestellen, geht dahin wo wir sagen, dass es cool ist, und benehmt euch wie zuhause auch. Mutti is watching. Ansonsten reist einfach alleine und haltet die Klappe.

Und bitte, kauft mir einen Drink, oder zwei. Das ist schließlich meine Freizeit und Energie die ich für eure kosmopolitische Bildung aufopfere. Alles andere ist verhandelbar (außer Vegetarier und Essen).

Prost.

PS: Es gibt hier keine Drogen für euch. Nein, einfach nicht. Wirklich nicht. Keine.

PPS: Fast alle diese Erkenntnisse waren übrigens für Amerikaner erfahrungsgemäß einer Erwähnung nicht bedürftig. Für diese muss nur noch mal klargestellt werden, dass die Hautfarbe des Gastgebers und dessen Essgewohnheiten oder Sprachfähigkeiten nicht im Zusammenhang stehen. Besonders ein wiederholtes, lautstarkes, öffentliches Erstaunen über diesen Sachverhalt wäre aus sittlichen Gründen zu unterlassen.

Social Media Pause?

Hey, ich habe ja neulich ein Video über Manoush’s Bored and Brilliant Buch gepostet, das nächste Woche erscheint. Jetzt probiere ich es mal aus. Und meine nervigste App, die mich immer wieder vor den Bildschirm zerrt, ist natürlich Instagram. 

Instagram. Als ich es anfing wusste ich gar nicht was es bringt nur Fotos ohne Text zu posten. Wieso denn das jetzt? Ich schreibe hier ja schließlich schon seit Jahren digitale Absätze. 

Und dann alles immer mit diesen fiesen Retro-Filtern. Warum muss jetzt Neues alt wie von den Eltern aussehen?  Naja das ist ja langsam vorbei. Gerade sind hyper bunt Filter oder diese Kleinkind-in-mir Hundeschlappohren Filter super geil. Sowass haben die Japaner schon in den 90ern aus den Fotoautomaten gedruckt. 

Aber es macht süchtig. Leute reagieren. Vorallem auf meine Sushi Posts. Alles was ich sonst so geistreiches in meinen Posts verstecke fällt von der Aufmerksamkeitsklippe der Bunten Modefotos, die sich in den Stream darubter drängen. 

Ich poste. Und poste und es gibt Herzen. Wie aufm Rummel im Schützenzelt. Toll. Freunde schreiben mir, dass sie für meinen Feed leben. 

Hm. Also dein Leben ist da draußen und nicht in meinem. Get out!

Get yourself some sushi! Oder geh ins Museum und ruf mich danach an. Oder schreibe einen cleveren Blogpost darüber. Denn selbst meine Insta-Shots von Ai Weiwei gaben mir keinen Raum für Reflexion oder Kritik an seinem einfallslosen  Bullshit für den europäischen Massenmarkt. Es war nur bunt. Und schön drapiert. Mit Sonnenschein. Disneyland. 

Und das ist was Instagram offiziell sein will. Nette Welt. Alle bösen Kommentare werden von einer Armee von Zensoren gelöscht. Der Hass, die Verletzlichkeit, das Unsittliche oder das Verstöhrende wird aufgelöst. 

In bunten neuen Regenbogen Filtern, die selbst graue Regenaufnahmen ins perfekte Sonnenlicht tauchen sollen. Die Erinnerung wird neu geschrieben. Alles Perfekt. Ohne Denkanstoß. Verdummt wie das Fernsehen, das keiner mehr zu Hause rumstehen hat, weil blöde.

Lange auf das Icon gedrückt, es wackelt. Und zittert. Und dann X… puff. Das war es für die Hochkontrast-Filter. Freiheit. 

Denn die Filterblase ist kein Algorithmus, sondern die per Design restriktiven Medien, die wir selbstständig nutzen. Selbstzensur in 140 Zeichen oder in einem Endlosschleife drei Minuten Videoclip. Aber sonst Referenzlos. 

Hier jetzt also mein Bilder Update für die ganze Welt online:🤓🐰

Laterne an der Straßenbeleuchtung
Disco mit Drag
Muskeln, Hasenohren und Deko-Girl in Ni-Chome
Tokyo Metro
Kein Sushi
Tempel mit Text Architektur
Drache am Dach
Café Idylle in Monzen Nakatcho

Mal sehen wann mich die Sucht wieder packt. Der Account ist nur deaktiviert. Fortsetzung folgt, wie in einer nicht enden wollenden Teenie Serie mit mehr wiederbelebten Nebendarstellern als Staffelnummern.🙀

Und jetzt mache ich Manoush’s nächstes Experiment mit: The Privacy Paradox. Klickt und macht auch mit. Fünf Tage per Mailinglist und Podcast Audio. 👻

🕺💃🎉