Vom Hochbahn Park aus zur Emanzipation

Heute morgen bin ich nach einer Schlacht um billiges Toastbrot am Frühstücksbüffett mit wanna-be Models in Pauschalreisegruppen gleich raus und rein ins Grau der Wolken zum High Lane Park. Das ist eine ehemalige industrielle Hochbahn, die in einen Park umgewandelt wurde. Vorbild natürlich Paris.

Die Ausblicke, Kunstwerke und Hipster Kaffee sind fabelhaft. Es ist wie eine Museumstour durch die industrielle Vergangenheit der Chelsea Gegend. Aber seht selbst:

Der Park endet im trendigen Meatpacking District. Alles ist eher so wie in Berlin Mitte. Neue Luxuswohnungen und Industrial Architektur. Baustellen überall. Aber dort ist auch das neu gebaute Whitney Museum.

Ich war dort angekommen mit der Vorstellung die Sammlung schien nicht so spannend zu sein, wurde dann aber von großartig kuratierten Themen überrascht. Besonders hat mir die Ausstellung „An incomplete History of Protest“ gefallen. Sie zeigt von Bürgerrechtsbewegungen über Aids-Krise bis hin zu Polizeigewalt viele historische und aktuelle Protestthemen durch berühmte oder aufstrebende Künstler der Zeit bis heute.

Was mir dabei wieder auffiel warne die starken Emotionen der Afro-Amerikaner bei besonders zwei Kunstwerken. Eine tief von unten hochkatapultierte Trauer und Empörung.

Das erste war eine scheinbar kitschige Ansammlung von Sporttrophäen. Doch dann wird einem klar, dass jede Trophäe für einen durch die Polizei getöteten Afro Amerikaner in New York steht. Sofort wird das glänzende Gold in der Masse erdrückend.

Nebenan saßen zwei afro amerikanische Studentinnen auf dem Boden vor einer Leinwand, die Szene aus der Bürgerrechtsbewegung von schwarz-weiß TV Zeiten bis heute mit PopArt mischte. Ihre innere Wut und Unruhe war wie eine zitternde Anspannung für mich im Raum ausgebreitet. Es scheint mir, dass diese Debatte und Aufarbeitung gerade erst anfängt und wie bei einer Mageninfektion in Wellen wie Erbrochenes unkontrolliert hervorstößt. Es erzeugt einen starken Sog von Mitgefühl.

Ich habe keine Fotos von den Kunstwerken gemacht, denn sie wirken nur in der Interaktion mit den Mit-Besuchern. Aber einige Eindrücke aus dem Museum gibt es doch – vor allem wieder mit Skyline View.

Danach konnte ich Fashion Girls beim Warten auf den Einlass zu irgendeinem Catwalk vom Italiener aus beobachten und mich etwas entspannen von den starken Eindrücken vorher. Es ist Fashion Week im Regen.

Aber ich war noch an einem anderen wichtigen Punkt für Protest. Dem Stonewall Inn auf der Christopher Street. Hier finden die LGBT Protest ja in den 60ern an und in ganz Europa feiern wir bis heute deshalb den Christopher Street Day, wie ihr ja wisst. Heute ist es ein Nagelstudio einer Kette in einem völlig eingeschlafenen Yuppie Stadtteil – die Neueröffnung der Bar ist gleich nebenan.

Irgendwie ist es aber beruhigen, dass die gleichen spießigen Nuklearfamilien, die damals weder sexuelle Minderheiten noch dann Aids wahrnehmen wollten, heute mit Designer Babywagen die gleichen Cafés vollstopfen, wie die Schwulen Jungs in engen Casual-Sportswear Marken oder in den gleichen Lädchen Indie-Magazine kaufen wie die grauen gut situieren Double-Income-No-Kids Herren mit GQ-Covermodel Silberbart. Und es wird ein paar Blocks weiter auch etwas entspannter, trendiger und gefühlt jünger. Google ist ja auch da.

Bleibt vielfältig und immer schön die Nägel pflegen 🦄💅🌈

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